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16:00 Uhr, МСК

Spuren des Verdrängten und Verschwiegenen

Vortrag, Diskussion|Leben und Werk von Ingeborg Bachmann

  • Online Online

  • Sprache Deutsch, Russisch
  • Preis Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

Ingeborg Bachmann auf einer Pressekonferenz 1960 © Fritz Peyer, via Wikimedia Commons

Auf einem Schwarz-Weiß-Foto ist die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zu sein, einen Mittelscheitel tragend, ihre linke Hand ist durch eine gestikulierende Bewegung nur verschwommen zu sehen. © picture-alliance / brandstaetter images/Barbara Pflaum | Barbara Pflaum

In diesem Jahr, in dem der 100. Geburtstag der Dichterin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926–1973) gefeiert wird, richten die Goethe‑Institute in Russland mit einer Reihe von Veranstaltungen – von wissenschaftlichen Vorträgen bis hin zu performativen Laboren und künstlerischen Produktionen – den Blick auf eine der Schlüsselfiguren der europäischen Moderne, deren Werk bis heute Bewunderung wie auch Kontroversen hervorruft.

Im Rahmen eines Labors für performative Praktiken findet am 13. Juni um 16:00 Uhr (MSK) ein Online-Vortrag der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Sigrid Weigel statt, die Ingeborg Bachmanns Leben und Werk in seiner poetischen und intellektuellen Radikalität beleuchtet.

Eintritt frei, Voranmeldung erforderlich.

Bachmanns literarisches Werk stellt sich heute als poetisch‑politisches Gedächtnis des 20. Jahrhunderts dar und ist zugleich von bemerkenswerter Aktualität. Als Angehörige jener Generation, deren Erwachsenwerden mit dem Ende des Krieges 1945 zusammenfiel, greift sie Themen auf, die für die deutschsprachige Nachkriegskultur symptomatisch sind–und bleibt dennoch eine Ausnahmeerscheinung.

Ihre faszinierenden, vielschichtigen Texte heben sich deutlich von der zeitgenössischen Beschreibungsliteratur ab. Sie sind das Werk einer musikalisch, literarisch und philosophisch gebildeten, psychoanalytisch interessierten und politisch engagierten Autorin, die ihrer Zeit voraus war, denn in den 1950er/60er Jahren gab es noch keinen Ort für die Stimme einer weiblichen Intellektuellen. Mit den Spuren des Verdrängten und Verschwiegenen trägt ihr Schreiben dieSignaturen ihrer Epoche und gründet zugleich in der radikalen Durcharbeitung persönlicher Erfahrungen.

Sigrid Weigel ist Literatur‑ und Kulturwissenschaftlerin und Autorin der intellektuellen Biographie „Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses“ über Ingeborg Bachmann. Ihre Publikationen widmen sich unter anderem Heinrich Heine, Sigmund Freud, Walter Benjamin, Hannah Arendt und Susan Taubes sowie der ErinnerungskulturundKonzepten des Erbes.