Konzert Boulanger Trio (Hamburg) zu Gast bei Vietnam Sinfonie Orchester (VNSO)

Boulanger Trio © Boulanger Trio

Do, 25.10.2018

Opernhaus Hanoi

Trang Tien Str. 1
100000 Hanoi

Dirigent Honna Tetsuji

Ludwig van Beethoven | Triple Konzert Opus 56 (Konzert in C-Dur für Klavier, Violine, Cello, Orchester)
mit dem Boulanger Trio: Birgit Erz, Violine, Ilona Kindt, Cello, Karla Haltenwanger, Klavier.
 
Ludwig van Beethoven | 3. Sinfonie „Eroica“ in Es-Dur Opus 55
 
Mit der Gründung des Boulanger Trios im Jahr 2006 erfüllten sich die Pianistin Karla Haltenwanger, die Geigerin Birgit Erz und die Cellistin Ilona Kindt den Traum, ihr Leben der Kammermusik zu widmen. Das Trio, das in Hamburg und Berlin beheimatet ist, hat sich längst einen ausgezeichneten Ruf in der deutschen Kammermusikszene erspielt. Das Trio benannte sich nach den Schwestern Nadia und Lili Boulanger, die durch ihre außergewöhnlichen Persönlichkeiten und ihren kompromisslosen Einsatz für die Musik den Musikerinnen bis heute eine große Inspirationsquelle sind.
 
Das Trio begeistert durch sein leidenschaftliches Spiel und seine intelligenten Interpretationen Publikum und Presse gleichermaßen. Durch seine unvoreingenommene Sicht auf die Werke findet es stets seine ganz eigene Tonsprache für jeden Komponisten, mit dem es sich befasst. Hier bestechen in jedem Augenblick der spürbare Wille der drei Künstlerinnen zum Ausdruck und die Intensität, mit der sie jedem musikalischen Detail nachspüren. Der ausgeprägte Klangsinn lassen die Konzerte des Trios zu unvergesslichen Momenten werden.
 
Das Boulanger Trio kann auf eine beeindruckende Diskographie verweisen. Acht CDs dokumentieren das umfangreiche Schaffen. Die CD „Solitaires“ mit Kleinoden der Trioliteratur und die jüngste Einspielung von Beethovens Schottischen und Irischen Liedern gemeinsam mit dem Bariton Andrè Schuen wurden jeweils zur CD des Monats gewählt. Die Beethoven-CD sowie die Schostakowitsch-Vasks CD wurden mit dem Supersonic Award geehrt, 2010 erhielt das Trio für seine Brahms-Schönberg-Liszt-CD den begehrten Excellentia Award in Luxemburg. Die nächste Veröffentlichung mit Werken von Juon und Tschaikowsky ist für August 2018 angekündigt.
 
www.boulangertrio.com
 

Grußworte des Boulanger Trio zum ersten Teil des Konzertabends

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Konzert für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester C-Dur op. 56
 
„Konzertant nannte Beethoven dieses Werk aus dem Jahr 1803/04 in einem Brief an seinen Verleger. Das erinnert an die Gattung sinfonia concertante, die sich aus dem concerto grosso des Barock entwickelt hatte. Hier stand eine Gruppe von Solisten einem Tutti gegenüber. Das Genre war damals Unterhaltungsmusik im besten Sinne und höchst beliebt. Beethoven hatte aber Neues im Sinn: Er wollte ein Klaviertrio mit einem Orchester im Stil eines Instrumentalkonzerts verbinden. Ein Trio bot ihm dabei unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten und damit ein reizvolles Spiel mit Klangfarben.
 
Für uns, die wir unser Klaviertrio als einen Klangkörper, als ein eigenständiges Instrument sehen, ist dieses Konzert immer wieder eine besondere Freude und eine schöne Herausforderung. Der Wechsel zwischen solistischen Parts, kammermusikalischer Zweisamkeit bis hin zu einer Begleitung für eine der Kolleginnen verlangt große Flexibilität und Einfühlsamkeit. Es ist, als ob unser Ensemble um viele weitere Mitspieler aus dem Orchester gewachsen ist, mit denen wir in unterschiedlichen Kombinationen „symphonische Kammermusik“ spielen dürfen.
 
Ganz anders als in seinen sämtlichen Klaviertrios überträgt Beethoven dem Violoncello die führende Rolle und weist ihm so eine partnerschaftliche Position gegenüber der Violine zu, während der transparente Klaviersatz mehr im Hintergrund bleibt. Dieses „Muster“ verwendet Beethoven bereits im ersten Satz Allegro: Einleitend trägt das Orchester das rezitativartige Thema vor, ehe das Violoncello es in der Tenorlage übernimmt. Dieses wird dann mit einem schwungvoll-marschartigen zweiten Thema konfrontiert. Nach brillanten Skalen- und Trillerfolgen in der Durchführung, nach überraschenden harmonischen Rückungen und spannenden Dialogen zwischen den Soloinstrumenten bzw. ihnen und dem Orchester führt das Violoncello noch einen neuen sehnsüchtigen Gedanken in Moll ein. Erst danach endet der Satz im triumphalen Fortissimo.
 
Der zweiten Satz Largo hat dann fast schon einen kammermusikalischen Charakter. Nachdem das Solocello das wunderbar kantable Thema nur von den Streichern begleitet vorgestellt hat, spielen alle Soloinstrumente und werden lediglich von den Solobläsern im Orchester begleitet. Besonders spannend ist der Attaca-Übergang direkt in das Finale, bei dem sich das Solocello geradezu in einen Ton zu verbeißen scheint.
 
Nun folgt das schwungvolle Rondo alla Polacca, ganz unbeschwert in seinen thematischen Einfällen. Die Finalgestaltung ist ganz typisch für den „mittleren“ Beethoven: Nach einem Wechsel in den Zweiertakt schon fast am Ziel, nimmt Beethoven den ursprünglichen Polonaisenrhythmus im Dreiertakt wieder auf, ehe er das Tripelkonzert mit einer wirkungsvollen Stretta beschließt.
 
Das Werk ist einmal mehr Beweis für Beethovens revolutionären Geist und der Suche nach Neuem: Kammermusik in der Verbindung mit großem Orchester, bis heute eine ganz besondere Symbiose!“

Zurück