Ausstellung Zonen des Vertrauens

Albena Baeva © Albena Baeva

Do, 10.06.2021 -
Fr, 02.07.2021

18:00 Uhr - 19:00 Uhr

Goethe-Institut Sofia

Ausstellung von Albena Baeva

Zonen des Vertrauens
Ausstellung von Albena Baeva
Teil des Projekts "Trust Territories" von Albena Baeva und Natalia Fuchs

10.06.-2.07.2021
Eröffnung: 10.06., 18:00-20:00
Goethe-Institut Bulgarien
Budapesta Str. 1, Sofia

In ihrer neuen Ausstellung erforscht Albena Baeva Themen wie Trauma, Vertrauen und alternative Zukunftsmodelle unter dem Blickwinkel der Maschinen. Die Werke folgen einem aus der Konzeptkunst der Mitte des letzten Jahrhunderts bekannten Prinzip, bei dem die Künstler*innen Anweisungen zur Aufführung ihrer Kunst erstellen. Hier werden die Handlungsanweisungen jedoch von einer künstlichen Intelligenz gegeben, die ihrerseits von originalen Instruktionswerken seit den 1960er Jahren gelernt hat. Für „Zonen des Vertrauens“ hat Albena Baeva ausgewählte Anweisungen in Form von Zeichnungen, Wandgemälden und erweiterter Realität ausgeführt und interpretiert. Die Arbeiten entstanden durch das Zusammentreffen von künstlerischer Autonomie und maschineller Intelligenz. Zentrale Themen sind der Kontrollverzicht über das Endergebnis und die Bereitschaft, der Technologie Vertrauen zu schenken.

Die Ausstellung ist Teil eines Projekts von Albena Baeva und der russischen Kuratorin und Kunsthistorikerin Natalia Fuchs. Als sich Albena und Natalia Anfang 2020 während der Veranstaltung Mutek AI Art Lab in Montreal kennenlernten, entdeckten sie Gemeinsamkeiten in ihren kritischen Anschauungen und ihrem Interesse an der modernen Entwicklung von Technologien und künstlicher Intelligenz. Seitdem arbeiten sie zusammen als kreatives Team, wobei sie historische und neue Instruktionswerke studieren. Mithilfe der gesammelten Materialien trainiert Albena den Sprachalgorithmus GPT-2, der wiederum neue Instruktionswerke erstellt.

Die Ausstellung ist Teil eines Projekts von Albena Baeva und der russischen Kuratorin und Kunsthistorikerin Natalia Fuchs. Als sich Albena und Natalia Anfang 2020 während der Veranstaltung Mutek AI Art Lab in Montreal kennenlernten, entdeckten sie Gemeinsamkeiten in ihren kritischen Anschauungen und ihrem Interesse an der modernen Entwicklung von Technologien und künstlicher Intelligenz. Seitdem arbeiten sie zusammen als kreatives Team, wobei sie historische und neue Instruktionswerke studieren. Mithilfe der gesammelten Materialien trainiert Albena den Sprachalgorithmus GPT-2, der wiederum neue Instruktionswerke erstellt.
 
Die Anweisungskunst entstand in den 1960er Jahren mit den Arbeiten von Pionieren wie John Cage, Yoko Ono, Bruce Nauman und Sol LeWitt. Diese Tradition wurde später von Marina Abramović, Miranda July und anderen fortgeführt. Instruktionswerke können als Anweisungsabfolgen bezeichnet werden, die von Künstler*innen erstellt und von Betrachter*innen oder Darsteller*innen ausgeführt werden. Anweisungen werden in der Regel als eine Form der Kontrolle wahrgenommen und selten als Mittel der Zusammenarbeit oder Fürsorge. Instruktionswerke entstanden als Folge des Traumas des Zweiten Weltkriegs und können als Heilmethode der turbulenten 60er Jahre aufgefasst werden. Im Alltag dienen Anweisungen als Leitfäden für die richtige Ausführung einer Tätigkeit. Dadurch werden Fehler vermieden und die gewünschten Ergebnisse sichergestellt. Instruktionswerke spielen mit den Themen Kontrolle und Vertrauen. Sie verlangen vom Betrachter, dem oder der Künstler*in zu vertrauen, die eigene Kontrolle aufzugeben und ins Werk einzutauchen. Mit dieser fordernden und kontrollierenden Geste helfen uns die Arbeiten jedoch, uns alternative Anordnungen, Denk- und Wahrnehmungsweisen vorzustellen. Indem sie die Konzepte von Normalität und Annehmbarkeit radikal umformen, helfen sie uns, neue Strukturen, Realitäten, Räume und Normen zu entdecken.

