Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Werner Herzog
Letzte Worte

  • Produktionsjahr 1968
  • Farbe / Länges/w / 13 Min.
  • IN-Nummer IN 3578

Im Nordosten Kretas: Mit Polizeigewalt soll ein Mann von der vorgelagerten, unbewohnten kleinen Insel Spinalonga auf die Hauptinsel gebracht worden sein. Der Mann selbst, ein Lyra-Spieler, verweigert jede Aussage über seine Erfahrungen. Andere stellen ihre Mutmaßungen an.

Der Musiker bleibt namenlos. Zu Beginn erklärt er: “Sie sagen, ich soll nein sagen; aber ich sage nicht einmal das. Das ist mein letztes Wort!” Dann schaut er schweigend in Richtung Kamera. Zwei Polizisten erklären: “Wir haben ihn von da drüben geholt. Wir haben ihn gerettet!” Sie wiederholen diesen Satz mehrfach und sprechen ihn gleichzeitig: Damit wird klar: Dies ist ein auswendig gelernter Text.

Andere berichten, der Musiker habe sich auf Spinalonga von Kakteen, Tomaten, Disteln und Eidechsen ernährt -auf der Insel, auf der es nicht einmal die Venezianer, Sarazenen und Türken auf Dauer ausgehalten hätten. Es heißt, als die einstige Leprastation auf Spinalonge geschlossen wurde, sei er einfach geblieben, bis ihn seine Verwandten entmündigen und mit Polizeigewalt auf die Hauptinsel zurückholen ließen. Auch diese “Zeugen” wiederholen ihre Aussagen mehrfach. Die Kamera zeigt dazu Bilder der unbewohnten, geisterhaften kleinen Insel mit ihren verfallenen Häusern und Schädeln der Toten. Auch von der Entstehung der kleinen Kapelle wird berichtet und von einem Leprakranken und seiner Frau – er hatte keine Beine mehr, sie keine Arme. So waren sie aufeinander angewiesen.

Wenn der einstige, namenlos bleibende Einsiedler, im Duett mit einem Bouzouki-Spieler, musiziert und singt, wirkt sein Blick abwesend, als sei er in seinen Gedanken und Gefühlen weit weg. Seine Geschichte gibt er nicht preis. Am Ende erklärt er mehrfach: “Ich sage gar nichts!”

Rund 12 Jahre später hat Werner Herzog erklärt: “Von den Kurzfilmen mag ich am liebsten LETZTE WORTE, das ist ein Film in neugriechischer Sprache; der ist wirklich ganz kühn gemacht und auch mit blinder Sicherheit, ich habe ihn in drei Nächten gedreht und an einem Tag geschnitten.” Das Licht des Films spricht dagegen; Herzog muss die Mehrzahl der Einstellungen tagsüber gedreht haben.

LETZTE WORTE ist parallel zu LEBENSZEICHEN entstanden. In beiden frühen Werken zeigt Herzog schon seinen wunderbaren Blick für Landschaften und die Vergänglichkeit menschlicher Anstrengungen. Wie weit die Geschichte des Musikers, der nichts mehr sagen will, eine pure Erfindung Herzogs ist oder einen authentischen Hintergrund hat, bleibt offen. Die nachprüfbaren Fakten sprechen dagegen: Die Leprastation auf Spinalonga wurde bereits 1950 geschlossen; der Mann müsste also 17 Jahre allein auf einer Insel verbracht haben, die über kein eigenes Trinkwasser verfügt. Aber die Frage nach Dokument und Fiktion bleibt sekundär. Die in ihren Wiederholungen fast liturgisch anmutenden Texte sprechen ohnehin deutlich für eine Inszenierung und entsprechen akustisch dem visuellen Leitmotiv der Kreisbewegung, das in vielen frühen Arbeiten des Filmemachers zu beobachten ist. Mit seiner manchmal fast zornig erklärten Sprachverweigerung gehört der namenlose Musiker zu jenen revoltierenden Helden, die nahezu alle Arbeiten Herzogs prägen. Doch diese Verweigerung bleibt unvollständig und selektiv. Hier hat sich sein Held nur eine andere Form der Kommunikation gesucht – die Melodien und Texte seiner Musik.

H.G. Pflaum

Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
1967/1968
Produktionsjahr
1968
Farbe
s/w
Bildformat
1:1.33

Länge
Kurzfilm (bis 30 Min.)
Gattung
Dokumentarfilm
Thema
Filmgeschichte

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Anmerkungen zur Lizenz
Hinweis: Vorführungen der Werner Herzog Filme außerhalb der Goethe-Institute im Ausland, z.B. in herkömmlichen Kinos, müssen im Vorfeld mit der Werner Herzog Stiftung abgesprochen werden.
Lizenzdauer bis
14.12.2026
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige), Belgien (BE), Luxemburg (LU), Italien (IT)

Verfügbare Medien
Blu-ray Disc, DVD, DCP
Originalfassung
Deutsch (de)

Blu-ray Disc

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Italienisch (it), Chinesisch (zh), Arabisch (ar), Russisch (ru), Türkisch (tr)
Anmerkung zum Format
Farbe

DVD

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Italienisch (it), Chinesisch (zh), Arabisch (ar), Russisch (ru), Türkisch (tr)
Anmerkung zum Format
Farbe

DCP

Untertitel
Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Arabisch (ar), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Italienisch (it), Türkisch (tr), Deutsch Voll UT
Anmerkung zum Format
Verschlüsseltes Herzog-Kurzfilm-Sammel-DCP