Online-Gespräch Michel Wieviorka

Porträt von Michel Wieviorka © EHESS

Do, 18.03.2021

Online

Pour une démocratie de combat

Der Niedergang von Volksparteien und politischen Systemen, das Misstrauen gegenüber politischen Mächten, der Anstieg von Populismus, Nationalismus und politischer Gewalt, der Einfluss von Fake News… die Fragilität unserer heutigen Demokratie lässt sich nicht leugnen. Wie können wir angesichts der Bedrohung von Extremismus, Autoritarismus, Rassismus, Antisemitismus und Terrorismus dieses gemeinsame, für selbstverständlich gehaltene Gut verteidigen? Michel Wieviorka analysiert die Bedrohungen der Demokratie und hinterfragt die Rolle der Human- und Sozialwissenschaften. Er fordert, Vernunft, geschichtliche Erkenntnisse, soziologische Vorstellungskraft und kritisches Denken vermehrt und erneut in den Dienst des demokratischen Ideals zu stellen.
 
Pour une démocratie de combat (Robert Laffont, 2020) (Für eine kämpferische Demokratie) ist ein in Zeiten des Verlustes von Bezugspunkten, der Wut und der Enttäuschung dringend benötigtes Pionierwerk. Es verbindet einen bürgerorientierten Ansatz, anspruchsvolle Theorien und konkrete Wege im Sinne einer lebendigen und aktiven Demokratie.
 
Die Referent*innen:
 
Der Soziologe Michel Wieviorka ist promovierter Geisteswissenschaftler, Direktor der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (EHESS), und Vorstandsvorsitzender der Fondation de la Maison des Sciences de l'Homme (FMSH). Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Konflikt-, Terrorismus- und Gewaltforschung. Als Demokratieforscher beschäftigt er sich außerdem mit Phänomenen wie Rassismus, Antisemitismus, gesellschaftlichen Bewegungen und kulturellen Differenzen. Nachdem er Chefredakteur der Reihe „Voix et Regards“ (Editions Balland) war, ist er nun für die Reihe  „Le monde comme il va“ (Robert Laffont) zuständig. Gemeinsam mit Julien Ténédos gibt er außerdem „Interventions“ im Verlag Editions de la Maison des sciences de l'homme (MSH) heraus.

Axel Honneth ist Sozialphilosoph. Von 2001 bis 2018 war Honneth Direktor des renommierten Instituts für Sozialforschung (IfS) an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er lehrt und forscht seit 2011 an der Columbia University in New York. Honneth studierte Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn und Bochum. Seine wissenschaftliche Karriere führte ihn an die Freie Universität Berlin, an das Münchner Max-Planck-Institut sowie an die Universität Frankfurt am Main, wo er sich bei Jürgen Habermas habilitierte. Unter dem Stichwort „Pathologien der Vernunft“ strebt Honneth die Vergegenwärtigung und Weiterentwicklung einer kritischen Gesellschaftstheorie im Sinne der Frankfurter Schule an, die er in Kampf um Anerkennung (Suhrkamp, 1992) zu Papier brachte.

Barbara Carnevali ist eine ehemalige Studentin der Scuola Normale Superiore di Pisa (Italien). Sie studierte in den USA und Frankreich, bevor sie an die EHESS Paris als Mitglied des CESPRA (Forschungszentrum für politische und soziologische Forschung) gewählt wurde. Sie war Fulbright Foundation Fellow an der University of Chicago, dem Institut d'Études Avancées de Paris und der Italian Academy for Advanced Studies an der Columbia University, New York. Sie ist Co-Redakteurin des European Journal of Philosophy und wissenschaftliche Leiterin des italienischen Philosophie-Festivals. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der sozialen Ästhetik, d.h. dem ursprünglichen Ansatz, der in der Ästhetik eine konstitutive Dimension der menschlichen Gesellschaft sieht. Sie publizierte namentlich Romantisme et reconnaissance. Figures de la conscience chez Rousseau (Romantik und Anerkennung. Figuren des Bewusstseins bei Rousseau) und Social Appearances. A Philosophy of Display and Prestige (Columbia University Press, 2020).
 
Im Rahmen des Projektes „Das politische Buch“ in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung Frankreich
 

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