G. W. Pabst
Westfront 1918
- Produktionsjahr 1930
- Farbe / Länges/w / N/A
- IN-Nummer IN 0967
G.W. Pabsts Antikriegsfilm-Klassiker erzählt die Geschichte vierer deutscher Soldaten an der französischen Front im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs. Der Bayer betrachtet den Krieg in erster Linie als Abenteuer. Der Student erlebt mit der Französin Yvette seine erste große Liebe. Ihr Vorgesetzter, der Leutnant, kennt nur eins, nämlich Pflichterfüllung. Als Karl, der Vierte im Bunde, nach einem Heimaturlaub, bei dem er seine Frau mit einem Fleischergesellen im Bett überrascht, an die Front zurückkehrt, ereilt die Vier ihr Schicksal.
Quelle: filmportal.de
Nach dem Roman "Vier von der Infanterie" von Ernst Johannsen
1918, in Frankreich während des I. Weltkriegs: Vier deutsche Soldaten - sie kommen aus verschiedenen Landesteilen und aus unterschiedlichen sozialen Schichten - erleben eine kurze Ruhepause in der Etappe und kehren wieder an die Front zurück. Der heitere Bayer zeigt sich unerschütterlich und zuversichtlich. Karl aus Berlin hat noch einen kurzen Heimaturlaub, aber er findet zu Hause einen anderen Mann im Bett seiner Frau und ist glücklich, zu seinen Kameraden zurückkehren zu können. Der Leutnant unter ihnen kennt nur seine Pflichten und scheint außer ihnen nichts wahrnehmen zu wollen. Der vierte ist ein Student; er hat sich in eine junge Französin verliebt, von der er Abschied nehmen muß, als die Kompanie wieder abrückt.
Für alle vier Männer wird der Krieg ein grauenvolles Ende bringen. Der Student kommt im Niemandsland ums Leben; als ihn seine Kameraden sehen, ragt nur noch seine Hand aus dem Schlamm eines Granattrichters. Der Bayer wird bei einem Kundschaftergang schwer verletzt. Der Berliner stirbt in einem Lazarett mit den anklagenden Worten: "Wir sind alle schuld!" Der Leutnant, der lange auf Grund seiner strammen Haltung wie unverwundbar ausgesehen hatte, verliert Fassung und Verstand und wird psychisch völlig zerstört in ein Lazarett eingeliefert. Der Krieg aber geht weiter. Pabst versah den Schlußtitel seines Films mit einem Fragezeichen: "Ende?"
Pabst inszenierte diesen Film mit dem Vorsatz, das Kriegsgeschehen so realistisch und nüchtern wie nur irgend möglich zu zeigen. So hat er seine Geschichte der Dramaturgie einer Chronik unterworfen, in der es keine großen Spannungsbögen, sondern eher ein fast brutales Nacheinander in der Abfolge der Ereignisse gibt. Manche seiner Sequenzen erinnern tatsächlich an Dokumentaraufnahmen aus dem I. Weltkrieg, gerade in den unmittelbaren Kampfszenen, in den Einstellungen von den Schützengräben, Panzer- und Artillerie-Angriffen. Erst die vier eher durchschnittlichen "Helden" erinnern den Zuschauer daran, daß er einer inszenierten Fiktion zusieht, wenngleich keiner der Vier besonders hervortritt. Gerade in ihrer Normalität werden sie zu Stellvertretern für eine im Krieg verlorene Generation. Dieser Intention folgend verzichtet die Regie auch auf jede sofort erkennbare Virtuosität, sowohl bei der Führung der Darsteller als auch bei den Arrangements einzelner Einstellungen. "Entschieden weigerte sich Pabst, Musik einzusetzen, mit der - übrigens zutreffenden - Begründung, daß der Film dadurch den Charakter eines authentischen Berichts verlieren würde." (Jerzy Toeplitz, Geschichte des Films)
Toeplitz verweist auch auf eine Szene, die Pabst zwar gedreht hatte, die vom Produzenten jedoch nicht in die Kopie aufgenommen wurde. Während einer Waffenruhe sei in dieser Szene ein deutscher General zu der Truppe gekommen, habe getobt über die Disziplinlosigkeit und befohlen, die gegnerischen Stellungen sofort unter Beschuß zu nehmen - mit dem Ergebnis eines furchtbaren Gemetzels. "Pabst versucht nicht, die Ursachen des Kriegs aufzudecken. Das war zweifellos eine Schwäche des Films, weil die Anklage des Krieges durch keine politische Erkenntnis gestützt war. Die Szene mit dem General hätte einen Anhaltspunkt für eine tiefere Analyse bieten können..." (Toeplitz)
Pabsts Inszenierung konzentriert sich auf die Zustände und Auswirkungen, auf Elend, Dreck, physische und psychische Zerstörung. An einigen Stellen verläßt er jedoch diese Grenzen und setzt deutliche Akzente und Verweise: Einmal sieht man den Studenten an einer Schreinerei vorbeikommen, in der Grabkreuze hergestellt werden wie ein industrielles Serienprodukt. Pabsts pazifistisches Engagement zielte darauf, die vom Krieg betroffenen Menschen zu erreichen, wirkliche und potentielle Soldaten, denen er den Wahnsinn kriegerischer Auseinandersetzungen vor Augen halten wollte; dieses Ziel erschien ihm wichtiger als politische Analysen. "Dem Drang zur wahrheitsgetreuen Wiedergabe des Grauens, der hier obwaltet, entwachsen zwei Szenen, die schon beinahe die Grenze des Aussagbaren überschreiten. Die eine: ein Einzelkampf endet damit, daß ein Infanterist vor aller Augen im Sumpf erstickt wird... Die andere: das Frontlazarett in der Kirche mit Verstümmelten, Schwestern und Ärzten, die vor Erschöpfung kaum noch ihr Handwerk betreiben können. Es ist, als seien mittelalterliche Marterbilder lebendig geworden." (Siegfried Kracauer 1930 in der "Frankfurter Zeitung")
WESTFRONT 1918 ist oft verglichen worden mit der gleichzeitig entstandenen Verfilmung von Remarques Roman IM WESTEN NICHTS NEUES durch den amerikanischen Regisseur Lewis Milestone. Doch "WESTFRONT 1918 ist der einzige den Krieg denunzierende Film, der der Armee jede Gefälligkeit verweigert - in dieser Hinsicht ist es ein reineres Werk als das von Milestone" (Roger Boussinot, L'Encyclopédie du Cinéma).
Hans Günther Pflaum
- Produktionsland
- Deutschland (DE)
- Produktionszeitraum
- 1930
- Produktionsjahr
- 1930
- Farbe
- s/w
- Bildformat
- 1:1,19
- Basiert auf
- Ernst Johanssen
- Gattung
- Spielfilm
- Genre
- Literaturverfilmung, Anti-/ Kriegsfilm, Historienfilm
- Thema
- Gewalt, Erster Weltkrieg, Europa, Psychologie
- Rechteumfang
- Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
- Lizenzdauer bis
- 31.12.2031
- Permanente Sperrgebiete
- Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige)
- Verfügbare Medien
- DVD, DCP, Blu-ray Disc
- Originalfassung
- Deutsch (de)
DVD
- Untertitel
- Englisch (en), Deutsch Teil UT, Deutsch Voll UT, Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch Kurzzeichen, Russisch (ru), Arabisch (ar), Italienisch (it), Türkisch (tr)
- Anmerkung zum Format
- DVD im Einzelhandel mit diversen UT Fassungen erhältlich und lizenzrechtlich abgedeckt.
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