Ausstellung Harun Farocki - Empathie

Harun Farocki © Harun Farocki Foundation

Fr, 24.11.2017 -
So, 18.03.2018

Friche la Belle de Mai

Rue Jobin 41
13003 Marseille

Monografische Videoausstellung

Die Friche la Belle de Mai und das Goethe-Institut schließen sich zusammen, um die grundlegenden Werke des deutschen Filmemachers Harun Farocki zu zeigen. 

Eine große Ausstellung und zahlreiche Veranstaltungen rund um den Begriff der Arbeit, welcher auch vom Künstler häufig in seinen Werken aufgegriffen wurde, werden in Marseille zu sehen sein. Das Verhältnis zur Arbeit, das Bild von Arbeit, Entmenschlichung der Arbeit und neue Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt werden diskutiert und in der  Veranstaltungsreihe von Ende November 2017 bis Anfang März 2018 in Marseille erfahr- und sichtbar gemacht.

Erstmalig in Frankreich, zeigt diese Ausstellung Arbeitsprozesse in traditionellen und industrialisierten Gesellschaften in verschiedenen Epochen. Der deutsche Filmemacher Harun Farocki und die Kuratorin, Autorin und Künstlerin Antje Ehmann haben von 2011 bis 2014 das Projekt Eine Einstellung zur Arbeit / Labor in a single shot geleitet, aus dem eine Serie an sehr kurzen Filmen hervorging, die in 15 unterschiedlichen Städten gedreht wurde. In einer monumentalen Installation werden die Filme auf 9 Bildschirme projiziert und zeigen verschiedene Facetten der Arbeit auf der ganzen Welt. Jeder dieser ein- bis zweiminütigen Filme wurde infolge eines Workshops in Bangalore, Berlin, Boston, Buenos Aires, Kairo, Johannesburg, Lissabon, Lodz, Hangzhou, Genf, Hanoi, Moskau, Rio de Janeiro, Tel Aviv und Mexiko gedreht. Jeder handelt von Arbeit, wie sie vor Ort zu finden ist: bezahlt oder unbezahlt, materiell oder immateriell, traditionell oder vollkommen modern, sichtbar und unsichtbar. Dieses Projekt hinterfragt nicht nur die Arbeit als solche, sondern auch das filmische Schaffen und das Bild. Die Ausstellung zeigt auch frühere Werke des Künstlers, darunter den Film Workers leaving the factory, ein Essay-Dokumentarfilm über das vorausgesehene Verschwinden industrieller Arbeit.

Harun Farocki

Gestorben 2014, hinterlässt Harun Farocki über 90 Experimentalfilme, die die moderne Welt und ihre Funktionsweisen erkunden. Farocki benutzte gleichermaßen Dokumentarfilme und Archivaufnahmen, gefundene Bilder, Videoüberwachungsbilder, Fotografie und Ton. Ausstellungen im MoMA in New York, im Tate Modern in London oder im Jeu de Paume in Paris - sein Werk rüttelt auf und gibt zu denken: Es hinterfragt, immer engagiert, Sprache und Bild und zerlegt stur ihre Rhetorik.
„Man muss gegenüber Bildern genauso misstrauisch sein wie gegenüber Wörtern. […] Ich will mich auf die Suche nach dem verborgenen Sinn machen und die Überreste entfernen, die die Bilder versperren.“ Farocki änderte beständig seine Schaffensformen, vom einfachen Dokumentarfilm bis hin zu komplexen und multiplen Installationen, wie man sie auch in der Ausstellung sehen wird. Durch und durch engagierter Künstler, oszilliert sein komplexer Stil zwischen Fiktion und Dokumentation und kreist wiederholt um die Frage nach der sozialen Institution – und damit auch um Arbeit. In seinem Werk findet sich eine Kritik an der Verdrängung der Arbeiter durch Maschinen. Dokumentationen der Arbeits- und Arbeiterwelt, riesige Installationen, sowie Archiv- und Dokumentarfilme – hier findet sich die Essenz des künstlerischen und menschlichen Engagements Farockis.

Die Ausstellung in Marseille ist eine Koproduktion von Harun Farocki Filmproduktion mit dem Goethe-Institut und der Friche la Belle de Mai.

 

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