Rainer Pollack am 01. Oktober 2018 Grußwort von Rainer Pollack zum 25. Jubiläum des Goethe-Instituts in Riga

25. Jubiläum des Goethe-Instituts in Riga

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen“ (chinesisches Sprichwort)
 
Sehr geehrte, liebe Frau Ministerin,
lieber Herr Botschafter,
liebe Freunde und Partner, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Goethe-Instituts Riga,
 
darüber, dass ich heute in Riga sein kann, um mit Ihnen den 25. Geburtstag des Goethe-Instituts zu feiern, freue ich mich sehr! Es ist mein erster Besuch in Lettland.
 
Als das Goethe-Institut vor einem Vierteljahrhundert seine Arbeit in Lettland begonnen hat, war die Welt noch eine andere. Der Zerfall der Sowjetunion und der Fall des Eisernen Vorhangs lagen gerade ein paar Jahre zurück. Damals ging es darum, Kulturen und Menschen einander anzunähern, die Jahrzehnte lang getrennt waren. Wir mussten uns wieder kennenlernen. Es ging darum, einen ungeheuren Transformationsprozess zu bewältigen: wirtschaftlich und politisch, aber auch mental, gesellschaftlich und kulturell… Gemeinsam mit unseren lettischen Partnern haben wir diese Prozesse reflektiert und unterstützt – auch und vor allem mit Mitteln der Kunst und Kultur. Heute ist Lettland ein wichtiger und im besten Sinne selbstverständlicher Teil unseres gemeinsamen europäischen Projekts. Doch dass auch dieses Europa nach innen und außen vor Herausforderungen steht, zeigt ein Blick auf die aktuellen Nachrichten. Die Welt ist leider nicht einfacher geworden. Dialog, Verständnis für Erfahrungen und Standpunkte der anderen, Neugierde aufeinander, Spaß daran, gemeinsam etwas zu tun, sind heute wichtiger denn je. Kurz gesagt: Kulturdialog ist heute wichtiger denn je.
 
Wer sehen möchte, wofür das Goethe-Institut Riga heute steht, kann am besten einen Blick auf die Veranstaltungen anlässlich des 25-jährigens Jubiläums werfen.
  • Gestern endete das Kunstprojekt Leer│Stelle, das im Rahmen des „Survival-Kit“-Festivals rund drei Wochen lang im historischen Rigaer Zirkus zu sehen war. Herausragende lettische, deutsche und internationale Künstlerinnen und Künstler haben eigens für diese Ausstellung und diesen Ort neue Werke geschaffen und lenkten den Blick auf Fragen von Peripherie und Zentrum, von Migration, Identität, Diversität und Toleranz.
  • „Wer den Informationsfluss kontrolliert, hat die Macht“. Das ist das Motto der Ausstellung Global Control and Censorship, die derzeit in der Nationalbibliothek zu sehen ist. Künstler aus Deutschland, Lettland und 16 weiteren Staaten reflektieren, was die globale Vernetzung, das Sammeln von Daten und Informationen durch private Firmen und staatliche Dienste für unsere Demokratie und Freiheit bedeuten.
  • Draußen im Foyer sehen sie die Ergebnisse eines Workshops, in dem sich Comic-Künstler aus den drei Baltischen Ländern und aus Deutschland ihre Gedanken zum Thema 100 Jahre Lettland gemacht haben.
  • Ums Zuhören, aber auch ums Tanzen geht es bei den Berlin Sessions in Riga, zu denen sich monatlich DJs und Elektromusiker aus beiden Städten treffen und vor allem junge Leute anziehen.
  • Die neu gestaltete Goethe-Bibliothek experimentiert mit neuen Formaten. Aktuell geht es in einem Themenraum um die Krimiliteratur unserer beiden Länder.
  • Und jedes Jahr lernen rund 1.400 aus Lettland, aber zunehmend auch aus anderen Ländern Deutsch am Goethe-Institut, nehmen Lehrerinnen an Projekten oder Fortbildungsprogrammen teil und wenden Schüler ihre Deutschkenntnisse ganz praktisch in vielfältigen Projekten an.
Ich denke, solche Programme können Denkanstöße geben. Sie sind einerseits kultureller und künstlerischer Austausch, gleichzeitig bieten sie damit aber Kristallisationspunkte für ein gemeinsames Nachdenken. Sie sind Denkanstöße und reflektieren diejenigen Themen, die uns in Lettland, Deutschland und Europa wichtig sind. Als Menschen und Gesellschaften haben wir manchmal verschiedene Erfahrungen, verschiedene Perspektiven auf die Dinge. Aber genau durch diese Denkanstöße wird unsere gemeinsame Arbeit spannend und lehrreich für uns alle.
 
Natürlich können und wollen wir derartige Projekte nicht allein machen. Sie sind nur möglich, weil wir hier in Riga Teil eines großen Partnernetzwerks sind. Deswegen möchte auch ich die Gelegenheit ergreifen, allen Partnern des Goethe-Instituts in Riga ganz herzlich für die Zusammenarbeit zu danken. Diese Vernetzung vor Ort ist die Basis. Und ich denke, es zeichnet uns als Institution auf der ganzen Welt, in den 98 Ländern in 159 Goethe-Instituten aus, dass wir nicht irgendwo ein paar Jahre lang „Projekte machen“, sondern dass wir dauerhaft vor Ort sind. Wir brauchen unsere Partner. Aber wir stehen auch langfristig an ihrer Seite, um gemeinsam etwas zu erreichen.
 
Ganz besonders freue ich mich, dass wir heute Abend gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Goethe-Instituts feiern. Nur Ihr Einsatz, liebe Kolleginnen und Kollegen, nur Ihr Wissen und Ihre Kompetenz, Ihre Freude, Ihr Charme, Ihre Offenheit machen unsere Arbeit möglich. Allein Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, sind diese Erfolge zu verdanken. Ihnen gilt mein herzlichster Dank – ob Sie nun schon seit 25 Jahren dabei sind oder ob Sie erst vor kurzem dazu gestoßen sind.
 
Ich gratuliere dem Goethe-Institut Riga ganz herzlich zum 25. Geburtstag.

Es gilt das gesprochene Wort.