Labor für Performative Praxis
Open Call
Ingeborg Bachmann (1926–1973) zählt zu den zentralen Stimmen der deutschsprachigen Literatur der Nachkriegszeit. Ihr früher Erfolg innerhalb der „Gruppe 47“ begründete ihren Ruf als lyrische Stimme einer Generation, die versuchte, die Folgen des Krieges und den Zusammenbruch traditionellen Wertsystems zu begreifen.
In ihren Studienjahren setzte sie sich intensiv mit zeitgenössischer Philosophie auseinander. 1950 schloss sie ihr Studium mit einer Dissertation über kritische Aufnahme der Existentialphilosophie Martin Heideggers ab. Ende der 1950er Jahre wandte sich Bachmann bewusst von der Lyrik ab und suchte nach einer neuen Sprache, die die Widersprüche der Epoche und das Erleben des Verlusts weltanschaulicher Gewissheiten – sowohl im privaten als auch im gesellschaftlichen Leben – auszudrücken vermochte.
In ihrer Prosa untersucht sie, wie Menschen sich Illusionen erschaffen, nämlich fragile Schutzkonstruktionen, die ihnen helfen, ein Gefühl von Geborgenheit in einer traumatisierenden Realität aufrechtzuerhalten. Soziale Rollen, feste sprachliche Formeln, mythologische Bilder und idealisierte Erinnerungen bieten vorübergehend Sicherheit, beginnen jedoch unweigerlich zu bröckeln.
Bachmann zeigt, wie schmerzhaft der Zerfall solcher Illusionen sein kann – und zugleich, wie notwendig er für die Suche nach einem „eigenen Wahrsein“ ist, einem Begriff, der auch bei Martin Heidegger vorkommt, bei ihr jedoch eine eigene literarische Prägung erhält. Der Übergang zur Authentizität bedeutet kein Trost, sondern ein ungeschütztes, ehrliches Dasein im eigenen Erleben. Dieser Prozess bildet den thematischen Kern des Labors und die Grundlage für körperliche und performative Forschung.
Über das Labor „Vom Zerfall der Illusionen zum eigenen Wahrsein“
Die Kurzprosa Ingeborg Bachmanns, die sich um den Zerfall von Illusionen und die Suche nach Authentizität gruppiert, dient als Ausgangspunkt für die Erforschung von Spannungen, Konflikten und Zuständen. Diese können in Bewegung, körperliches Erleben, szenische Präsenz und performative Praktiken übersetzt werden – vom physischen Theater bis zu interdisziplinären Projekten.Das Labor umfasst verschiedene Phasen der Projektentwicklung: Analyse des künstlerischen Materials, psychophysisches Training sowie Arbeit mit Körper, Bild, Klang, Raum und visueller Komposition.
Jede:r Teilnehmer:in kann als Regisseur:in einer eigenen Performance auftreten und sich zugleich mit anderen für gemeinsame Arbeiten zusammenschließen. Das Labor endet mit einer öffentlichen Präsentation der Performances und szenischen Skizzen.