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Frankreich Paris

Veranstaltungsreihe

Vom 27.5. bis 23.6.2026

Retrospektive Rosa von Praunheim

Pionier des queeren Kinos in Deutschland

Auf dem Schwarz-Weiß-Foto sind vier Personen vor einem schlichten Hintergrund arrangiert, wobei das weiche Licht ihre Gesichtszüge klar hervorhebt. Die Gruppe wirkt bewusst inszeniert, mit individuellen, stilvollen Kleidern und ausdrucksstarken Posen, während eine Person einen kleinen Hund liebevoll festhält. © Goethe-Institut

Auf dem Schwarz-Weiß-Foto sind vier Personen vor einem schlichten Hintergrund arrangiert, wobei das weiche Licht ihre Gesichtszüge klar hervorhebt. Die Gruppe wirkt bewusst inszeniert, mit individuellen, stilvollen Kleidern und ausdrucksstarken Posen, während eine Person einen kleinen Hund liebevoll festhält. © Goethe-Institut

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt. Mit diesem wegweisenden Titel von 1971 etablierte sich Rosa von Praunheim (geboren 1942 in Riga, gestorben 2025 in Berlin) als Wegbereiter der Schwulenbewegung in Deutschland und betrat als Autorenfilmer die internationale Bühne. Sein Künstlername besteht aus dem feminin anmutenden Rosa – in Anlehnung an den Rosa Winkel, den queere Menschen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten tragen mussten, während Praunheim den Frankfurter Stadtteil bezeichnet, in dem er seine Kindheit und Jugend verbrachte.

Neben anderen queeren Stimmen des Neuen Deutschen Kinos – darunter Ulrike Ottinger, Monika Treut, Elfi Mikesch, Werner Schroeter und Rainer Werner Fassbinder – sticht Rosa von Praunheim mit seinem Anspruch auf ein revolutionäres Kino besonders heraus. Die Ästhetik seiner Filme, von denen viele Kultstatus erlangten, arbeitet bewusst mit Elementen des Camp, des „schlechten Geschmacks“ und des Kitsches und versteht sich als radikaler Gegenentwurf zur westdeutschen bürgerlichen Nachkriegsgesellschaft. Thematisch tritt sein langes künstlerisches Schaffen für die Rechte von LGBTQI+-Personen ein (u.a. Transexual Menace, Stadt der verlorenen Seelen) und beharrt auf einem humanistischen Menschenbild, das insbesondere auch zärtliche Porträts von selbstbestimmten Frauen und marginalisierten Personen und Lebenswegen zeichnet (Anita – Tänze des Lasters, Härte). In den 1980er-Jahren dokumentiert Rosa von Praunheim u.a. den Kampf der New Yorker Szene gegen HIV/AIDS (Aids-Trilogie). In diesem historischen Kontext wird seine provokante Geste des öffentlichen Outens prominenter Schwuler in einer deutschen TV-Talkshow zum Eklat.
 
In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung Paris

Ende 2025 friedlich verstorben, hinterlässt Rosa von Praunheim eine trauernde (Film-)Community – darunter die von ihm während seiner Zeit als Professor an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf betreuten Filmschaffenden Julia von Heinz, Chris Kraus, Axel Ranisch, Robert Thalheim und Tom Tykwer – und ein umfassendes Werk von über 150 langen und kurzen Spiel- und Dokumentarfilmen, dessen letzter, selbstreferentieller Titel Satanische Sau erst 2025 auf der Berlinale Premiere feierte.

2026 gibt es Anlass für die Goethe-Institute in Frankreich, eine Auswahl von Rosa von Praunheims unangepassten Filmen mit neuen französischen Untertitelungen wieder zur Aufführung zu bringen. Das Goethe-Institut Paris präsentiert im Rahmen des Pride-Months vier Titel im Mai und Juni 2026.

Den Auftakt der Reihe bildet am 27.5. das postmodern anmutende Biopic Der Einstein des Sex, das das Leben und Wirken von Magnus Hirschfeld, dem Begründer des Instituts für Sexualwissenschaft, erzählt.

Die intensive Recherche zu seiner Herkunft als Adoptivkind dokumentiert Rosa von Praunheim in dem überaus persönlichen Film Meine Mütter – Spurensuche in Riga (2007). Vorführung am 28.5.

Am 10.6. zeigt das Kino La Clef in Kooperation mit dem Goethe-Institut Paris Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.

Am 22. und 23.6. lädt das Goethe-Institut zu Freiluft-Screenings im Hof ein. Gezeigt werden der Kultfilm und das Langfilmdebüt Die Bettwurst über Liebe und Zusammenleben vor dunkler Vergangenheit des ungleichen Paares Dietmar Kracht und Luzi Kriedl, sowie das Großstadt-Porträt von drei ausgewanderten Lebenskünstlerinnen in Überleben in New York.
In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung Paris



 

Veranstaltungen

  • Die Bettwurst

    Film | von Rosa von Praunheim

    • Goethe-Institut Paris, Paris

    • auf Deutsch mit französischen Untertiteln

  • Überleben in New York

    Film | von Rosa von Praunheim

    • Goethe-Institut Paris, Paris

    • auf Deutsch mit französischen Untertiteln