Jennifer Jenson
Preisträgerin 2021

Gutekunst FoG

Preisträgerin 2021

Für ihre Übersetzung eines Auszugs aus Elsa Koesters Couscous mit Zimt (Frankfurter Verlangsanstalt, 2020), lautet die Gewinnerin des 11. jährlich vergebenen Gutekunst Prize of the Friends of Goethe New York Jennifer Jenson.

Die Jury, bestehend aus der Buchkritikerin und Übersetzerin Tess Lewis, der Übersetzerin Alta Price und dem Herausgeber bei And Other Stories, Jeremy Davies, begründet die Entscheidung wie folgt:

„Die Jury des Gutekunst Prize 2021 gratuliert Jennifer Jenson zu ihrer geschickten Übersetzung von Elsa Koesters Couscous mit Zimt. Im Roman spannen drei Frauen aus drei Generationen einen Handlungsbogen über Tunesien, Frankreich und Deutschland, in dem sie mit ihrer eigenen Stimme tiefe Einblicke in ihr Leben geben. Die Entdeckungsreise der Hauptakteure in ihre eigenen, vielseitigen europäischen Nationalitäten verwebt sich zu einer einzigartig nuancierten Reflexion über zeitgenössische Identität aus sich verschiebenden Blickpunkten.

Couscous mit Zimt skizziert das faszinierende Leben und die emotionale Verbindung der Familie Bellanger. Großmutter Lucile („Mamie“) ist in Frankreich geboren, wuchs aber in Tunesien auf. Ihre Tochter, Marie, ist in Tunesien geboren und als Pied-Noir aufgewachsen, flieht allerdings mit ihrer Familie nach der Unabhängigkeit Tunesiens nach Frankreich. Maries Tochter Lisa ist in Deutschland geboren und wächst mit ihrer Mutter und ihrem deutschen Vater in Berlin auf und lernt Französisch erst als Teenagerin. Nach dem Tod von Lisas Mutter und Großmutter erbt sie Mamies Wohnung in Paris. Auf ihrer Reise, um das Erbe anzutreten erinnert sich Lisa an Momente aus ihrem Leben und dem ihrer Verwandten und andere Familienmitglieder kommen und erzählen ihre Version der Familiengeschichte. Sie sieht außerdem die gegenwärtigen Flüchtlinge in Europa und ihre Geschichte in der Geschichte wird durch Maries Erzählungen aus erster Hand - auch jene ihrer eigenen Flucht aus Tunesien, ihrer Teilnahme an den Aufständen des Mai 1968, einer Abtreibung mit zwanzig und ihr darauffolgender Alkoholismus und Suizidversuch - hervorgehoben. Am Ende des Romans steht offen, ob Lisa nach Berlin zurückkehren wird, oder nicht.

Jensons Übersetzung greift Koesters natürlichen Stil und packende Erzählstimme auf und schafft es, im Sprung vom Deutschen ins Englische den französischen Beigeschmack des Originals zu erhalten. Den persönlichen, gesprochenen Ton der Figuren zu vermitteln verlangt großes Feingefühl und Jenson hält mit gebührendem Abstand zum Original meisterhaft die Balance - nicht so weit, um eine Überschreitung zu riskieren, aber weit genug, um ein schlagkräftiges, umgängliches Gefühl zu schaffen. Die Jury schätzte auch Jensons mutige Herangehensweise an den allerersten Satz in der Übersetzung mit „It was my country, my land“ - in dem der physisch und politisch geladene mehrdeutige Ausdruck „Land“ aus dem Deutschen übertragen wurde. Jenson fand auch einige clevere Lösungen, wie zum Beispiel die Übersetzung von „Dreckspatz“ als „mudlark“. 

Der originale Prosatext ist literarisch, verfügt aber über eine gesprochene Eigenschaft und diesen Charakter von einer Sprache in eine andere zu übertragen ist eine der größten Herausforderungen der Übersetzung. Jenson ist dieser Aufgabe auf beeindruckende Art und Weise gewachsen. So wie das Buch über die unverwechselbaren Stimmen der Figuren scharfsinnige Einblicke in verschiedene europäische Kulturen gibt, ehrt Jennifer Jenson ihre verwobenen Geschichten mit ihrer starken Übersetzung.“
       
Lesen Sie einen Auszug aus Jennifer Jensons preisgekrönter Übersetzung von Elsa Koesters Couscous mit Zimt

Über Jennifer Jenson

Jennifer Jenson © Nicole Burgoyne Jennifer Jenson ist im dritten Jahr ihres Doktorats in Germanistik an der Universität Chicago. In ihrer Dissertation untersucht sie die Identitätsbildung in der Deutschen und Österreichischen Nachkriegskulturschaffung, insbesondere über die Darstellung matrilinialer Beziehungen. Im Zentrum des Projekts stehen Fragen dazu, wie Brüche als ästhetisch generatives Konzept fungieren, einschließlich der Frage, wie Assemblagetechniken, Kollagen und Montagen eine Vielzahl an Beziehungskonstellationen ermöglichen, die das hegemoniale Verständnis von individueller und nationaler Identität unterwandern. Jennifer spezialisiert sich auch auf Pädagogik und hat Kurse über deutsche Märchen und Kulturidentität geleitet und war als pädagogische Online-Assistenz der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Chicago tätig.

Über den Gutekunst Prize of the Friends of Goethe New York

2010 erhielt das Goethe-Institut New York eine Spende zum Gedenken an Frederick und Grace Gutekunst. Ein Förderpreis wurde ins Leben gerufen, um talentierte Nachwuchsübersetzerinnen und-übersetzer von deutscher Literatur zu entdecken und sie zu unterstützen, Kontakte in der Übersetzungs- und Verlagswelt zu knüpfen. Ab 2017 wird der Preis von den Friends of Goethe New York gefördert.

Der Gutekunst Preis of the Friends of Goethe New York richtet sich an alle College Studentinnen und Studenten sowie an alle Übersetzerinnen und Übersetzer unter 35, die bisher weder publiziert haben noch unter Vertrag für eine Buch-Übersetzung stehen. Zur Teilnahme ist ein literarischer Text von ca. 15 Seiten zu übersetzen. Die Übersetzungen werden von einer Jury beurteilt, die aus drei Übersetzern bzw. Literaturexperten besteht. Der Preis ist mit $2.500 Dollar dotiert.