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Frankreich Nancy

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18:30 Uhr

Demokratie im Umbruch. Neu- und Umdeutungen im 20. Jahrhundert

Vortrag|Mit Prof. Dr. Heidrun Kämper, Übersetzung von Cornelia Geiser

Heidrun Kämper mit verschlossenen Armen © Heidrun Kämper

Prof. Dr. Heidrun Kämper mit verschlossenen Armen © Heidrun Kämper

Die sprachliche Umbruchgeschichte des 20. Jahrhunderts ist auch eine Geschichte der sprachlichen Demokratisierung, genauer: der Entwicklung von in weitestem Sinn demokratiebezogenen Wortschätzen, Konzepten und Kommunikationsformen, sowie der entsprechenden semantischen und kommunikativen Kontroversen. Der Beitrag rekonstruiert diese Geschichte und fokussiert dabei insbesondere den Aspekt der ethischen Grundlegung von Demokratie im 20. Jahrhundert.

Dazu werden u.a. die Kodierungen der Grundrechte in der Weimarer Reichsverfassung und im Grundgesetz verglichen. Mit dieser Perspektive wird dann ein Bezug zur Gegenwart hergestellt, insbesondere zum rechten politischen Diskurs und der dort ausgedrückten Haltung zu den in der Verfassung definierten und als Festlegung politischen und gesellschaftlichen Handelns festgelegten Grund- und Menschenrechten. Gewalt in der Sprache wird dabei eine besondere Rolle spielen. Damit und mit einem Plädoyer für die Würde der Sprache stellt der Beitrag auch einen Bezug zur gesellschaftlichen Aufgabe der Linguistik in der Demokratie dar.


Die Linguistin und Politologin Prof. Dr. Heidrun Kämper ist Professorin an der Universität Mannheim und Forscherin am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS), wo sie den Forschungsbereich zu den sprachlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts leitet. Sie ist ausgewiesene Expertin für politische Sprache und Krisendiskurse und hat unter anderem zu Nachkriegsvokabular, den Diskursen der 1967/68er-Bewegungen sowie zum Sprachgebrauch während des Nationalsozialismus geforscht.

Als Autorin zahlreicher Publikationen, darunter Die Sprache der Rechten. Wie sie reden und was sie sagen (2024), analysiert sie, wie Sprache gesellschaftliche Umbrüche begleitet, reflektiert und mitgestaltet.

Ihr Beitrag im Rahmen des Vortragszyklus Sprache – Demokratie – Gesellschaft bietet einen historischen und kritischen Blick auf die engen Verbindungen zwischen politischem Diskurs, kollektiver Erinnerung und gesellschaftlicher Entwicklung.

Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit der MSH Lorraine