TROIS FILMS DE LA DEFA À CANNES
Filmfestival
-
Cannes
Nach dem Auftakt des Festival du Cinéma Allemand in Cannes im Juni, freuen wir uns Ihnen den Programmzyklus "TROIS FILMS DE LA DEFA À CANNES", oganisiert vom Verein Ciné Croisette und dem Institut français Thüringen - mit UNterstützung der Defa-Stiftung anzukündigen.
Zwischen 1949 und 1990 war Deutschland geteilt: Neben der Bundesrepublik Deutschland (BRD) als Bestandteil der "Freien Welt" existierte die Deutsche Demokratische Republik (DDR) unter sowjetischem Einfluss als Bestandteil des damaligen "kommunistischen Ostblocks". In der DDR besaß die 1946 gegründete Deutsche Film-AG (DEFA) das Monopol auf die Herstellung von Kinofilmen. DEFA-Filme in Deutschland werden vor allem im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Wahrnehmung der Kultur und Geschichte der DDR rezipiert.
Erstaunlicherweise beschränkt sich das Interesse an den DEFA-Filmen vornehmlich im Ausland nicht nur auf Aspekte der sich in den Filmen spiegelnden DDR-Geschichte, sondern grundsätzlich auch auf die Ästhetik der Filme und ihre Relevanz für gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen in den jeweiligen Ländern.
Für die kleine DEFA-Filmreihe am 10./11.09.2022 in Cannes wurden Filme ausgesucht, die sich aus unterschiedlicher Perspektive gesellschaftlichen Umbrüchen zuwenden. Dabei werden dem Kinopublikum Individuen präsentiert, die zu verschiedenen historischen Zeitpunkten (1918, 1961, 1980/1945) in gesellschaftliche, aber auch persönliche Veränderungsprozesse „geworfen“ sind und subjektiv entscheiden müssen, ob sie sich einrichten und arrangieren, sie gestalten und verändern oder sie überwinden und sich neu orientieren wollen.
Im November 2019 haben wir ein erstes kleines Festival mit Defa-Filmen vorgestellt. Für dieses zweite Festival wenden wir uns drei wichtigen historischen Augenblicken zu: dem Ende des Ersten Weltkriegs, der problematischen Eingliederung von Flüchtlingen aus dem Osten in die ostdeutsche Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Bau der Berliner Mauer.
Am Beginn der Reihe steht ein Meisterwerk der Defa, bei dem Konrad Wolf, vielleicht der berühmteste Regisseur der DDR, Regie geführt hat, das Drehbuch hat einen Roman von Christa Wolf als Vorlage, der sich mit dem Thema der Spaltung Deutschlands beschäftigt und die Namen der Schauspieler sind eine Auflistung der berühmtesten Namen der Defa-Filmgeschichte.
DAS PROGRAMM
Samstag 10. September 2022, 10:30 Uhr Olympia Cannes
DER GETEILTE HIMMEL (1964) von Konrad Wolf erzählt die unmittelbar vor dem Mauerbau 1961 angesiedelte Liebesgeschichte der 19jährigen Rita, die kurz vor ihrem Lehramtsstudium steht, und dem zehn Jahre älteren Manfred, der gerade promoviert hat. Während sich Rita hoffnungsfroh in ihrem jungen Leben einrichtet, vor ihrem Studium eine praktische Arbeit in einem Waggonwerk beginnt, leidet Manfred unter der Enge und Beschränktheit in der DDR. Enttäuscht und frustriert kommt er von einer Tagung in Westberlin nicht mehr zurück. Rita soll sich zwischen einem Leben mit Manfred oder einem Leben in der DDR aber ohne ihn entscheiden. Wenig später teilt die Mauer den Himmel und das Liebespaar auf unabsehbare Zeit endgültig. DER GETEILTE HIMMEL bringt einen fragilen historischen Moment auf die Leinwand. Hier blickt die noch junge DDR im Kino frei und unideologisch auf sich selbst. Und die Figuren sprechen Wahrheiten aus, die so offen bald nicht mehr formuliert werden konnten.