Menschliche Kontrolle und Manipulation gehörten in den 60er Jahren zu den großen Themen der Kunst. Heute erleben wir einen neuen Vertrauensverlust gegenüber den Behörden, den traditionellen Medien und der Wissenschaft. Angesichts der rasanten Entwicklung von Machine-Learning-Technologien, die immer mehr in unser Leben eindringen,  fürchten viele die potenziellen Risiken. Kontrollverlust ist ein ein Kernthema, ob in Bezug auf die berufliche Zukunft oder eine gerechte Ressourcenverteilung. Interessanterweise werden die mit der Entwicklung von Überwachungstechnologien einhergehende Kontrolle und die Manipulation der Öffentlichkeit trotz der Risiken für die Gesellschaft als Ganzes und für den einzelnen Verbraucher selten als Problem wahrgenommen.

Die COVID-19-Pandemie hat ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt, das bisher oft übersehen wurde:  die Beziehung zwischen Mensch und Technologie. Das Gebot der physischen Distanzierung hat uns gezwungen, eine Vielzahl digitaler Lösungen zu verwenden. Unter den Krisenbedingungen des vergangenen Jahres waren unser Einkommen, unsere Kommunikation mit anderen Menschen und unsere engsten Beziehungen aufs Zusammenspiel mit intelligenten Technologien angewiesen. Geht es um eine neue Form von Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine? Bringen wir Maschinen und digitalen Technologien mehr Vertrauen entgegen?

Es ist ein guter Zeitpunkt, die Grenzen solcher Erfahrungen und unseres neuen Vertrauens in Technologie zu untersuchen. Die Ausstellung „Zonen des Vertrauens“ von Albena Baeva ist ein Versuchsfeld , auf dem der Besucher sein Vertrauen in künstliche Intelligenz testen kann.

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Die Ausstellung "Zonen des Vertrauens" findet im Rahmen des Programms des Goethe-Instituts Bulgarien für künstliche Intelligenz statt. Im Rahmen des Programms finden noch das Labor EthicAI=Labs und die lokale Residenz Generation A=Algorithm in Zusammenarbeit mit dem Sofia Tech Park statt.

Albena Baeva arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kunst, Technologie und Wissenschaft. In ihren interaktiven Installationen für Stadträume und Galerien verwendet sie maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz, neue Technologien, kreative Programmierung und DIY-Praktiken. Sie hat zwei Master-Abschlüsse („Restaurierung“ und „Digitale Kunst“) von der Nationalen Kunstakademie in Sofia. 2019 gewann sie den Preis für neue Kunst „Alles in Ordnung“ des Bulgarischen Fonds für Frauen. 2011 erhielt sie den internationalen Preis für zeitgenössische Kunst Essl und eine Sondereinladung der VIG. Albena ist Mitbegründerin der interdisziplinären Performance-Plattform „Runabout project“, des Studios für interaktives Design „Reaktiv“ und der Galerie „Galerie“. Ihre Arbeiten wurden in Museen für zeitgenössische Kunst wie z.B. Essl (Österreich, 2011), EMMA (Finnland, 2013), Museum für zeitgenössische Kunst in Vojvodina (Serbien, 2015 und 2019), im Rahmen von Ausstellungen und Video- und Performance-Festivals in Österreich, USA, Bulgarien, Deutschland, Dänemark, Italien, Zypern, Litauen, Serbien, der Türkei, Ungarn, der Ukraine, Frankreich, Finnland und der Schweiz gezeigt.

Natalia Fuchs forscht im Bereich der Neuen Medien und arbeitet als Kunsthistorikerin und internationale Kuratorin. Sie ist Absolventin der Universität Manchester (MA Kulturmanagement) und der Donau-Universität (MA MediaArtHistories) in Österreich. 2013 gründete Natalia das Kunstvermittlungsbüro ARTYPICAL. Als Kuratorin des Polytechnischen Museums in Moskau kuratierte sie die Ausstellungen „Earth Lab“ (in Zusammenarbeit mit Ars Electronica), „On the Origin of the New“ im Garage Museum of Contemporary Art und andere. In den Jahren 2013-2016 leitete sie das interdisziplinäre Programm Polytech.Science.Art. 2016-2018 war Natalia Fuchs Kuratorin, Leiterin der Abteilung für multimediale Kunst und stellvertretende Direktorin des Nationalen Zentrums für zeitgenössische Kunst in Moskau. Natalia unterrichtet Medienkunstgeschichte an der Staatlichen Universität Moskau (Lehrstuhl für Weltkunstgeschichte). 2018-2020 war sie Kuratorin und Koproduzentin des GAMMA Festivals. Sie ist Kuratorin und Koproduzentin internationaler Kunst- und Technologielabore wie Mutek AI Art Lab (2020). Sie hat als Beraterin für das Barbican Centre (London) und Kuratorin des Futurologischen Kongress 2020 in Italien gearbeitet. Derzeit ist Natalia Fuchs Direktorin des Methodologischen Zentrums für Medienkunst in Moskau und Ausschussvorsitzende für Ausstellungen und Veranstaltungen bei New Media Caucus in Chicago, USA.

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