Barbara Junge, Winfried Junge
Filmpaket - Die Kinder von Golzow (1961 - 1975)
- Produktionsjahr 1961
- Farbe / LängeFarbe + s/w / N/A
- IN-Nummer IN 4211 A-E
Im Jahre 1961 - wenige Tage nach dem Bau der Berliner Mauer - gemeinsam in Golzow (Oderbruch) eingeschult und erstmals gefilmt, führte das Leben die »Kinder von Golzow« nach acht, zehn oder zwölf Jahren auf verschiedenen Wegen auseinander. Ihre Geschichten - und die mit ihnen verbundenen Blicke auf unterschiedliche Lebenswirklichkeiten veranschaulichen sowohl ein Stück Geschichte der DDR als auch des DEFA Dokumentarfilms. Die eine wie die andere ist beendet.
Seit 1990 dokumentierte die Chronik das Leben in Zeiten nach der deutschen Wiedervereinigung. 2007 schlossen Winfried und Barbara Junge die Reihe mit dem Film … DANN LEBEN SIE NOCH HEUTE ab. Eine Langzeitbeobachtung wie die über die »Kinder von Golzow« ist eine Innovation und will den Zuschauer dazu bringen, genau hinzusehen und zuzuhören. Er soll sich wiedererkennen im Mitmenschen, sich mit dem durchschnittlichen Zeitgenossen in Vergleich setzen.
Hintergrund
Die Idee für die Langzeitbeobachtung stammt von Karl Gass, Nestor des DEFA-Dokumentarfilms (1917 – 2009). In Golzow hatte man eine neue, zentrale Schule für die Gemeinden der Gegend gebaut. Sie machte es möglich, nun auch auf dem Lande zehn Jahre zu lernen. Die Zwergschulen sollten ausgedient haben. Auch und gerade in einer Landschaft wie dem Oderbruch, über das 1945 verheerend der Krieg gekommen war, der Dörfer, Felder und Fluren verwüstete. Die junge Generation sollte sich bilden können, auch um den »sozialistischen Aufbau« mit zu gestalten. Die künftigen ABC-Schützen saßen bereits als Gruppe im Buddelkasten des Kindergartens gegenüber der Schule. Sie gefielen uns. Um einen solchen Film miteinander zu machen, mussten wir Freunde werden. Und so ist es bis heute geblieben.
Nach zusammenfassenden Filmen über die Gruppe, den Ort, Land- und Landwirtschaft, die Golzower Zeitgeschichte und die Werkstatt der Chronik wollten wir uns mit Blick auf den Abschluss unseres »Lebenswerks« ausschließlich weiter auf Geschichte und Porträt des einzelnen Helden konzentrieren und ihm so gerecht zu werden versuchen. Wir kehrten damit zu jenem Konzept zurück, das sich als das spezifisch richtigste, wesentlichste und eindrucksstärkste erwiesen hat und das wir selbst begründeten: das Biographische als Möglichkeit, Zeitgeschichte im individuellen Schicksal zu reflektieren. Für die letzten veröffentlichten Biographien lag das Material zu etwa neun Zehnteln vor. Es ging nun vor allem um das »Wie« einer abschließenden Aufarbeitung des Dokumentierten, um letzte Aufnahmen zu »Redaktionsschluss« einzelner Lebensläufe und vor allem um die Chancen und Mittel für ihre Veröffentlichung. Diese abschließenden Aufnahmen zeigen, wonach der Zuschauer fragt: Wie es dem einzelnen Golzower, dessen Lebenschronisten wir über eine so lange Zeit waren, im soundsovielten Jahr der deutschen Wiedervereinigung geht, wie er denkt und was sich in seinem Leben und Denken verändert hat. Eine Langzeitbeobachtung wie die über die »Kinder von Golzow« will den Zuschauer wieder dazu bringen, genau hinzusehen und zuzuhören. Er soll sich wiedererkennen im Mitmenschen, sich mit dem Durchschnittszeitgenossen in Vergleich setzen können. (Winfried Junge)
Kritiken und Empfehlungen
»Diese Filme sind berührende, authentische Lebensgeschichten und ein einmaliges politisches und soziologisches Material: Junge und seinen Kameramännern gelang es tatsächlich, dem Leben bei der Arbeit zuzusehen.« film-dienst »Man ist fasziniert von der Kraft, der Vitalität dieser ganz alltäglichen Helden.« (Märkische Allgemeine Zeitung)
»Keine einzige Sensation in über vier Stunden Film - und doch sind diese LEBENSLÄUFE eine einzige Sensation.« Tages-Anzeiger (Schweiz) »Die Kinder von Golzow sind ein Abenteuer mit offenen Karten und offenem Ausgang.« (epd-film)
Episoden:
IN 4211 A/ DVD 1 (Golzow 1961-1975)
Wenn ich erst zur Schule geh ,1961, 13 Min., s/w,
Die Kinder von Golzow, sechs oder sieben Jahre alt, im Kindergarten. Ihre gemeinsame Einschulung, die ersten Schultage. Das spielerische Erlernen des ersten Buchstabens. Konflikte zwischen dem Wollen und dem Müssen.
