Band des Monats
Falco

Falco
© Universal

Der 1957 in Wien (der ehemaligen kaiserlichen Hauptstadt) geborene Musiker zeichnet sich durch sein blitzartiges Leben aus: schneller Erfolg, dessen Glanz nie wirklich verblasst ist, aber auch grundlegende Schwachstellen, die 1998 zu seinem viel zu frühen Tod geführt haben. In vierzig Jahren und einer fünfzehnjährigen Musikkarriere wird er nicht nur zur musikalischen, sondern auch zu einer austro-wienerischen Ikone. Johann Hölzel alias Falco stammt aus einfachen Verhältnissen und ist auch heute noch extrem kultig. 25 Jahre nach seinem Autounfall, der ihm das Leben gekostet hat, ist Falco noch heute eine musikalische und nationale Referenz. Hier ein kurzer Einblick in die Biografie des österreichischen Stars.

Von Marguerite Comoy

Massenidol und Enfant terrible

Als der Junge aus dem 5. Bezirk, einem einfachen Viertel in Wien, nach einem Künstlernamen sucht, denkt er an den Skispringer Falko Weißpflog, dessen Spitzname Falke ist. Die Parallele zu dem majestätischen Greifvogel erweist sich als besonders passend für den Sänger, der zu extremen Höhen aber auch zu tiefen Abgründen fähig ist. Falco ist eine Figur voller Kontraste: Er ist einer der wenigen Österreicher, der es mit deutschen Liedern an die Spitze der Charts geschafft hat, er ist eine musikalische Referenz, die fortbesteht (wer hat nicht schon einmal Der Kommissar auf einer Erasmus-Party gehört?), er ist ein Massenidol, das nichts von seinem Glanz verloren hat. 

Doch auf dem Gipfel seines Ruhms angekommen, wird Falco von Anfang an von Schwindelgefühlen geplagt. Die Angst, nicht mehr so erfolgreich zu sein, überfällt ihn, und er kämpft mit neuen Süchten (Alkohol, Kokain). Seine Musik ist genau in dieser Bruchlinie verankert: zwischen übertriebenem Selbstbewusstsein voller Arroganz und den extremen Ängsten.


Eine turbulente musikalische Karriere

Johann Hölzel beginnt in den 1970er Jahren mit der Musik. Er ist um die 20 und spielt in mehreren Wiener Punkbands. 1981 wird Falco den Hit Der Kommissar international bekannt.

 

 

Der Song ist eine gekonnte Mischung aus Hip-Hop, Funk und Rap. Die Musik komponiert Robert Ponger, der Text stammt von Falco. In den USA rutscht er an die Spitze der Hip-Hop-Charts, die bis dahin ausschließlich von afro-amerikanischen Künstlern besetzt waren. Der Kommissar wurde weltweit sieben Millionen Mal verkauft, das ist so viel wie die gesamte österreichische Bevölkerung zusammen! Bald darauf folgt das zweite Album Einzelhaft, das sich auf die Isolationshaft für problematische Häftlinge im Gefängnis bezieht. 1984, nur zwei Jahre später, veröffentlicht Falco ein weiteres, bahnbrechendes Album: Junge Roemer, das komplett gefilmt wurde. Falco verfeinert seinen musikalischen Stil und nähert sich allmählich dem Funk an. Der erhoffte Erfolg stellt sich jedoch nicht sofort ein. Im folgenden Jahr legt Falco mit dem Album Falco 3 nach, das zweifellos ein Erfolg wird. Dieses Album lässt die Karriere des Sängers förmlich explodieren. Zwei Titel stechen besonders hervor: Rock me Amadeus und Jeanny. In Rock me Amadeus erzählt Falco das Leben eines extravaganten Mozarts, ein Rockstar vor seiner Zeit. In Jeanny schildert er die verhängnisvolle Begegnung zwischen einem jungen Mädchen und ihrem Entführer. Obwohl das Stück wegen des Vorwurfs der Ästhetisierung von Vergewaltigung und sexueller Gewalt kontrovers diskutiert wird, bleibt der Erfolg des Songs ungebrochen und erobert die deutschen Charts der meistgespielten Musik. Mit Falco 3 geht der Künstler auf Welttournee, die ihn auch in die USA und nach Japan führt. Der Erfolg ist zwar regelrecht berauschend, aber auch zermürbend: Der Künstler kommt völlig geschwächt von seiner Tournee zurück. Es ist schwer für ihn, neue Songs zu veröffentlichen. Die nächsten Alben, darunter Data de Groove (1990), sind kommerzielle Misserfolge. Falco fällt in eine Depression und beginnt, unter Alkoholsucht zu leiden.

