Volker Weiss

Als ich 1988 meine Stelle als IPR in Lyon antrat

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Volker Weiss


Als ich 1988 meine Stelle als IPR (Inspecteur pédagogique régional) in Lyon antrat, galt einer meiner ersten Besuche natürlich dem Goethe-Institut, hatte ich doch bereits vorher viele Jahre lang mit dem Pariser Institut permanente, enge und freundschaftliche Kooperation gepflegt. Entgegen meiner Erwartung war die Kontaktaufnahme in Lyon jedoch anfänglich nicht so selbstverständlich, wie ich erwartet hatte. Woran mochte das liegen? An meiner Funktion? Hatte es in der Vergangenheit Unstimmigkeiten gegeben? Konnte es sein, dass die damals bestehenden unterschiedlichen Ansätze des Fremdsprachenunterrichts Spannungen erzeugt hatten? In der Tat lag damals in den französischen Lehrplänen der Akzent eher auf dem globalen Erlernen der Sprache und von gewissen Seiten wurde der kommunikative Ansatz noch nicht akzeptiert. Befürchtete man eine Einmischung in die französische Fremdsprachendidaktik? Empfindlichkeiten schienen gereizt worden zu sein.

Es galt also eine Basis für eine dynamische Kooperation zu legen. Sehr rasch entwickelte sich eine fruchtbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kollegen der Pädagogischen Verbindungsarbeit (PV), vor allem mit deren damaligem Leiter Jochen Neuberger und mit dessen Nachfolgern, insbesondere mit Andrea Schäfer. Alljährlich leisteten die PV-Kollegen ideenreiche und innovative, gemeinsam abgesprochene Beiträge zum Plan académique de formation (PAF). Natürlich musste den geltenden Richtlinien Genüge getan werden. Aber nach und nach kam der Kommunikationsfertigkeit auch in den französischen Lehrplänen der gebührende Platz zu. Höhepunkte waren immer wieder die von der PV so großzügig organisierten und bei den französischen Kollegen beliebten Deutschlehrertage, oft im Fort de Vaise. All dies waren Beweise für die damals entstandene hervorragende Kooperation zwischen der PV und der Académie de Lyon.

Förderlich war dieser Zusammenarbeit auch die Freundschaft mit dem zeitgleich in Lyon angekommenen und mir schon aus Pariser Zeiten bekannten Institutsleiter Bernhard Beutler (1988-1995); letzteres traf auch für dessen Nachfolger Dietrich Sturm (1995-2004) zu.

Manchen mochten diese engen und vertrauensvollen Kontakten als zu eng erscheinen… hielt man mich doch gelegentlich sogar für einen "Goethe-Mitarbeiter". Diese Verwechslung war für mich fast der Beweis für die Effizienz unseres Zusammenwirkens; wir verfolgten dieselben Ziele: die Förderung und Optimierung des Deutschunterrichts; sowie natürlich ganz besonders die Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft.

Dankbar denke ich an diese Jahre der gemeinsamen Arbeit zurück. Möge das Goethe-Institut in Lyon noch lange in diesem Sinne erfolgreich wirken und expandieren.

Volker Weiss
 
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