Nach einem Jahr - Beobachtungen in einer ersten Klasse ,1962, 14 Min., s/w,
Wie sich die Klassengemeinschaft formt. Ihre Umwelt und die Erlebnisse und Entdeckungen, welche ihnen die Schule vermittelt. Im Unterricht finden sie Niederschlag. Am Ende des Schuljahres erhalten sie ihr erstes Zeugnis und sind Junge Pioniere.
Elf Jahre alt ,1966, 29 Min., s/w,
Die Altersstufe in einem Gruppenporträt der fünften Klasse. Sie machen Vorschläge fürs Filmen in der Schule, der Freizeit und im Elternhaus. Neue Herausforderungen durch den Unterricht, die Wissen und neue Fragen bringen und ihren Horizont weiten.
Wenn man vierzehn ist, 1969, 36 Min., s/w,
Sie sind nun keine Kinder mehr. Junge Staatsbürger profilieren sich. Die Zeit vor der Jugendweihe und ihre Feier. Sie besuchen Weimar, das ehemalige KZ Sachsenhausen, das Petrolchemische Kombinat Schwedt, und manche entscheiden sich, nach der 8. Klasse in den Beruf zu gehen oder in der Kreisstadt das Abitur zu machen.
Die Prüfung , 1971, 19 Min., s/w,
Die Abschlussprüfung der Sechzehn- und Siebzehnjährigen am Ende der 10. Klasse. Der Einzelne in den Minuten, in denen er zeigen soll, was er kann und wer er ist. Ein letztes Klassenfest, ehe die Gruppe auseinander geht.
Ich sprach mit einem Mädchen 1975 , 30 Min, s/w,
Ein Klassentreffen der um die Zwanzigjährigen in der alten Schule. Woran man sich erinnert, was der Einzelne Neues zu erzählen hat. Eine von ihnen: Marieluise. Ihre Liebe, ihre Arbeit, ihre Ansprüche an sich und die Welt, in die sie eingetreten ist.
IN 4211 B/ DVD 2 (Golzow 1979-1986)
Anmut sparet nicht noch Mühe , 1979/80, 105 Min., s/w,
Der erste zusammenfassende Film über den Weg der Klasse und die gemeinsamen Lebensstationen. Aber auch die verschiedenen Wege in den Beruf, in der Liebe, zu Ehe und Familie. Wie auch als Soldat. Eine Gruppenchronik, betrachtet aus dem historischen Abstand des 35. Jahres des Endes des 2. Weltkrieges und nach 18 Drehjahren.
Diese Golzower - Umstandsbestimmung eines Ortes , 1984, 103 Min., s/w,
Rund um die Festwoche zum 675-jährigen Bestehen Golzows für das DDR-Fernsehen ein Porträt des Dorfes, seiner Landschaft und Landwirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart. In Skizzen auch die Elterngeneration und der aktuelle Stand der Dinge im Leben einiger unserer »Kinder von Golzow«.
IN 4211 C/ DVD 3 und 4 (Lebensläufe)
Die Geschichte der Kinder von Golzow in einzelnen Porträts, 1980 , 257 Min., Farbe und s/w,
Eine Folge von neun biografischen Einzelskizzen mit einem Pro- und Epilog zu Golzow und der Langzeitbeobachtung. Vertiefung der vorangegangenen Chronik. Die Golzower in der Gegenwart, von der aus Rückblicke auf das bisherige Leben und die Lebenskonflikte des Einzelnen gegeben werden.
IN 4211 D / DVD 5 und 6
Drehbuch: Die Zeiten 1992 - Drei Jahrzehnte mit den Kindern von Golzow und der DEFA, 284 Min., Farbe und s/w,
Der erste filmische Rückblick nach dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR. Im Rahmen eines Wiedersehens der »Kinder von Golzow« am 1. Jahrestag der deutschen Einheit und ihrer gemeinsamen Fahrt nach Hamburg ein Werkstattbericht, der die 30-jährige Geschichte der Golzower Chronik aus der neuen deutschen Situation wie auch die Veränderungen, Gedanken und Gefühle im Leben der Porträtierten dokumentiert.
IN 4211 E/ DVD 7
Das Leben des Jürgen von Golzow , 1992, 192 Min., Farbe und s/w,
Der erste, über die »Wende« hinaus weitergeführte Lebenslauf eines der »Kinder von Golzow« als eigenständiger Langfilm, der vom Werdegang des ersten Helden unseres ersten Films erzählt und dabei das von Jürgen, der Maler und Tapezierer wurde, und »seinem« Golzow, in dem er noch immer lebt, vorhandene reichhaltige Material nutzt.
- Produktionsjahr
- 1961
- Farbe
- Farbe + s/w
- Gattung
- Dokumentarfilm
- Genre
- Biografie / Portrait
- Thema
- DDR
- Rechteumfang
- Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
- Anmerkungen zur Lizenz
- DEFA
- Lizenzdauer bis
- 31.12.2030
- Permanente Sperrgebiete
- Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH)
- Verfügbare Medien
- DVD
- Originalfassung
- Deutsch (de)
DVD
- Untertitel
- Englisch (en)