Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Konrad Wolf
Der geteilte Himmel

  • Produktionsjahr 1964
  • Farbe / Länges/w / 113 Min.
  • IN-Nummer IN 3872

1961 in der DDR, kurz vor dem Bau der Mauer. Rita Seidel ist nach ihrem Zusammenbruch aus der Stadt Halle in ihr Dorf zurückgekehrt, um Ruhe zu finden. Sie erinnert sich an die vergangenen Jahre, an ihre Liebe zum Chemiker Manfred Herrfurth, an ihre Arbeit in einer Waggonfabrik und an ihr Studium fürs Lehramt. In der Fabrik und an der Uni gab es Probleme mit politischen Opportunisten und ideologischen Hardlinern; Ritas Liebesbeziehung fand ein Ende, nachdem Manfred, verbittert über die Betonköpfe, die sein neues chemisches Verfahren abgelehnt hatten, nach Westberlin gegangen war und Rita nicht mitkommen wollte. DER GETEILTE HIMMEL, entstanden nur wenige Jahre nach dem Mauerbau, ist einer der mutigsten Spielfilme, die je in der DDR gedreht wurden, nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Dramaturgie, sondern weil er die Verantwortung für die Konflikte im eigenen Land und nicht beim „Klassenfeind“ sucht.

Bonusmaterial auf DVD: Dokumentation KONRAD WOLF - DER BRÜCKENBAUER (2005), 45min.

Halle an der Saale, in Sachsen-Anhalt, kurz vor dem Bau der Berliner Mauer. Auf dem Gelände einer Waggonfabrik bricht eine junge Frau zusammen. Wir begegnen ihr wieder in ihrem Elternhaus am Rande eines Dorfs (Die große Brücke im Hintergrund erinnert an Käutners Ost-West-Liebesgeschichte HIMMEL OHNE STERNE!) Der Arzt hat sie besucht und erklärt: „Sie sind gesund!“ Sie hatte einen „Nervenschock“. In einer Rückblende, die unterschiedliche zeitliche Ebenen ineinander als Erinnerungen verwebt zu einem allgegenwärtigen Strom von Gefühlen und Assoziationen, erzählt Konrad Wolf – nach dem gleichnamigen Roman von Christa Wolf – wie es zum Zusammenbruch von Rita Seidel gekommen ist.

Rita erinnert sich, wie sie den Chemiker Manfred Herrfurth beim Tanzen kennen gelernt hat. Damals wirkte sie etwas naiv, er verhielt sich abgeklärt und selbstsicher. Gemeinsam besuchen sie Manfreds Eltern; der Sohn hat Probleme mit seinem Vater, die häufig zu politischen Streitereien führen. Rita wird zum Studium am Institut für Lehrerbildung zugelassen und wohnt bei Manfred; gleichzeitig arbeitet sie in einer Waggonfabrik und freundet sich mit dem alten, in Ungnade gefallenen Werkmeister Meternagel an. In Manfreds Chemiewerk tritt ein neuer Werksleiter an, sein Vorgänger ist von einer Dienstreise nach „Berlin-West“ nicht zurückgekehrt. In der Waggonfabrik bleiben Metall-Lieferungen aus, es kommt zu einem Produktionsstop; die Stimmung unter den Arbeitern ist gereizt. Sie streiten auch über eine eventuelle Anhebung der Produktionsnorm.

An der Uni erlebt Rita vor allem erbitterte ideologische Diskussionen, meist ausgeführt von Hardlinern und politischen Opportunisten. Sie weiß noch nicht so recht, wie sie damit umgehen soll. Manfred scheint Karriere zu machen. Er hat promoviert und ein neues chemisches Verfahren entwickelt, das jedoch abgelehnt wird. Manfred reagiert erst enttäuscht, dann verbittert; er entschließt sich, nach Westberlin zu gehen, wo er auf ungleich bessere Arbeitsbedingungen trifft. Rita besucht ihn, aber sie will nicht bleiben, kehrt nach Halle zurück und erleidet ihren Zusammenbruch.

Im April 1961 kommt die Nachricht von der ersten Raumfahrt durch den sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin – damit lässt sich die Geschichte des Films zeitlich genau einordnen. Am 13. August begann dann der Bau der Mauer, die Berlins West-Sektoren praktisch abriegelte; von da an hatte auch Rita so gut wie keine Chance mehr, Manfred wieder zu sehen.

Auf den ersten Blick dürfte die damals hoch moderne Dramaturgie den an lineares Erzählen gewöhnten Zuschauer durchaus herausgefordert haben. Aus heutiger Sicht jedoch sind die davon ausgelösten Irritationen kaum nachzuvollziehen, denn die Techniken des psychologischen Romans und des stream of consciousness sind längst jedem Kinofan vertraut. Konrad Wolf: „Mit diesen Assoziationsbildern möchte ich mehr dem Unterbewusstsein der Zuschauer Nahrung geben als zu konkreten Deutungen herausfordern.“ Die Reaktionen reichten bis zur offenen Anfeindung des Films. „Der Regisseur und sein Kameramann wurden dem Vorwurf des Surrealismus, der Unverständlichkeit, der bürgerlichen Dekadenz ausgesetzt. Hinter den Einwänden gegen den Film versteckten sich auch Argumente gegen die Geschichte selbst, die einen Flüchtling aus der DDR nicht denunzierte, sondern die Ursache seines Weggehens in Verhältnissen des Landes sah, aus dem er floh.“ (Regine Sylvester).

DER GETEILTE HIMMEL blieb einer der ganz wenigen DEFA-Filme, der das sonst tabuisierte Problem der „Republikflucht“ (in der DDR eine Straftat) nicht nur aufgriff, sondern als nachvollziehbar erklärte und vor allem die Schuld nicht dem „Klassenfeind“ im Westen anlastete. Den Mut des Regisseurs bestätigt auch die Charakterisierung von Manfreds Vater: Nach offizieller Darstellung der DDR lebten die alten Nazis alle im Westen – hier aber erfahren wir über Manfreds Vater, dass er einst sehr flink die Parteiabzeichen getauscht hatte, von der NSDAP zur SED. Als Gegenentwurf erscheint der kaltgestellte Werkmeister Meternagel, ein aufrechter und ehrlicher Arbeiter, der vom System beschädigt wird, sich nicht wirklich dagegen zu wehren vermag und resigniert. Unterschwellig erzählt Wolf davon mit Zorn und Trauer.



Hans-Günther Pflaum

Produktionszeitraum
1963/1964
Produktionsjahr
1964
Farbe
s/w
Basiert auf
Christa Wolf

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Spielfilm
Genre
Liebesfilm, Drama
Thema
Liebe, Beziehung / Familie, DDR, Filmgeschichte, Sozialismus / Kommunismus

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Anmerkungen zur Lizenz
DEFA
Lizenzdauer bis
31.12.2030
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH)

Verfügbare Medien
Blu-ray Disc, DVD, Digitaler Film
Originalfassung
Deutsch (de)

Blu-ray Disc

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Indonesisch (id), Koreanisch (ko)

DVD

Untertitel
Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Deutsch Voll UT, Indonesisch (id), Koreanisch (ko)

Digitaler Film

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Indonesisch (id), Koreanisch (ko)