Helmut Dziuba
Mohr und die Raben von London
- Produktionsjahr 1968
- Farbe / Länges/w / 95 Min.
- IN-Nummer IN 4437
Basierend auf dem bekannten gleichnamigen DDR-Kinderbuch drehte Helmut Dziuba eine der ersten filmischen Marx-Biographien anlässlich dessen 150. Geburtstags. Es sollte dann auch der einzige Spielfilm der DEFA bleiben, der Marx ins dramaturgische Zentrum rückte. Der Film zeigt Karl Marx im Londoner Exil um das Jahr 1856. Er begegnet dort der Familie des Arbeiterjungen Joe und ist bestürzt über deren Lebensalltag zwischen Nachtarbeit und Zwölf-Stunden-Schichten. Im Gespräch mit Arbeiter/innen und deren Kindern macht sich der Denker für den Widerstand stark und hilft dabei, einen erfolgreichen Streik durchzuführen.
London 1856. Karl Marx, in seiner familiären Umgebung „Mohr“ genannt, lebt in der englischen Hauptstadt im Exil. Während eines Spaziergangs in der Peripherie der Stadt lernt er den 13-jährigen Arbeiterjungen Joe und dessen Schwester Becky kennen. Joe muss zwölf Stunden täglich, und ohne Aussicht auf Besserung seiner Lage, in einer Spinnerei arbeiten – auch in der Nachtschicht, obwohl andauernde Nachtarbeit für Kinder per Gesetz verboten ist. Bruder Billy, der älteste und anscheinend raffiniertere, glaubt der Ausbeutung ein cleveres Schnäppchen geschlagen zu haben. Er hat einige Kumpane um sich geschart und sie unternehmen als Rabenbande diverse Beutezüge oder begehen Einbrüche. Eines Nachts taucht Marx mit einem Inspektor an Billys Arbeitsplatz in der Spinnerei auf, um das Recht der Kinder einzuklagen und durchzusetzen. Er ermutigt die Kinder der Nachtschicht über ihre Lage zu sprechen. Einen Diebstahl, den kurz darauf die Rabenbande begeht, schieben der Fabrikbesitzer und seine Aufseher den aufsässigen Kindern und Frauen in die Schuhe. Marx setzt sich für sie ein und nimmt sich auch der Rabenbande an. Er überzeugt sie von der Sinnlosigkeit ihres Handelns und zeigt ihnen andere Möglichkeiten der verändernden Tat. Bei einem Streik in der Fabrik sind die Jungs der Rabenbande schließlich auch dabei.
Kritiken, Empfehlungen und Selbstaussagen des Regisseurs
"Man sieht einen sehr unfeierlichen Karl Marx. Etwa, wenn er für seine erkrankte Familie kochen muss und sich dabei beim Zwiebelschneiden nicht gerade geschickt anstellt. Alfred Müller (Darsteller des Karl Marx) versteht es, in vielen solchen alltäglichen Kleinigkeiten die Charakterstärke, den Gerechtigkeitssinn, die Gedankenklarheit von Marx sichtbar werden zu lassen."
(Volksstimme Wien, 18.10.1969)
"MOHR UND DIE RABEN VON LONDON (1969), ein Film für Kinder. Es ist die erste Darstellung von Karl Marx im Spielfilm. (Später wird Lew Kulidshanow noch einen mehrteiligen sowjetischen Fernsehfilm über Marx machen.) Dziubas Haltung zum historisch-biographischen Film ist erklärtermaßen geprägt von Michail Romm und dessen Filmen LENIN IM OKTOBER (1937) und LENIN IM JAHRE 1918 (1939): ‚Es gibt bei Romm keine Stelle, wo Lenin zum Denkmal wird. Entscheidungen werden getroffen oder Gefühle wachsen aus dem szenischen Detail‘. Dziubas Ansatz sucht auch, ‚wo in einem kleinen Detail, in einem Tropfen ein ganzes Leben dargestellt werden kann. Das ist etwas, was mir Spaß macht. Wir wollten Marx vom Denkmal holen, greifbar, nah, begreiflich machen."
(Aus: Ulrike Odenwald: Familienalbum. Trafo Wissenschaftsverlag 2010, S. 329f.))
"Man könnte im Nachhinein sicherlich so etwas wie eine Folgerichtigkeit in der Zuwendung zu spezifischen Themen und Gestaltungsformen konstruieren, aber es begann alles viel einfacher. Bei meiner Regieassistenz für Frank Beyers KARBID UND SAUERAMPFER hatte ich mich intensiver mit einem Kind zu beschäftigen. Es ging gut. So erschreckte mich später das Angebot MOHR UND DIE RABEN VON LONDON zu drehen auch nicht sonderlich. Reiz und Zufall kamen zusammen. Es wuchsen bestimmte Affinitäten. (…) Kontinuitäten stellten sich her. Variationen einheitlicher Lesarten."
(Helmut Dziuba: Ich verstecke meine Gefühle nicht. In: Sonntag, 23.03.1986)
"Bestimmt werdet Ihr nach der Vorstellung sagen: Ein prima Film, der uns zudem noch klüger und wissender machte."
(Filmspiegel/Kinderspiegel, März 1969)
- Produktionszeitraum
- 1968
- Produktionsjahr
- 1968
- Farbe
- s/w
- Bildformat
- 1:2,35
- Basiert auf
- Ilse Korn || Vilmos Korn
- Länge
- Langfilm (ab 61 Min.)
- Gattung
- Spielfilm
- Genre
- Biografie / Portrait
- Thema
- Justiz, Gesellschaftliche Teilhabe, Arbeit, Europa, Prekariat, Demokratie / Menschenrechte
- Zielgruppe
- Jugendfilm (12-17 Jahre), Juniorfilm (7-11 Jahre)
- Rechteumfang
- Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
- Anmerkungen zur Lizenz
- DEFA
- Lizenzdauer bis
- 31.12.2030
- Permanente Sperrgebiete
- Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH)