Die mit chirurgischer Präzision konstruierten Sätze funktionieren ähnlich wie die „Zeit-Worte“: Sie beleuchten für einen kurzen Augenblick die verborgenen Winkel der Erinnerung und fördern aus ihnen kurze Geschichten hervor. Eine ironische Weisheit vermischt sich hier mit tiefer Traurigkeit, poetische Reflexionen über den Alltag wechseln sich mit intensiven Erinnerungen an Orte und Personen ab. In dieser außergewöhnlichen, von den ersten Sätzen an verblüffenden Prosa geht die Fiktion in die Wirklichkeit über und rundet diese irgendwie ab. Für die titelgebende Erzählung „Vom Aufstehen“ gewann Helga Schubert 2020 mit Recht den Ingeborg-Bachmann-Preis. 40 Jahre zuvor blieb ihr dieser versagt.