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18:30–21:00 Uhr

Stolz und Eigensinn

Film|von Gerd Kroske

  • Goethe-Institut Paris, Paris

  • Sprache auf Deutsch mit französischen Untertiteln
  • Preis 5 € pro Vorstellung, Kombiticket für zwei Vorstellungen: 7 €
  • Teil der Reihe: Arbeit und weibliche Identität in der DDR

Eine Frau sitzt auf einem Sessel in einem Wohnzimmer. Stolz hält sie ein Paar Kinderschuhe in die Kamera. Der Blick geht an der Kamera vorbei, zum Filmemacher © Salzgeber Filmverleih

Eine Frau sitzt auf einem Sessel in einem Wohnzimmer. Stolz hält sie ein Paar Kinderschuhe in die Kamera. Der Blick geht an der Kamera vorbei, zum Filmemacher © Salzgeber Filmverleih

Ein Film von Gerd Kroske, Deutschland 2025, 113 Min., auf Deutsch mit frz. UT

Um die Wahrnehmung der eigenen Arbeit ostdeutscher Frauen und ihrer Rolle in der DDR-Arbeitswelt erfahrbar zu machen, verbindet der Film zwei Momente einer gemeinsamen Geschichte, manchmal sogar im selben Bild, mit einer geschickten Nutzung des Split-Screens: Auf der einen Seite Aufnahmen, die Anfang der 1990er Jahre von Kanal X, dem einzigen Piratensender der DDR, gemacht wurden. Darin sind verschiedene Arbeiterinnen in ihrem alltäglichen Arbeitsumfeld zu sehen. Auf der anderen Seite heute geführte Gespräche mit denselben Frauen, die Gerd Kroske viele Jahre später wieder gefunden hat. Die Montage kreuzt die verschiedenen Lebenswege und erzählt so von einer gemeinsamen Epoche und den Umwälzungen nach dem Ender der DDR.

In den Archivaufnahmen berichten die Arbeiterinnen von dem Stolz, den sie empfanden, ihren Beruf zu beherrschen, aber auch von der Energie, die sie aufbringen mussten, um sich in einer sehr männlich geprägten Umgebung durchzusetzen und der Ungewissheit im vereinigten Deutschland.
Die heutigen Interviews reflektieren diese Erinnerungen mit mehr Abstand, aber ebenso viel Stolz. Die Frauen berichten, was sie in der DDR erreicht hatten – Anerkennung, Stabilität, manchmal echte Autonomie – und wie viele dieser Errungenschaften nach dem Fall der Mauer wegbrachen: das Verschwinden von Arbeitsplätzen, die Abwertung von Qualifikationen, die Rückkehr zu rigideren Geschlechterverhältnissen bis hin zur Infragestellung ihrer Arbeit durch die junge Generation im Rahmen des Klimawandels.
Indem diese beiden Epochen miteinander in Dialog treten, bietet Stolz und Eigensinn eine konkrete, fast intime Reflexion darüber, was es bedeutete, als Frau in der DDR und später im vereinigten Deutschland zu arbeiten. Der Film gibt Stimmen Raum, die zwischen dem Stolz auf die eigene, geleistete Arbeit und als Frau zur Gleichstellung beigetragen zu haben, und Enttäuschung über deren Entwertung schwanken.

Gerd Kroske (geb. 1958) ist ein deutscher Dokumentarfilmer, Autor und Produzent, dessen Arbeiten sich mit Menschen und Orten beschäftigen, die sonst am Rande der Gesellschaft verblieben wären. Ausgebildet an der Filmakademie Potsdam-Babelsberg, begann er seine Karriere bei der DEFA, bevor er nach der Wiedervereinigung einen sehr persönlichen Weg einschlug. Seine international ausgezeichneten Filme befassen sich regelmäßig mit der Erinnerung an das Leben in der DDR, den Spuren der Übergangszeit und den unauffälligen Geschichten derjenigen, die diese Veränderungen durchlebt haben. Bei ihm sind es oft „gewöhnliche“ Biographien, das alltägliche Leben, die kollektive Geschichte offen legen.

Vorführung in Anwesenheit des Regisseurs
Programm zusammengestellt von Studierenden der Sorbonne Nouvelle