Goethe Intern Eine Nordfriesin in Washington

Typisch amerikanisches Diner
©Lara Hansen

In einer Serie berichtet Lara Hansen, Praktikantin unserer Informationsabteilung, von ihrer Ankunft in den USA und ihren Eindrücken aus den ersten Tagen in Washington DC. 

Als ich Anfang Februar am Flughafen in Washington DC landete, hätte meine Ankunft sich kaum klischeehafter gestalten können. Kaum aus dem Flugzeug, wurde ich zugleich mit einem Dutzend amerikanischer Flaggen und patriotischer Musik, die am Ende eines jeden US-Films mit Adam Sandler spielt, begrüßt. Nach einer unfassbar langen Wartezeit ging es für mich weiter nach Virginia zu meiner pensionierten Gastgeberin Nancy, welche mit mir schnurstracks zu einem typisch amerikanischen Diner fuhr.

Mein erster Tag in den Staaten war nämlich kein normaler Sonntag, es war der Abend des Super Bowls – das wohl beliebteste Sportevent des Jahres. Dort wartete bereits der Football-begeisterte Ex-Veteran Keith auf uns, der mir mit einer mitreißenden Euphorie die Spielregeln erklärte. Dazu bestellten wir uns Barbecue Chicken Wings, Nachos mit Käse und Milchshakes – an Zucker wurde hier nicht gespart. Die Kellnerin füllte mein Getränk immer wieder nach, worauf ich sie irgendwann fast panisch informierte, ich hätte nicht mehr bestellt. Sichtlich verwirrt wendete sie sich von mir ab. Schließlich klärten mich Nancy und Keith auf: In den USA wird kostenlos nachgefüllt. Mit dieser Regelung konnte ich mich sofort anfreunden. Das ganze Diner fieberte mit, auch wenn am Ende Keith’s Favoriten verloren. Nach einem langen Reisetag fiel ich regelrecht ins Bett. Doch es blieb nicht viel Zeit für Ruhe.

Schon am nächsten Morgen ging es für mich das erste Mal nach Washington DC zu meinem neuen Arbeitsplatz für die nächsten drei Monate: Das Goethe-Institut. Sobald ich mit dem Bus die Grenze zu Washington überquerte, änderte sich schlagartig der Rhythmus. Während eine ältere Dame den Busfahrer in meiner Nachbarschaft in Alexandria noch bei Namen begrüßte, hupten die Autos und Taxis in der Innenstadt Washington fleißig um die Wette. Wer es wagte, auf der Rolltreppe zur Metro links stehen zu bleiben, wäre lebensmüde. Links wird gelaufen, rechts wird gestanden, wobei die rechte Seite meist sowieso leer bleibt.

Alles geht prinzipiell „To-Go“ – wer bleiben möchte, muss dies erwähnen, bekommt jedoch trotzdem einen Pappbecher. In Deutschland, und gerade in Nordfriesland, ist das undenkbar. Unsere Kaffee-und-Kuchenkultur wird eher mit Gemütlichkeit als mit Koffeinkicks assoziiert. Und man denke bloß an die Plastikverschwendung. Im goldenen Triangel, wie sich der unbescheidene Bezirk in der Innenstadt nennt, bleibt es allerdings penibel sauber. Während Frauen in schicken Mänteln und Männer in teuren Anzügen das Gebäude der World Bank betreten, spielen die Obdachlosen draußen eine Reggae-Hip-Hop-Mixtur, die karibische Temperaturen suggeriert. An meinem ersten Tag war es jedoch windig und frostig, was für mich fast heimatliche Gefühle hervorrief.

Von einer hektischen, amerikanischen Welt ging es für mich schließlich in eine deutsche, fast utopische Welt, wie sich herausstellte. Mitten in Washington in einem Hochhaus befindet sich das Goethe-Institut, wo über die Hälfte der Mitarbeiter aus Deutschland kommt, und selbst die amerikanischen Mitarbeiter Hochdeutsch reden. In meinem Studium in Berlin, Nordamerikastudien, rede ich im Vergleich deutlich mehr Englisch. Wer nicht selbst aus Deutschland kommt, hat deutsche Vorfahren, einen deutschen Partner oder ein Auslandsjahr in der Jugend gemacht – so oder so, alle Wege führen hier zurück nach Deutschland. Die Arbeitsatmosphäre beim Goethe-Institut ist dagegen eher amerikanisch orientiert: flache Hierarchien und zahlreiche Meetings.

Als Praktikantin in der Informationsabteilung wurde mir die Verantwortung für die sozialen Netzwerke des örtlichen Instituts, den Inhalt der Webseite, und die Bildredaktion übertragen. Alles selbstverständlich für die Förderung des Deutsch-Amerikanischen Austausches. Da die Seiten auf Englisch sind, kommen auf mich auch Übersetzungsaufgaben zu, was durchaus verwirrend werden kann. So habe ich den Busfahrern schon einige Male einen guten Abend gewünscht, aber begegne einer deutschen Kollegin mit „How are you?“ und anderen Anglizismen. Die vielen amerikanischen Flaggen und, nicht zu vergessen, das Weiße Haus, erinnern mich dann aber doch wieder daran, in welchem Land ich mich gerade befinde. Schließlich sind die Amerikaner bekannt für ihren herausragenden Patriotismus. Doch seit der letzten Präsidentschaftswahl hat sich in diesem Aspekt hier einiges verändert. Es ist eine spannende, wenn auch nervenaufreibende Zeit, in den USA zu sein, und ich werde berichten.