Am 22. und 23. November 2025 wurde die experimentelle Oper „Kaktus“, ein Projekt des Goethe-Instituts Georgien, im Theater Haraki in Tbilissi aufgeführt. Die Produktion setzte sich mit zeitgenössischen Formen des Musiktheaters auseinander und erprobte neue ästhetische und dramaturgische Ansätze innerhalb des Opernformats. In einem Umfeld, in dem experimentelle Opernproduktionen vergleichsweise selten sind, eröffnete „Kaktus“ zusätzliche Perspektiven auf das Genre und trug zur Erweiterung bestehender künstlerischer Ausdrucksformen bei.
In Georgien liegt der Schwerpunkt im Opernbereich häufig auf klassischem Repertoire oder auf zeitgemäßen Neuinterpretationen traditioneller Werke. Produktionen jedoch, die neue Opernsprachen erproben, digitale Mittel integrieren oder zeitgenössische psychologische Themen in den Mittelpunkt stellen, sind selten. Genau hier setzt „Kaktus“ an.
Die Premiere machte spürbar, dass eine andere Oper denkbar ist – eine, die experimentiert, Risiken eingeht und Fragen stellt, die Menschen hier gerade jetzt sehr direkt betreffen.
Was passiert, wenn jemand aus der gesellschaftlich geordneten Zeit herausfällt und in seiner eigenen, subjektiven Zeit stecken bleibt?
„Kaktus“ erzählt von genau diesem Moment: von innerer Zerreißprobe, mentalem Druck, Kontrollverlust – und von einer Transformation, die erst einsetzt, wenn alles andere zusammenbricht.
Die am Projekt Beteiligten haben unter anderem in Deutschland sowie in weiteren Ländern studiert und gearbeitet, in denen experimentelles Musiktheater längst etabliert ist. Mit „Kaktus“ bringen sie diese internationalen Erfahrungen nach Georgien zurück und verbinden sie mit lokalen Perspektiven – inhaltlich, ästhetisch und thematisch. Aus dieser Verbindung entstand eine spürbare Dringlichkeit, die sich unmittelbar auf das Publikum übertrug.
Die Produktion zeigt, dass neue ästhetische Wege auch jenseits tradierter Opernformen möglich sind. Sie setzt Impulse, die das Genre erweitern, und macht sichtbar, dass zeitgenössische Oper auch hier eine eigenständige Stimme entwickeln kann.
„Kaktus“ verweist zugleich auf die Notwendigkeit von Räumen, in denen junge Menschen, Studierende und Neugierige frei experimentieren dürfen: Orte des Ausprobierens, des Scheiterns und des Neudenkens, an denen eigene Opernsprachen entstehen können.