Rainer Pollack am 25. Mai 2019 Grußwort von Rainer Pollack für die Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Goethe-Instituts in Minsk

Ein Garten kann eine Welt für sich werden, dabei ist ganz gleich, ob dieser Garten groß oder klein ist. (Hugo von Hoffmannsthal)

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Kulturministeriums, des Bildungsministeriums und des Außenministeriums,
liebe Frau Galina Petrownaja Ladisava, (Direktorin des Museums der Geschichte der Stadt Minsk), herzlichen Dank, dass Sie uns heute so  großzügig empfangen,
lieber Herr Botschafter, Herr Dr. Peter Dettmar,
liebe Frau Dr. Heike Uhlig, Leiterin der Region Osteuropa-Zentralasien,
liebe Freunde und Partner, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Goethe-Instituts Belarus,

ich habe das Grußwort mit Hugo von Hoffmannsthal begonnen. Das 25-jährige Jubiläum des Goethe-Instituts in Belarus, das wir heute zusammen feiern, freut mich außerordentlich und zeigt, wie aus einer Vielzahl von kleinen, zarten Pflänzchen über die Jahre ein wunderbarer Garten im weltweiten Netzwerk unseres Goethe-Instituts geworden ist!

Dass wir uns hier in einem Garten, im Garten des Museums der Geschichte der Stadt Minsk, zusammengefunden haben, passt ganz hervorragend auch zur Geschichte, die das Goethe-Institut mit Minsk, Belarus und Deutschland, verbindet.

Bereits lange vor der Gründung des Goethe-Instituts in Minsk wurden die ersten Samen für die heute so fruchtbare Verbindung gesät. Und dieser Garten hier, das Land Belarus, befindet sich an einem besonderen Ort: zwischen der Europäischen Union und Russland. Minsk ist ein einmaliger Standort, der auch innerhalb des weltweiten Netzwerks des Goethe-Instituts viel Beachtung findet. Die Menschen in diesem Garten und in Minsk und Belarus sind mehr als nur Kundinnen und Kunden des Goethe-Instituts, sie sind engagierte Bürgerinnen und Bürger, die mit dem Institut in täglichem Austausch stehen, „ihre Pflanzen pflegen“, und die der Arbeit der Institution erst Sinn geben.

Belarus ist leider vielen Deutschen noch nicht näher bekannt. Es ist auch meine erste Reise nach Minsk, weshalb ich mich umso mehr freue, Ihre Stadt kennenzulernen und meine Eindrücke zu Hause zu teilen!
Der erste intensive Austausch zwischen der Bundespublik Deutschland und Belarus fand bereits im Jahr 1994 statt. Deutschland trägt durch die Geschehnisse während des 2. Weltkriegs eine ganz besondere Verantwortung für Belarus und setzt sich für ausgewogene und stabile bilaterale Beziehungen ein.
Diese Beziehungen beruhen, neben den wichtigen wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen beider Länder, vor allem auf vielen persönlichen Begegnungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Dies besonders nach Tschernobyl, wo viele deutsche Familien und Vereine Hilfe leisteten und Kinder und Jugendliche bei sich aufnahmen.

Das Goethe-Institut ist ein wichtiger Motor und die Schnittstelle, auch ein bisschen der „Gärtner“ solcher Beziehungen. Es will sich durch gemeinsame Programme, Projekte und die Vermittlung der deutschen Sprache im Land einbringen. Hier in Belarus, wo Deutsch noch immer die beliebteste und meistgelernte Fremdsprache nach Englisch ist, setzt sich das Goethe-Institut seit 25 Jahren für die kulturelle Vernetzung ein. Davon zeugt auch das engmaschige Netzwerk mit Schulen und Bildungseinrichtungen, oder Mobilitätsprogramme und Besucherreisen, die den Austausch zukünftig noch mehr fördern sollen.
25 Jahre Goethe-Institut in Minsk – das bedeutet ein Vierteljahrhundert Kultur- und Spracharbeit in ganz Belarus. Aus diesem Anlass feiert das Institut das ganze Jahr über mit zahlreichen Veranstaltungen, Wettbewerben, Ausstellungen und Konzerten. Ich hoffe, der ein oder andere von Ihnen, konnte sich schon persönlich davon überzeugen.

