New Types Henri Friedlaender (1904 – 1996)

Geboren im französischen Lyon, Sohn eines deutsch-jüdischen Textilhändlers und einer englischen Künstlerin. 1910 zieht die Familie nach Berlin. 1926 erwirbt Friedlaender an der „Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe“ in Leipzig den Meistertitel als Schriftsetzer, es folgen bereits erste Anstellungen in einer Verlagsdruckerei und als Handsetzer. 

1932 zieht Friedlaender aufgrund des wachsenden Antisemitismus in Deutschland in die Niederlande, arbeitet hier als künstlerischer Leiter des Verlagshauses N.V. Mouton & Co, gestaltet freiberuflich für andere Verlage Bücher und Schutzumschläge. Während der deutschen Besatzung und der beginnenden Deportationen von Juden muss er sich dort seit 1942 verstecken. Seine Frau unterstützt die Familie durch Gymnastik-Stunden für die Ehefrauen deutscher Offiziere, Friedlaender widmet sich in dieser Zeit der Kalligraphie und dem Studium biblischer Texte.

1950 zieht Friedlaender mit seiner Familie nach Jerusalem. Hier soll er den Nachwuchs im Druck-Handwerk ausbilden. 20 Jahre leitet er die Druckereischule in Jerusalem, baut das Ausbildungsprogramm auf, lehrt selbst und prägt mit mehreren Publikationen die Druck-und Schriftgestaltung in Israel. 

1958 stellt er die Schrifttype „Hadassah“ vor, an der er 27 Jahre gearbeitet hat. Auf Anregung des Berliner Verlegers Salman Schocken wollte Friedlaender seit 1931 eine moderne hebräische Schrifttype entwickeln, die den Anforderungen des industriellen Buchdrucks gerecht wird. Belohnt wird er mit dem Erfolg von „Hadassah“. Sie gilt bis heute als großer Fortschritt in der Entwicklung moderner hebräischer Schrifttypen, gern genutzt wurde sie z.B. auf Postern und für weitere Zwecke, bei denen Schrift in Großformat gebraucht wird. 1971 wird Friedlaenders Lebenswerk mit dem „Gutenberg-Preis“ der Stadt Mainz ausgezeichnet.

Zwischen 1973 und 1979 entwirft Friedlaender für IBM weitere Schrifttypen, darunter „Shalom“, „Aviv“ und „Hadar“, die IBM bei den von ihnen produzierten elektrischen Schreibmaschinen verwendet.
 

*Die Kurzbiografien basieren auf den Forschungen und Texten der Publikation „Alt-neue Schriften: Typographische und Buchgestalterische Arbeiten von Moshe Spitzer, Franzisca Baruch und Henri Friedlaender“ des Deutschen Literaturararchivs Marbach, 2015.