3 Fragen an unsere Teilnehmenden
Zwei Perspektiven, drei Fragen: Teilnehmende von Unternehmen – START geben Einblicke in ihre Projekte zwischen immersiver Kunst, Gaming und gesellschaftlichem Engagement. Entdecken Sie ihre Werdegänge, Visionen und die Rolle europäischer Zusammenarbeit für die Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Von Charlotte Baugé
3 Fragen an Rémi Large (Tamanoir Immersive Studio)
Könnten Sie sich vorstellen und uns von Ihrem Weg in die Selbstständigkeit und Ihrem Projekt als Unternehmer*in erzählen?
Seit acht Jahren produziere ich kollektive immersive Erlebnisse, die das Publikum dazu einladen, zu interagieren und gemeinsam Geschichten zu entwickeln. Mit meinem Unternehmen Tamanoir realisiere ich Projekte an der Schnittstelle zwischen neuen Technologien und darstellender Kunst.
Im Zentrum meiner Arbeit steht es, die Kreativität jeder einzelnen teilnehmenden Person zu fördern, indem sie aktiv mit eingebunden wird. Ich habe mit kulturellen Institutionen wie der Opéra national de Paris, dem 104, dem Centre des Monuments nationaux und der Bibliothèque nationale de France zusammengearbeitet, um deren Räume und Geschichte hervorzuheben und die Erfahrungen ihres Publikums neu zu gestalten.
Es war mir stets ein Anliegen, künstlerische Werke zu fördern, die eher berühren als blenden, die zur Entschleunigung statt zur Hypervernetzung anregen und die darauf abzielen, Verbindungen zwischen den Teilnehmenden zu schaffen, anstatt sie zu isolieren.
Warum haben Sie sich dazu entschieden, an Unternehmen - START teilzunehmen?
Ich habe mich dazu entschieden am Projekt Unternehmen - START teilzunehmen, da mein Unternehmen Tamanoir Immersive Studio in ein neues Kapitel eintritt. Nach vielen Jahren, die der Forschung und dem Experimentieren gewidmet waren, strukturiert sich das Projekt zunehmend rund um die Produktion und Verbreitung von immersivem Theater, mit dem Wunsch, ein breiteres Publikum zu erreichen und sich in langfristige Dynamiken einzuschreiben.
In diesem Kontext wird die Frage nach europäischen Partnerschaften zentral. Unternehmen - START bietet einen besonders passenden Rahmen, um diese Themen auf internationaler Ebene zu denken und dabei zugleich in den konkreten Realitäten des Kulturunternehmertums verankert zu bleiben.
Darüber hinaus ist Deutschland ein Land, mit dem ich bislang nur wenig zusammengearbeitet habe, obwohl ich überzeugt bin, dass es starke mögliche Resonanzen gibt: sowohl auf künstlerischer Ebene als auch im Hinblick auf Produktions- und Vertriebsmodelle. Das Programm stellt für mich eine wertvolle Gelegenheit dar, Dialoge zu eröffnen, Brücken zu schlagen und nachhaltige Kooperationen zwischen unseren Ökosystemen zu entwickeln.
Sie hatten bereits die Möglichkeit, von bestimmten Aktivitäten zu profitieren. Welchen Vorteil bringt Ihnen das?
Die Stärke des Programms Unternehmen - START liegt in der kollektiven Dynamik, die sich schnell zwischen den Preisträger*innen entwickelt hat. Wir konnten unsere Erfahrungen, Zweifel und Arbeitsmethoden teilen, und aus diesen Austauschen entstehen häufig gemeinsame Ideen oder sogar konkrete Kooperationen.
Auch die im Rahmen des Programms angebotenen Fachtreffen sind sehr wertvoll. Sie bereichern meine Reflexion über das Feld der immersiven Formate und eröffnen neue Perspektiven.
Unternehmen - START bietet einen vertrauensvollen Rahmen, um Abstand vom eigenen Projekt zu gewinnen und es aus einer neuen Perspektive zu betrachten, während man sich zugleich getragen fühlt. Ein Raum, der es ermöglicht, über die Weiterentwicklung der eigenen Tätigkeit nachzudenken und dabei mit anderen Praktiken und beruflichen Realitäten verbunden zu bleiben.
3 Fragen an Elena Wiener (Studio Zweisiedlerkrebs)
Könnten Sie sich vorstellen und uns von Ihrem Weg in die Selbstständigkeit und Ihrem Projekt als Unternehmer*in erzählen?
Ich bin Elena, eine Hälfte von Studio Zweisiedlerkrebs. Ich habe einen Hintergrund in Film- und Mediendesign sowie Kunstgeschichte, und meine Partnerin Josefine hat einen Hintergrund in Game Arts und Illustration. Bis vor einem Jahr waren wir beide entweder angestellt oder selbstständig tätig. Da wir größere Projekte gemeinsam umsetzen wollten, haben wir uns vor etwa einem Jahr zusammengeschlossen.
Wir entwickeln Impact Games und immersive Erlebnisse, durch die wir Wissen greifbar machen und Menschen miteinander verbinden. Unser Vorzeigeprojekt ist „Merkmal: Radikal!“, für das wir im letzten Jahr eine Förderung erhalten haben.
Dabei handelt es sich um ein kooperatives Multiplayer-Spiel für junge Menschen, das für Radikalisierungsstrategien in sozialen Medien sensibilisiert. Der Anstoß für das Projekt war der zunehmende Rechtsruck und insbesondere die Bundestagswahl in Deutschland, durch die wir uns als queere Personen bedroht fühlen.
Ausgehend von „Merkmal: Radikal!“ möchten wir außerdem eine Marke aufbauen, die über verschiedene Medien und Inhalte hinweg über Radikalisierung aufklärt und so einen Beitrag zum Erhalt der Demokratie leistet.
Warum haben Sie sich dazu entschieden, an Unternehmen - START teilzunehmen?
Radikalisierung, insbesondere über soziale Medien, ist ein globales Problem. Gerade aufgrund des Fokus von Unternehmen - START auf Frankreich und Europa sehen wir hier eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, um unser Projekt international weiterzuentwickeln. Aktuell ist es wichtig, starke Verbindungen zwischen pro-demokratischen Akteur*innen zu schaffen und gemeinsam an einer solidarischen Gesellschaft zu arbeiten.
Sie hatten bereits die Möglichkeit, von bestimmten Aktivitäten zu profitieren. Welchen Vorteil bringt Ihnen das?
Einerseits habe ich bereits tiefe Einblicke in verschiedene Branchen und Märkte gewonnen. Gerade wenn wir weitere Projekte entwickeln, hilft es, im Vorfeld zu wissen, wo Hürden und Herausforderungen liegen, um neue Vorhaben gezielt auszuarbeiten.
Der Austausch mit den anderen Teilnehmenden ist ebenfalls sehr bereichernd. Wir befinden uns in ähnlichen Entwicklungsphasen und können von den Erfahrungen der anderen profitieren. Außerdem habe ich bereits viele Menschen aus unterschiedlichen Branchen kennengelernt, bei denen ich mir gut vorstellen kann, dass wir in Zukunft noch einmal zusammenkommen.