Werner Herzog
How Much Wood Would a Woodchuck Chuck
- Produktionsjahr 1976
- Farbe / LängeFarbe / 45 Min.
- IN-Nummer IN 3580
Beobachtungen bei der Weltmeisterschaft der Vieh-Auktionatoren, die 1975 in Fort Collins, Colorado, ausgetragen wurde. Herzog beobachtet den für Laien kaum noch verständlichen Singsang der Versteigerer. Für den Filmemacher hat ihre Sprache, die an die Klänge einer Maultrommel erinnert, “etwas Erschreckendes und Faszinierendes”, sie könnte “die letzte denkbare Lyrik sein”.
In einem Punkt irrt Herzog: “Beobachtungen zu einer neuen Sprache”, nennt er seinen Film in einem Insert. So neu ist diese Sprache der Auktionatoren nicht – in ländlichen Gegenden Englands und Irlands hat sie eine lange Tradition, in den USA ist sie nicht neu, sondern auf die Spitze getrieben. Am Wettbewerb nehmen 53 Konkurrenten teil, aus den USA und aus Kanada, und doch versteht sich die Veranstaltung, die nur einige Stunden dauert, etwas großspurig als “Weltmeisterschaft”. “Die Auktionäre reden so schnell und rhythmisch, bis (...) eine Art phonetischer Poesie entstanden ist, ein Gesang des Marktes auf einem Sängerwettbewerb, den nicht die Musen, sondern die Fleischkäufer entscheiden.” (Jürgen Theobaldy)
Herzog, der mit seinen Arbeiten immer wieder die Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Kommunikation reflektiert hat, beobachtet hier, wie sich Sprache auflöst in Zahlen, Rhythmen und in kaum noch wahrnehmbare Gesten zwischen Käufern und Verkäufern. Einen Außenstehenden unter den Anwesenden der Auktion mag da schnell die Angst befallen, er könnte mit einem einzigen unbewußten Fingerzeig oder unbeabsichtigten Augenzwinkern unfreiwillig zum Ersteigerer einer kleinen Viehherde werden. Die Kommunkation wird exklusiv, geläufig nur den Eingeweihten, ähnlich zum Beispiel der Fachsprache der deutschen Jäger, die sich mit ihrer eigenen Terminologie vom Rest der Bevölkerung absetzen wollten.
Die Bewunderung des Filmemachers gilt der Fertigkeit der Konkurrenten – unter ihnen befindet sich nur eine einzige Frau. “Ich habe da ein Ziel erreicht, das ich seit meinem sechsten Lebensjahr verfolgte”, so preist ein Auktionator seine Teilnahme. Ein anderer erzählt, dass er bei einem Operngesangslehrer Unterricht in Atemtechnik genommen habe. Sie verstehen sich allesamt als Profis, die ihre Fertigkeit durch ständiges Üben (zum Beispiel mit dem Zungenbrecher-Satz “How much wood would a woodchuck chuck”) zu perfektionieren versuchen.
Obwohl für den Laien alles sehr ähnlich klingt und die “Texte” immer nur aus Zahlen (der zu bietenden Summen) bestehen, sind doch sehr schnell unterschiedliche persönliche Stile zu erkennen. Ein wenig nimmt das schon die beiden Prediger vorweg, die Herzog 1980 in HUIE'S PREDIGT und in GLAUBE UND WÄHRUNG porträtiert hat.
Herzog scheint diese Sprache mit Zweifeln und Misstrauen zu beobachten; deutlich wird das mit jener langen Sequenz, die er in Pennsylvania, rund 9 Monate nach dem Wettbewerb in Colorado, gedreht und eingefügt hat: dort beobachtet er die Sekte der Amish und ihr wunderbar antiquiertes Deutsch, das in krassem Gegensatz steht zu der ritualisierten Sprache der Viehauktion. Auch mit der Auktion gegen Ende seines Spielfilms STROSZEK (1976), mit der Versteigerung des Mobile Home seines Titelhelden, bekräftigt Herzog seine Skepsis: Der Regisseur hat für diese bitterböse Sequenz einen realen Auktionator gewählt, den er zuvor in HOW MUCH WOOD WOULD A WOODCHUCK CHUCK beobachtet hatte. Dabei geht es in keiner Weise mehr um Kommunikation, sondern nur noch um Geld und Zerstörung einer Existenz.
H.G. Pflaum
- Produktionsland
- Deutschland (DE)
- Produktionszeitraum
- 1975/1976
- Produktionsjahr
- 1976
- Farbe
- Farbe
- Bildformat
- 1:1,33
- Länge
- Mittellanger Film (31 bis 60 Min.)
- Gattung
- Dokumentarfilm
- Thema
- Arbeit, Filmgeschichte
- Rechteumfang
- Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
- Anmerkungen zur Lizenz
- Hinweis: Vorführungen der Werner Herzog Filme außerhalb der Goethe-Institute im Ausland, z.B. in herkömmlichen Kinos, müssen im Vorfeld mit der Werner Herzog Stiftung abgesprochen werden.
- Lizenzdauer bis
- 14.12.2026
- Permanente Sperrgebiete
- Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige), Belgien (BE), Luxemburg (LU), Italien (IT)
- Verfügbare Medien
- DVD, DCP, Blu-ray Disc
- Originalfassung
- Deutsch (de)
DVD
- Untertitel
- Englisch (en), Spanisch (es), Französisch (fr), Italienisch (it), Portugiesisch (Bras.) (pt), Russisch (ru), Chinesisch (zh), Arabisch (ar), Deutsch (de), Türkisch (tr)
DCP
- Untertitel
- Deutsch (de), Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Arabisch (ar), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Italienisch (it), Türkisch (tr), Litauisch (lt)
- Anmerkung zum Format
- Verschlüsseltes Herzog-Kurzfilm-Sammel-DCP (8 Filme)
Blu-ray Disc
- Untertitel
- Deutsch (de), Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Arabisch (ar), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Türkisch (tr), Litauisch (lt)