Hier ein paar Beispiele: Den Auftakt in das Jubiläumsjahr machte die viel beachtete Ausstellung des Künstlerkollektivs Slavs and Tatars, die sich mit Fragen der sprachlichen und kulturellen Identität auseinandersetzt. Außerdem eröffnete uns bereits ein Virtual-Reality-Themenraum und eine szenische Lesung die Welt von Franz Kafka. Nun stehen weitere Programmhöhepunkte in Minsk an, wie z.B. die Beteiligung des Goethe-Instituts an der Gründung des Belarussischen Zentrums für jüdisches Kulturerbe mit einer Ausstellung zur Familie von Amy Winehouse. Diese wird von Juni bis August diesen Jahres zu sehen sein. Von September bis Oktober folgt eine Ausstellung zum Thema 100 Jahre Bauhaus, die die sowjetische Moderne in Minsk und Witebsk thematisiert und in der es u. A. eine Installation mit einem virtuellen Rundgang durch das Bauhaus Dessau zu sehen gibt. Im Oktober eröffnet die Deutsche Botschaft außerdem die Deutschen Wochen: gemeinsam mit weiteren Kulturmittlern vor Ort werden derzeit zahlreiche Lesungen, Konzerte und Bildungsprogramme vorbereitet. Ganzjährig wird außerdem ein landesweiter Wettbewerb über den besten Schulgarten durchgeführt. Von den 80 Einreichungen werden die 10 schönsten Schulgärten preisgekrönt und erhalten ein Garten-Kit. Und schließlich werden über 30 Ginkgo-Bäume an die Partner des Goethe-Instituts in Minsk und im ganzen Land verschenkt als Zeichen unserer Freundschaft.

Morgen ist nicht nur der Tag nach unserem schönen Fest heute, sondern auch Europawahl. Das Goethe-Institut engagiert sich für ein gemeinsames europäisches Miteinander, beispielsweise durch EUNIC-Cluster oder das Projekt MOST. Dieses Projekt setzt sich zum Ziel, die Menschen aus Belarus auf fachlicher Ebene zu vernetzen und den Austausch mit der Europäischen Union zu ermöglichen.
Welchen Wert diese Freund- und Partnerschaften haben, merken wir besonders in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheiten. – In Zeiten, in denen die Nationalstaaten ihre Grenzen schützen und an der Stabilität von Bündnissen wie der EU gezweifelt wird.

Diese Partnerschaften sind wechselseitig. Belarus ist mit seinen Projekten im Bereich der digitalen Kultur sehr wichtig für das Goethe-Institut und die damit einhergehenden Veränderungen unserer Lebens- und Arbeitswelten. Ich nenne nur einige Fragen, vor denen wir stehen: Welche neuen Konstellationen zwischen dem Bildungsbereich, der Kultur- und Kreativwirtschaft und dem boomenden IT-Sektor gibt es hier? Wie können neue Schlüsseltechnologien (Blockchain, Digitalisierung, Algorithmen und Bots) für die kulturelle Zusammenarbeit und die Qualifizierung der jungen Generation genutzt werden? Wie können wir in Zukunft unser Netzwerk (Lesesäle, Partnerbibliotheken, Kulturpartner) auf diese Herausforderungen vorbereiten?

In all diesen Dingen sind wir auf die Expertise und den Input der globalisierten Kulturgemeinschaft angewiesen und freuen uns sehr über die Unterstützung und Vorreiterrolle, die das Institut Minsk hier übernimmt!

Ganz besonders möchte ich den lokalen Partner und Institutionen hier vor Ort für Ihre Initiativen, Ideen und die gute Zusammenarbeit danken: Schulen, Bildungsbehörden, Ministerien, Museen und Theater, Kulturzentren, NGOs und Festivals, ohne die es nicht möglich wäre, die deutsch-belarussische Kulturarbeit zu realisieren.

Darüber hinaus sind natürlich die Deutsche Botschaft, der DAAD und das ZfA wichtige Partner für unsere Arbeit hier, außerdem die EU Delegation und die Botschaften, die im EUNIC-Cluster organisiert sind und so auf eine übergreifende Expertise zurückgreifen können.

Ein herzlicher Dank gilt auch den Kulturschaffenden, Kreativen, Bildungsakteurinnen und –akteuren hier vor Ort, die für die Realisation eigener Projekte des Goethe-Instituts unabdingbar sind und die mit ihren Visionen die Kulturarbeit beleben.

Und schließlich - die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Engagement und Enthusiasmus die letzten 25 Jahre zu einer Erfolgsgeschichte gemacht haben, die Früchte trägt. Ohne Sie würden wir hier heute nicht stehen. Auf diesen unermüdlichen persönlichen Einsatz von Ihnen, sind wir sehr stolz.
Wir feiern dieses Fest heute in einem Garten, der selbst metaphorisch für das Gedeihen unserer Beziehungen steht. So pflanzen wir auch hier heute einen Baum, der mindestens 25 Jahre und weiter wachsen wird und symbolisieren soll, wie nachhaltig unsere Arbeit in Belarus wirkt. Viele Generationen werden sich hoffentlich an den heutigen Tag erinnern können, denn Ginkos können ja bis zu 1.000 Jahre alt werden.

Herzlichen Glückwunsch!

Es gilt das gesprochene Wort.