Samstag, 10. September 2022, 15 Uhr Le Cannet
JADUP UND BOEL (1980) von Rainer Simon, gilt als DDR-Gegenwartsfilm, der sich aber nicht nur mit den Unzulänglichkeiten der DDR um 1980 auseinandersetzt, sondern genauso zeigt, wie Unaufgearbeitetes aus der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit das gesellschaftliche Leben in der DDR beeinflusst. Jadup, langjähriger Bürgermeister der Kleinstadt Wickenhausen in der Altmark, will gerade eine neue Kaufhalle einweihen, als nebenan ein altes Haus zusammenstürzt. Dort findet Jadup eine Ausgabe von Friedrich Engels’ „Der Aufbau des Sozialismus“, das er einst mit Widmung dem Mädchen Boel geschenkte hatte, die gegen Kriegsende mit ihrer Mutter als Geflüchtete aus dem Osten in das Städtchen gekommen war. Boel, der sich Jadup damals angenähert hatte, war wenig später unter mysteriösen Umständen aus Wickenhausen verschwunden, es hieß, vorher sei sie vergewaltigt worden. Jadup versucht nun, das lange Verdrängte aufzuarbeiten. Der unter Stasi-Observation entstandene Film wurde noch vor seinem 1981 geplanten Kinostart verboten. 1988 durfte er dann mit wenigen Kopien in ausgewählten DDR-Filmkunstkinos gezeigt werde.
Sonntag, 11. September 2022, 10:30 Uhr Olympia Cannes
DIE FRAU UND DER FREMDE (1985) von Regisseur Rainer Simon, der 2021 von der DEFA-Stiftung den Preis für sein Lebenswerk erhielt, war der einzige DEFA-Film, der je den Goldenen Bären auf der Berlinale gewann. Er erzählt die Geschichte von Richard, Anna und Karl, die sich unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in einer bizarren Situation wiederfinden: Richard und Karl waren Soldaten an der Ostfront und sind in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Dort erzählt Karl Richard von seiner Liebe zu seiner Ehefrau Anna, dabei spart er auch intimste Details nicht aus. Richard gelingt die Flucht. Während Karl die Gefangenschaft bis zum Schluss durchstehen muss, überwindet Richard Tausende von Kilometern, sucht Anna in ihrem und Karls Zuhause auf und gibt sich dort als Karl aus. Obwohl Anna den Betrug erkennt, lebt sie mit Richard wie Frau und Mann, beide bekommen ein Kind. Die Situation eskaliert, als auch Karl nach Hause kommt… Neben mehr oder weniger versteckten kritischen Bezügen zur DDR-Wirklichkeit sendet der Film vor allem eine pazifistische Botschaft in der Hochrüstungsphase Anfang der 1980er, auch ein Politikum in der sich immer mehr militarisierenden DDR-Gesellschaft.
Auf Einladung von Ciné Croisette stellen Wieland Koch (Defa-Stiftung) und Franka Günther (Institut français Thüringen) die Filme vor.
Alle Filme OmU, mit freundlicher Genehmigung des Goethe-Instituts.
Zwischen 1949 und 1990 war Deutschland geteilt: Neben der Bundesrepublik Deutschland (BRD) als Bestandteil der "Freien Welt" existierte die Deutsche Demokratische Republik (DDR) unter sowjetischem Einfluss als Bestandteil des damaligen "kommunistischen Ostblocks". In der DDR besaß die 1946 gegründete Deutsche Film-AG (DEFA) das Monopol auf die Herstellung von Kinofilmen. DEFA-Filme in Deutschland werden vor allem im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Wahrnehmung der Kultur und Geschichte der DDR rezipiert.
Erstaunlicherweise beschränkt sich das Interesse an den DEFA-Filmen vornehmlich im Ausland nicht nur auf Aspekte der sich in den Filmen spiegelnden DDR-Geschichte, sondern grundsätzlich auch auf die Ästhetik der Filme und ihre Relevanz für gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen in den jeweiligen Ländern.
Für die kleine DEFA-Filmreihe am 10./11.09.2022 in Cannes wurden Filme ausgesucht, die sich aus unterschiedlicher Perspektive gesellschaftlichen Umbrüchen zuwenden. Dabei werden dem Kinopublikum Individuen präsentiert, die zu verschiedenen historischen Zeitpunkten (1918, 1961, 1980/1945) in gesellschaftliche, aber auch persönliche Veränderungsprozesse „geworfen“ sind und subjektiv entscheiden müssen, ob sie sich einrichten und arrangieren, sie gestalten und verändern oder sie überwinden und sich neu orientieren wollen.
Im November 2019 haben wir ein erstes kleines Festival mit Defa-Filmen vorgestellt. Für dieses zweite Festival wenden wir uns drei wichtigen historischen Augenblicken zu: dem Ende des Ersten Weltkriegs, der problematischen Eingliederung von Flüchtlingen aus dem Osten in die ostdeutsche Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Bau der Berliner Mauer.
