Karel Gott
Starsänger zwischen Ost und West

Millionen Herzen auf aller Welt hat er erobert: Karel Gott – tschechischer Weltstar und deutschsprachiger Schlagersänger.
Millionen Herzen auf aller Welt hat er erobert: Karel Gott – tschechischer Weltstar und deutschsprachiger Schlagersänger. | Foto (Detail): © picture-alliance/United Archives

Mit seinen Schlagerhits feierte der Musiker weltweit Erfolge, sein „Ruhm durchlöcherte den Eisernen Vorhang“: Der Prager Karel Gott berührte die Herzen in West und Ost – und ist als Weltstar in die Geschichte eingegangen.
 

Von Romy König

Er war ein Weltstar: Karel Gott, Schlagersänger, Entertainer und Komponist, hat weit über seine Heimat Tschechien hinaus Erfolge gefeiert, und das über Jahrzehnte hinweg. Er hat in Las Vegas ebenso brilliert wie in der New Yorker Carnegie Hall, ist durch Europa und Lateinamerika getourt, und hat sich vor allem in Deutschland mit zahlreichen Hits eine große Fangemeinde aufgebaut.

Gelernt: klassisch, geliebt: jazzig

Sich und seine Gefühle ausdrücken zu können, das war dem gebürtigen Pilsener schon früh ein Bedürfnis. Seit seiner Kindheit wollte er Maler werden, doch die Kunstakademie erteilte ihm eine Absage. Anders das Prager Musikkonservatorium. Hier erhielt er, nachdem er eine Lehre zum Elektriker gemacht hatte, eine klassische Musikausbildung, lernte Operngesang und Liedinterpretation. Doch wenn der Unterricht aus war, hielt ihn nichts: Er spielte in Prager Cafés und Tanzhäusern, jazzte, sang poppige Schlager – bis ihn einer seiner Professoren dabei hörte. „Es hat Ausdruck“, attestierte er dem Jungkünstler, „aber noch keine Seele“.

Goldene Stimme aus Prag

Es dauerte dennoch nicht lang, und Karel nahm seine erste Schallplatte auf; tschechische Komponisten schrieben ihm zudem einen Song auf den Leib, der 1963 zu einem ersten landesweiten Radiohit werden sollte. Als seine Plattenfirma beschloss, ein Album für den Export aufzubereiten – Titel: The Golden Voice of Prague –, ebnete dies den Weg zum internationalen Künstler. Das TIME Magazine schrieb begeistert: „Sinatra des Ostens“ und verpasste Karel Gott damit einen seiner oft verwendeten Spitznamen. In Deutschland hingegen prägte sich besonders der übersetzte Titel seines ersten weltweiten Albums beim Publikum ein: Hier galt er zeitlebens als die „Goldene Stimme aus Prag“.

Viele Hits in Deutschland

„In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit…“: Für Generationen von Deutschen wird Karel Gott mit dem Titelsong der Kinderserie „Biene Maja“ auf ewig Kindheitserinnerungen wecken.
„In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit…“: Für Generationen von Deutschen wird Karel Gott mit dem Titelsong der Kinderserie „Biene Maja“ auf ewig Kindheitserinnerungen wecken. | Foto (Detail): © picture-alliance/ZB/Bernd Wüstneck
In die deutschen Charts brachte ihn 1968, nachdem er bereits ein mehrmonatiges Gastspiel in Las Vegas absolviert hatte, das Wehmutsstück Weißt Du wohin, die deutsche Fassung des Filmsongs aus Dr. Schiwago. Nach einem TV-Auftritt mit eben diesem Lied beim Europapokalfinale 1968 in Rotterdam kannte plötzlich ganz (West-)Deutschland den jungen Tenor aus der Tschechoslowakei. Weitere deutschsprachige Hits wie Lady Carneval, Babička und Einmal um die ganze Welt folgten; Millionen von Kindern kennen seine Stimme außerdem durch das von ihm gesungene Titellied der Zeichentrickserie Biene Maja.

Zwischen zwei Welten

Auch in der DDR wurde Karel Gott gefeiert und trat mehrmals als Hauptact in der wichtigsten Unterhaltungssendung des Landes, Ein Kessel Buntes, auf, auch wenn er hier das reisesehnsüchtige Stück Einmal um die ganze Welt nicht singen durfte – ebenso wenig übrigens wie in seinem Heimatland. „Sein Ruhm durchlöcherte den Eisernen Vorhang“, schrieb kürzlich ein Musikexperte des Südwestrundfunks. Karel Gott selbst sah sich, zumindest bis zu den Wendejahren, „zwischen zwei Welten“, ein Gefühl, das seiner 2014 erschienenen Autobiografie den Titel gab. Auch wenn der Sänger kurzzeitig mit einer Übersiedlung in den Westen geliebäugelt haben mochte, er kehrte doch immer wieder nach Prag zurück: „Weil hier meine Wurzeln sind“, schreibt er im Rückblick.

42 Mal Lieblingssänger des Jahres

Die Seele, die sein Professor einst noch in seinen Darbietungen vermisste, hatte er seinem Gesang längst eingehaucht: Nicht umsonst wählte ihn das tschechische Publikum ganze 42 Mal zum „Lieblingssänger des Jahres“. Neben dem charakteristischen Gesang waren es sein Charme und seine Professionalität, die ihm die große Karriere ermöglichten. „Ein Gentleman“ sei er, schwärmte DJ Ötzi, mit dem Karel Gott im späten Verlauf seiner Karriere einen Song aufnahm. Karel selbst bemühte sich vor allem um einen stets freundlichen Umgang mit seinen Fans – das hatte er nach eigener Aussage von Louis Armstrong gelernt – und um Disziplin: „Es gibt nur ein einziges Attest, das die Absage eines Konzerts berechtigt“, schreibt der Musiker in seiner Autobiographie: „die Sterbeurkunde“.

Als Karel Gott 2019 im Alter von 80 Jahren stirbt, liegt eine über 60 Jahre dauernde Weltkarriere mit geschätzt 50 Millionen verkauften Tonträgern hinter ihm. Die Stadt Pilsen lässt Trauerbeflaggung hissen, seine Wahlheimatstadt Prag ordnet einen Staatstrauertag samt Messe im Veitsdom an. Ein Jahr darauf verleiht Tschechiens Präsident Miloš Zema Karel Gott posthum die höchste staatliche Auszeichnung, den Weißen Löwen. Ein symbolischer Akt, der verdeutlicht: Die Goldene Stimme aus Prag mag verstummt sein, vergessen wird sie jedoch nicht.

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