F. W. Murnau
Faust
- Produktionsjahr 1926
- Farbe / Länges/w / N/A
- IN-Nummer IN 0942
Ist Bestandteil von Edition Filmmuseum 114 - Faust. Eine deutsche Volkssage
Murnaus "Faust"-Film gliedert sich deutlich in zwei Teile: der erste hält sich an die Volkssage und zeigt, wie Faust vorerst den Pakt mit Mephisto eingeht, um die Pest aus der Stadt zu vertreiben, sich dann aber - vom Glanz der ewigen Jugend betört - ganz dem Teufel unterwirft und ein ausschweifendes Leben führt. Der Teufel, der mit dem Erzengel einen Vertrag geschlossen hat, daß er auf Erden herrschen soll, wenn es ihm gelingt, Faust von seinem Streben abzubringen, schleppt den Gelehrten von Abenteuer zu Abenteuer und fliegt auf seinem Zaubermantel mit ihm durch die Welt.
Im zweiten Teil des Films, der sich eng an Goethes Drama hält, tritt die Gretchentragödie immer mehr in den Mittelpunkt. Faust verführt das Mädchen und tötet ihren Bruder Valentin im Duell. Die Mutter stirbt aus Kummer, und das verlassene Mädchen verfällt dem Wahnsinn. Ihr neugeborenes Kind bettet sie in eine Schneewehe, die sie für eine Wiege hält. Man findet Gretchen und ihr erfrorenes Kind, klagt sie als Kindesmörderin an und verurteilt sie zum Tode auf dem Scheiterhaufen. Da erwacht Fausts Gewissen: des Verlustes der ewigen Jugend nicht achtend, stürzt er zu Gretchen auf die Richtstätte. Vereint mit ihr besteigt er den Scheiterhaufen. Beide gehen geläutert zu Gott ein. Mephisto hat sein Spiel verloren.
Als Friedrich Wilhelm Murnau im Jahre 1926 seinen "Faust"-Film vollendete, war er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Mit Murnaus Filmen und denen von Ernst Lubitsch, Fritz Lang und G.W. Pabst hatte der deutsche Stummfilm ein Niveau erreicht, das mit den vorhandenen technischen Mitteln kaum zu überbieten war. In FAUST konnte Murnau alle diese Errungenschaften verwerten und zu einer fugenlosen Einheit verschmelzen. Mit Hilfe hinreißender Hell-Dunkel-Kontraste und verblüffender Effekte der Tricktechnik gelang es ihm, das Phantastische real und die Realität phantastisch erscheinen zu lassen. Auf die metyphysisch-gleichnishafte Diskrepanz zwischen Hell und Dunkel, zwischen Lebenslust und echter Liebe, zielt auch die ganze Aussage des Films.
Auffallend ist die intensive Stilisierung der Bilder, die auch heute noch eine bedeutende Wirkung hervorruft. Der Film ist in der Zeit des ausgehenden Mittelalters angesiedelt, dessen mystische Atmosphäre durch die kontrastreiche Ausleuchtung im Stil von Gemälden Rembrandts zum Ausdruck gebracht wird. Durch die faszinierenden Licht- und Schattenwirkungen, durch den Einsatz nebelhaft fließender Dunstschwaden sowie durch subtile Bildübergänge und Doppelbelichtungen gelingt es Murnau, das Übernatürliche in eindrucksvolle Bilder umzusetzen.
Die Kamera ist von allen Fesseln befreit und bezieht den Zuschauer intensiv in das Geschehen ein. Atemberaubend ist der Flug auf dem Mantel des Mephisto über Städte und Dörfer. Aus einer eigens errichteten Berg- und Talbahn läßt Murnau die seltsamsten Impressionen durch die eingebaute Kamera einfangen.
Den formalen Reiz des "Faust"-Films machen nicht zuletzt die ausgewogenen, stets dramaturgisch-psychologisch begründeten Bildkompositionen aus. Es ist ein charakteristischer Zug für den reifen Stil Murnaus, daß er im Vordergrund des Bildes häufig eine überdimensionale Gestalt plaziert, wodurch die jeweilige Szene eine starke Tiefenwirkung erhält. An Christus-Darstellungen Mantegnas oder Holbeins erinnert die Darstellung eines Pestkranken in seltsamer Verkürzung mit riesigen Fußsohlen. Wenn Gretchen, das Haupt in den Mantel gehüllt, in den Ruinen einer verschneiten Hütte ihr Kind wiegt, so wirkt diese Einstellung fast wie ein Madonnenbild eines flämischen Barockmalers.
Zur weiteren Vorbereitung empfiehlt sich unbedingt das exemplarische Filmbuch des französischen Regisseurs Eric Rohmer "L'organisation de l'espace dans le 'Faust' de Murnau". In deutscher Ausgabe: "Murnaus Faustfilm", Hanser Verlag, München, 1980.
- Produktionsland
- Deutschland (DE)
- Produktionszeitraum
- 1925/1926
- Produktionsjahr
- 1926
- Farbe
- s/w
- Bildformat
- 1:1,33
- Basiert auf
- Johann Wolfgang von Goethe || Christopher Marlowe || Ludwig Berger
- Gattung
- Spielfilm, Stummfilm
- Genre
- Literaturverfilmung, Drama
- Thema
- Literatur, Weimarer Republik, Filmgeschichte
- Rechteumfang
- Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
- Lizenzdauer bis
- 30.11.2027
- Permanente Sperrgebiete
- Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige)
- Verfügbare Medien
- DVD
- Originalfassung
- Deutsch (de)
DVD
- Untertitel
- Englisch (en)