Am Beginn der Reihe steht ein Meisterwerk der Defa, bei dem Konrad Wolf, vielleicht der berühmteste Regisseur der DDR, Regie geführt hat, das Drehbuch hat einen Roman von Christa Wolf als Vorlage, der sich mit dem Thema der Spaltung Deutschlands beschäftigt und die Namen der Schauspieler sind eine Auflistung der berühmtesten Namen der Defa-Filmgeschichte.
DAS PROGRAMM
Samstag 10. September 2022, 10:30 Uhr Olympia Cannes
DER GETEILTE HIMMEL (1964) von Konrad Wolf erzählt die unmittelbar vor dem Mauerbau 1961 angesiedelte Liebesgeschichte der 19jährigen Rita, die kurz vor ihrem Lehramtsstudium steht, und dem zehn Jahre älteren Manfred, der gerade promoviert hat. Während sich Rita hoffnungsfroh in ihrem jungen Leben einrichtet, vor ihrem Studium eine praktische Arbeit in einem Waggonwerk beginnt, leidet Manfred unter der Enge und Beschränktheit in der DDR. Enttäuscht und frustriert kommt er von einer Tagung in Westberlin nicht mehr zurück. Rita soll sich zwischen einem Leben mit Manfred oder einem Leben in der DDR aber ohne ihn entscheiden. Wenig später teilt die Mauer den Himmel und das Liebespaar auf unabsehbare Zeit endgültig. DER GETEILTE HIMMEL bringt einen fragilen historischen Moment auf die Leinwand. Hier blickt die noch junge DDR im Kino frei und unideologisch auf sich selbst. Und die Figuren sprechen Wahrheiten aus, die so offen bald nicht mehr formuliert werden konnten.
Samstag, 10. September 2022, 15 Uhr Le Cannet
JADUP UND BOEL (1980) von Rainer Simon, gilt als DDR-Gegenwartsfilm, der sich aber nicht nur mit den Unzulänglichkeiten der DDR um 1980 auseinandersetzt, sondern genauso zeigt, wie Unaufgearbeitetes aus der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit das gesellschaftliche Leben in der DDR beeinflusst. Jadup, langjähriger Bürgermeister der Kleinstadt Wickenhausen in der Altmark, will gerade eine neue Kaufhalle einweihen, als nebenan ein altes Haus zusammenstürzt. Dort findet Jadup eine Ausgabe von Friedrich Engels’ „Der Aufbau des Sozialismus“, das er einst mit Widmung dem Mädchen Boel geschenkte hatte, die gegen Kriegsende mit ihrer Mutter als Geflüchtete aus dem Osten in das Städtchen gekommen war. Boel, der sich Jadup damals angenähert hatte, war wenig später unter mysteriösen Umständen aus Wickenhausen verschwunden, es hieß, vorher sei sie vergewaltigt worden. Jadup versucht nun, das lange Verdrängte aufzuarbeiten. Der unter Stasi-Observation entstandene Film wurde noch vor seinem 1981 geplanten Kinostart verboten. 1988 durfte er dann mit wenigen Kopien in ausgewählten DDR-Filmkunstkinos gezeigt werde.
Sonntag, 11. September 2022, 10:30 Uhr Olympia Cannes
DIE FRAU UND DER FREMDE (1985) von Regisseur Rainer Simon, der 2021 von der DEFA-Stiftung den Preis für sein Lebenswerk erhielt, war der einzige DEFA-Film, der je den Goldenen Bären auf der Berlinale gewann. Er erzählt die Geschichte von Richard, Anna und Karl, die sich unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in einer bizarren Situation wiederfinden: Richard und Karl waren Soldaten an der Ostfront und sind in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Dort erzählt Karl Richard von seiner Liebe zu seiner Ehefrau Anna, dabei spart er auch intimste Details nicht aus. Richard gelingt die Flucht. Während Karl die Gefangenschaft bis zum Schluss durchstehen muss, überwindet Richard Tausende von Kilometern, sucht Anna in ihrem und Karls Zuhause auf und gibt sich dort als Karl aus. Obwohl Anna den Betrug erkennt, lebt sie mit Richard wie Frau und Mann, beide bekommen ein Kind. Die Situation eskaliert, als auch Karl nach Hause kommt… Neben mehr oder weniger versteckten kritischen Bezügen zur DDR-Wirklichkeit sendet der Film vor allem eine pazifistische Botschaft in der Hochrüstungsphase Anfang der 1980er, auch ein Politikum in der sich immer mehr militarisierenden DDR-Gesellschaft.
Auf Einladung von Ciné Croisette stellen Wieland Koch (Defa-Stiftung) und Franka Günther (Institut français Thüringen) die Filme vor.
Alle Filme OmU, mit freundlicher Genehmigung des Goethe-Instituts.
Ort
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