Rainer Pollack am 12. März 2019 Grußwort von Rainer Pollack zu Freischwimmen (33) – Nachdenken über Geschlechterfragen

Thema: „Feminismus – heute!“ mit Tarik Tesfu, Video-Kolumnist und bekennender Feminist

Sehr geehrter Herr Tesfu,
liebe Frau Niemann, liebe Frau Kaczmarek,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit 1911 feiern wir den "Internationalen Tag der Frauen", seit 1921 am 8. März, als ein Symbol der Gleichberechtigung. Auch wenn wir im Vergleich zu den Berlinern am Freitag nicht frei hatten, haben Sie den Tag hoffentlich gut verbracht.

Das Wahlrecht der Frauen in Deutschland jährt sich in diesem Jahr (erst) zum 100. Mal. Eigentlich undenkbar, dass in der Schweiz 1971 das Wahlrecht eingeführt wurde, oder? Allerdings war der Kanton Appenzell Innerrhoden auf kantonaler Ebene nochmal 20 Jahre später dran. Ziemlich unglaublich.

Deshalb freue ich mich sehr, dass, auch zu diesem Gedenken und Jubiläum an 100 Jahre Wahlrecht der Frauen unsere Gleichstellungsbeauftragte, Frau Niemann, die heutige Veranstaltung zum Thema: „Feminismus – heute!“ organisiert hat und begrüße Sie alle herzlich! Das Thema ist ja weit aus vielfältiger auf die bloße Reduzierung auf das Wahlrecht!

Meiner Meinung nach geht es beim Thema Feminismus um Fairness. Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen und Männern sind für das Goethe-Institut ein absolut wichtiges Anliegen.
„Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen. Gleichermaßen muss ihr das Recht zugestanden werden, eine Rednertribüne zu besteigen“

Olympe de Gouges: Déclaration des droits de la Femme et de la Citoyenne. So stellte sie 1791 den 17 Artikeln der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die sich nur auf Männer bezogen, in 17 Artikeln ihre Frauenrechte gegenüber, die diesen berühmten Satz enthielten.

Worauf wir in Deutschland, denke ich, stolz sein können, ist zum Beispiel, dass wir mit 68% Anteil von erwerbstätigen Frauen über dem Durchschnitt dem OECD Durchschnitt (60%) liegen.

Auch im Goethe-Institut setzen wir uns dafür ein, dem Thema  Gleichstellung „gerecht“ zu werden. Aus der umfassenden Gleichstellungsstatistik unseres Instituts von 2017 geht hervor, dass die Anzahl der weiblichen und männlichen Mitarbeitenden mittlerweile fast ausgeglichen ist. Bei den oberen und obersten Führungskräften haben wir noch Potenzial. Allerdings bin ich von der Festlegung einer reinen Quote noch nicht überzeugt. Wichtig ist es, dass es die gleichen Zugangsmöglichkeiten gibt.

Auch hatten wir in der Vergangenheit einige Projekte zum Thema „Gleichberechtigung“ und „Gender“, in der Zentrale und weltweit an den Instituten. Zum Beispiel das Projekt „Tashweesh“, das von den Goethe-Instituten Brüssel und Kairo ins Leben gerufen wurde, um feministische Sichtweisen und Positionen aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Europa miteinander zu verbinden.

Natürlich sollte das nicht heißen, dass wir bereits alles erreicht hätten. Es sollte uns eher bestärken,  noch weiter dafür zu arbeiten! Wichtig ist sicherlich hierbei auch die Verwendung von geschlechtergerechter Sprache. Der Rechtschreibrat hatte Ende 2018 noch darauf verzichtet, das Gendersternchen offiziell in den Duden aufzunehmen und zur Alltagsregel zu machen. In der vorletzten ALK war dies auch Thema und ich denke, das Verwenden des Sternchens, liebe Kolleg*innen, wird uns auch leicht fallen, da es oft in Texten geschmeidiger wirkt, als ‚liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter‘.
Nach dem Prinzip Clara Zetkin’s: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, die den Grundstein für den Weltfrauentag legte, sollten wir als Goethe-Institut weiterhin als Botschafter*innen und als Vorbild für andere Organisationen und Institutionen vorangehen.

Und nun freuen wir uns besonders, dass Tarik Tesfu uns heute einen Einblick in das Thema „Feminismus – heute“ geben wird.

Es gilt das gesprochene Wort.