Ausstellungseröffnung Circulating Sounds – Deep Doppler meets mathematical socialism

Circulating Sounds Foto: Tim Otto Roth

Eröffnung 12.10.2017, 18 Uhr
Ausstellung 13.10. – 03.11.2017

Goethe-Institut Hanoi

56-58 Nguyen-Thai-Hoc-Str.
Ba Dinh
Hanoi

Eröffnung einer Ausstellung von Tim Otto Roth

Im Goethe Institut Hanoi feiern zwei brandneue Klanginstallationen des deutschen Künstlers und  Komponisten Tim Otto Roth Premiere. Beide Installationen, die über den Besuchern von der Decke hängen, beschreiben auf unterschiedliche Weise eine kreisförmige Bewegung.

Bei aura calculata wandern Sinustöne in einem Ring von 23 illuminierten “Sound Pixel“. Die Aktivität und die gespielte Tonhöhe hängt von einer einfachen Selbstorganisationsregel ab: Jeder Lautsprecher folgt der selben Regel, die ihm vorgibt, wie er auf die Aktivität seiner beiden Nachbar reagieren soll – dasselbe Prinzip, das auch der sogenannten „La Ola“-Welle in einem Stadion zugrunde liegt. Die treibende Kraft, die alle Sound Pixel gleich macht, kann man gewissermaßen auch als einen mathematischen Sozialismus bezeichnen. Durch die Variation der Nachbarschaftsregeln können aus der Interaktion verschiedene raum-zeitliche Muster entstehen, sei es eine Oszillation, selbstähnliche Muster oder einfach ein chaotisches Rauschen. Über Jahre hinweg hat Tim Otto Roth in ausgiebigen Simulationen das Verhalten dieser minimalistischen Systeme erforscht und dabei entdeckt, dass einige Pixel mal mehr oder weniger aktiv sind. Diese unterschiedlichen Tendenzen werden schließlich in die variierende Tonhöhen und Farben der Sound Pixel übersetzt, die zusammen einen sich kontinuierlich verändernden Klangteppich weben. Hier erforscht Roth neue Harmoniken, die unter anderem auf mikrotonalen Tonleitern, wie einer 31- oder 51-Tonskala aufbauen, die von Huygens und Mercator vor hunderten von Jahren entwickelt wurden.

Weitaus physischer ist die kreisförmige Bewegung bei Deep Doppler. Die Arbeit besteht aus sechs von Innen beleuchteten Röhren verschiedener Länge, die an einem sechseckigen Resonanzkörper befestigt sind und langsam über den Köpfen der Zuhörer ihre Kreise ziehen. Diese hornartige Konstruktion erlaubt es mit satten tiefen Tönen zu spielen, die aufgrund der relativen Bewegung ihre Tonhöhe leicht verändern – eine Phänomen, das auch als Doppler-Effekt bekannt ist. Durch die Rotation und das Ein- und Ausschalten der Töne, das die farbige Beleuchtung nachvollziehbar macht, entsteht ein sich drehendes Klangfeld. Dieses wandert durch den Raum und auch durch den Besucher und zeichnet sich durch lokale Verstärkungen und Auslöschungen des Klanges aus.

Die Installationen spielen abwechselnd. Für die Premiere am 12. Oktober hat Tim Otto Roth für aura calculata eine Komposition entwickelt, die von einer Videoprojektion begleitet wird, die die Entwicklung des Systems graphisch übersetzt. Eine ähnliche graphische Darstellung, die die Entwicklung von hunderten von Schritten umfasst, liegt auch dem 13 Meter langen Tapetenstreifen zugrunde, der die längste Wand des Ausstellungsraumes ziert. In den Vitrinen werden Ausdrucke der Simulationen präsentiert, die die Quelle für Roth’s Komposition bilden und die die ganze Dynamik und Komplexität dieser selbst-organisierenden Systeme darlegen.

Im Werk des Konzeptkünstlers und Komponisten Tim Otto Roth (geb. 1974 in Oppenau/Schwarzwald) verbinden sich Kunst und Naturwissenschaft auf neuartige Weise. Seine international ausgestellten Arbeiten entstehen in Kooperation mit führenden Forschungseinrichtungen wie dem Hubble Space Teleskop. In der Fachzeitschrift ‚Nature‘ resümiert der in Oxford lehrende Kunsthistoriker Martin Kemp: „A new art is encoding a new science.“ (458, 836) Tim Otto Roth ist nicht nur künstlerisch tätig, sondern arbeitet zugleich als Kunst- und Wissenschaftshistoriker. Seine Dissertation „Körper – Projektion – Bild. Eine Kulturgeschichte der Schattenbilder“ ist 2015 im Wilhelm Fink Verlag erschienen. 

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