Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Curt Linda
Die Konferenz der Tiere

  • Produktionsjahr 1969
  • Farbe / LängeFarbe / 93 Min.
  • IN-Nummer IN 1096

Da Menschen offensichtlich nicht zum Frieden fähig sind, werden die aus einem Zirkus geretteten Tiere aktiv. Sie berufen eine Konferenz der Tiere ein. Ehrengäste sind die Kinder, denen alle Fürsorge gilt. Als der verabschiedete Friedensappell ungehört verhallt, entschließen sich die Tiere zum Handeln: Alle Kinder auf der ganzen Welt verschwinden innerhalb einer Nacht, von den Tieren versteckt - so lange, bis die Regierenden zur Vernunft gekommen sind. Erich Kästner schrieb diese Fabel im Jahre 1949 unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs und Curt Linda schuf mit dieser Buchverfilmung den ersten bundesdeutschen abendfüllenden Zeichentrickfilm in Farbe.

Bei einem Zirkusbrand sind es die Kinder, die beherzt die Tiere aus ihren Käfigen vor den Flammen retten, während die Erwachsenen nur ans eigene Überleben denken. Ein Vorfall, der in den Zeitungen kaum Beachtung findet, im Gegensatz zur 365. Weltfriedenskonferenz, die wieder gescheitert ist. Obwohl die Sehnsucht der Menschen nach Frieden groß ist, herrschen überall auf der Welt Kriege, oft mit der zynischen Begründung, dass es den Kindern einmal besser gehen soll. Das wird den Tieren eines Tages zu dumm und sie beschließen, den Kindern der Welt zu helfen - wie die einst ihnen halfen. Auf der Konferenz der Tiere sind die Kinder Ehrengäste. Als die Militärs von dieser brisanten Zusammenkunft erfahren, sind sie sich zum ersten Mal in einem Ziel einig: Sie werden sich nicht von den Tieren zum Frieden zwingen lassen und stellen ihnen ein Ultimatum zur Auflösung der Konferenz. Doch die Eule verfällt auf eine List, mobilisiert die Motten der Welt - und im Nu sind alle Uniformen der Menschen vernichtet, was aber nichts an deren Dummheit ändert. Am Höhepunkt des Konflikts verbünden sich die Kinder mit den Tieren gegen die Erwachsenen. Unheimliches geschieht. Innerhalb einer Nacht sind alle Kinder verschwunden. Jetzt bekommen die Erwachsenen Angst. Und die Moral von der Geschichte, die der Kinderbuchautor Erich Kästner unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1949 geschrieben hatte: Erst im Augenblick äußerster Bedrohung und Sorge um ihre Kinder setzen sich Menschen für den Frieden ein, wenden sich gegen kriegslüsterne Militärs und machtgierige Staatsoberhäupter. Buch wie Film enden mit einem Friedensvertrag.

Der Vertrag, den die Staatsmänner der Länder unterschreiben mussten, ist heute genauso brisant - und utopisch - wie ihn Kästner formuliert hat und wie er im Film visuell gestaltet wurde. Hier der Text. "Wir, die verantwortlichen Vertreter aller Länder der Erde, verpflichten uns, mit Leben und Vermögen zur Durchführung folgender Punkte: 1. Alle Grenzpfähle und Grenzwachen werden beseitigt. Es gibt keine Grenzen mehr. 2. Das Militär und alle Schuss- und Sprengwaffen werden abgeschafft. Es gibt keine Kriege mehr. 3. Die zur Aufrechterhaltung der Ordnung erforderliche Polizei wird mit Pfeil und Bogen ausgerüstet. Sie hat vornehmlich darüber zu wachen, dass Wissenschaft und Technik ausschließlich im Dienst des Friedens stehen. Es gibt keine Mordwissenschaften mehr. 4. Die Zahl der Büros, Beamten und Aktenschränke wird auf das unerlässliche Mindestmaß herabgeschraubt. Die Büros sind für die Menschen da, nicht umgekehrt. 5. Die bestbezahlten Beamten werden in Zukunft die Lehrer sein. Die Aufgabe, die Kinder zu wahren Menschen zu erziehen, ist die höchste und schwerste Aufgabe."

Curt Linda entwickelte von Anfang an einen eigenen Stil: "Ich fürchte, dass sich meine Tiere keiner so enthusiastischen Beliebtheit erfreuen, weil ich sie nicht derart verformt und verniedlicht habe wie das in den landläufigen karikierenden Trickfilmen häufig der Fall ist." Zur Zeit seiner Entstehung (1969) hatten Zeichentrickfilme den Ruf, vor allem etwas für Kinder zu sein. Curt Linda damals: "Ich finde, es liegt an dem unzureichenden Angebot, wenn bislang die Erwachsenen keine Beziehung zum Zeichentrickfilm finden konnten. Bei den wenigen guten Zeichentrickfilmen sind ja die Erwachsenen sehr freudig ins Kino gegangen. In früheren Jahren sind zum Beispiel die Scherenschnittfilme von Lotte Reiniger sehr akklamiert worden und auch bei Disneys 'Dschungelbuch', das ja eigentlich ein reiner Kinderfilm ist, haben die Erwachsenen große Freude gehabt. Und warum? Weil das keiner dieser 'Hau-Ruck-Filme' war."

"Der Film verdient vor allem aus zwei Gründen Beachtung und Anerkennung: Einerseits handelt es sich hier um den ersten westdeutschen programmfüllenden Zeichentrickfilm in Farbe, der voll animiert ist. Und andererseits haben sich seine Hersteller intensiv und erfolgreich bemüht, den von Disney geprägten Stil zu überwinden und eine eigenständige Ausdrucksform zu finden." (Evangelischer Filmbeobachter 1970)

"Ideenfunkelnder Zeichentrickfarbfilm - jeder Disney-Konkurrenz gewachsen. Sein Stil verschiebt den Akzent von der üblichen niedlichen Viechersentimentalität auf das hinterlistig Abstrakte, Groteske und Absurde. Er verbindet auf superbe Art Ästhetik, Bosheit und Moral. Das kann ein Welterfolg werden. Fazit: Traum von der Wehrkraftzersetzung." (Ponkie, Abendzeitung, 12/1969)

Und hier noch einige Aussagen von Kindern zu diesem Film: "Die Kinder sind gescheit, die Erwachsenen sind die Blöden." "Es wäre schön, wenn es keinen Krieg mehr gäbe." "Die Soldaten schauen alle gleich aus, das ist auch in der Bundeswehr so. Man kann aber auch verweigern." "Die Tiere stehen für eine bestimmte Menschengruppe, die sich gegen den Krieg aussprechen." (aus dem Archiv des Kinderkino München e.V.)

Christel Strobel / Gudrun Lukasz-Aden

Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
1969
Produktionsjahr
1969
Farbe
Farbe
Basiert auf
Erich Kästner

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Animationsfilm
Genre
Fantasy / Märchen, Literaturverfilmung, Anti-/ Kriegsfilm
Thema
Literatur, Filmgeschichte, Demokratie / Menschenrechte
Zielgruppe
Jugendfilm (12-17 Jahre), Juniorfilm (7-11 Jahre)

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Lizenzdauer bis
31.12.2027
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige), Luxemburg (LU)

Verfügbare Medien
DVD
Originalfassung
Deutsch (de)

DVD

Untertitel
Deutsch (de), Englisch (en), Spanisch (es), Französisch (fr), Portugiesisch (Bras.) (pt), Türkisch (tr)