 

1995 gelingt Falco ein Comeback mit Mutter, der Mann mit dem Koks ist da, einem Lied, das unter dem Pseudonym T>>MA erscheint. Der Song, eine Coverversion eines alten Berliner Kabarettliedes, handelt von Koks, d. h. Kohle, aber auch von Kokain. Der verruchte Titel sorgt für Aufsehen.

 

 

Zwischen New Wave und Neuer Deutsche Welle

Falcos Stil liegt an der Schnittstelle zwischen der aus Großbritannien und den USA importierten New Wave und der Neuen Deutschen Welle, aufgepeppt mit Synthesizern und Beats zwischen 80 und 120 bpm. Auch der Stil David Bowies ist bei Falco unverkennbar, der sich teilweise sehr explizit von der Berlin Trilogy des englischen Sängers inspirieren lässt (bis hin zum Instrumentalplagiat).
Ab 1995 arbeitet er dann an einem neuen Album. Bei seinem letzten musikalischen Projekt lässt sich Falco stark von Elektromusik inspirieren. Doch Anfang 1998 kommt der Künstler bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Er hatte gerade seinen 40. Geburtstag gefeiert. Out of the Dark (Into the Light) erschien zwei Wochen nach seinem Tod.

Die Stimme des österreichischen Sängers erklang alsbald, aus dem Abgrund zurückgekommen, auf allen Radiosendern und CD-Playern. Der Song Out of the Dark (Into the Light) hinterlässt, mit seinem rätselhaften Text von Falco und Torsten Börger, einen bleibenden Eindruck. Der Text ist von düsterer Schwärze und beschreibt das innere Leiden des Sängers:

Kein Weg zurück
Das weiße Licht kommt näher, Stück für Stück
Will mich ergeben
Muss ich denn sterben, um zu leben?
Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and you waste your tears to the night

Sollte man glauben, dass Falco mit dem Satz "Muss ich denn sterben, um zu leben" mit Selbstmordgedanken spielt? Es kann sein. Allerdings ist Falco nicht der einzige Autor dieses Textes. Er hatte sich in mehreren Interviews über dessen Bedeutung erklärt. Das Lied gibt den inneren Monolog eines Mannes wieder, der von seiner Frau verlassen wurde und der Versuchung der Drogen (Heroin oder Kokain, beide Vermutungen bleiben bestehen) nicht widerstehen kann. Wie auch immer, die Single und das Album waren ein emotionaler Erfolg. Dieses erste posthume Album hält sich drei Monate lang an der Spitze der Charts und verkauft sich in Deutschland und Österreich zwei Millionen Mal. In den Jahren nach seinem Tod erscheinen noch mehrere posthume Alben, so dass Falcos Aktualität bis in die 2010er Jahre erhalten bleibt.

Posthumer Kult

Dieser plötzliche und tragische Tod machte den Künstler zum Gegenstand einer regelrechten Verehrung. Sein Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof befindet sich neben dem von Schubert, Beethoven und Strauss. Es wird zu einer Pilgerstätte, die immer mit Blumen geschmückt ist. Er erscheint auf den 6-Schilling-Briefmarken (seit 1994), Wiener Straßen sind nach ihm benannt (Falcostiege; Falcogasse). Der Kult um Falco ist besonders eng mit der Stadt Wien verbunden. Die österreichische Hauptstadt trieft von Falcos Versen, die er in einer einzigartigen Sprache, dem "Manhattan-Schönbrunner-Deutsch“ sang. Es ist ein Mix aus Wiener Dialekt (Wiener Schmäh), Hochdeutsch und amerikanischem Englisch.

 

Diskografie:

Alben
1982: Einzelhaft
1984: Junge Roemer
1985: Falco 3
1986: Emotional
1988: Wiener Blut 
1990: Data de Groove
1992: Nachtflug
1998: Out of the Dark (Into the Light)
1999: Verdammt wir leben noch
2009: The Spirit Never Dies

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Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.

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