Goethe Intern #4 Blütezeit und Krabbenkuchen

Lara mit Magnolienblüten
© Lara Hansen

Mit dem Frühling kommt eine besondere Saison nach Washington: Die Zeit der Kirschblüten. Deren Blütezeit wird hier groß gefeiert in Form von Festivals und Konzerten. Allerdings ist es unter den vielen Besuchern im Frühling, die teilweise nur für die Kirschblüten anreisen, eine wahre Herausforderung, eine gute Aufnahme der berühmten „Cherry Blossoms“ an der Tidal Basin zu ergattern.

Persönlich habe ich mich in die Magnolien, die hier seit Mitte März aufblühen, viel mehr verliebt. Dabei habe ich diese Blüten eher zufällig für mich entdeckt. Auf einem Feierabendspaziergang an der National Mall, bog ich spontan in einen Park ab, der sich glatt als rosarote Wolkenlandschaft entpuppte. Es handelte sich dabei um den Enid A. Haupt Garden, ein viktorianisch angelegter Park inmitten DC. Die Perfektion dieses Gartens war derweil fast beängstigend. Jedoch genoss ich die unerwartet schöne Blütenlandschaft, die mich das omnipräsente Verkehrschaos der Hauptstadt, von der mich nur ein paar Meter trennten, komplett ausblenden ließ.

Nicht nur die Pflanzen erleben jedoch zurzeit ihre Blütezeit, sondern auch die Restaurants und Bars, die sich nebeneinander reihen, können dem Besucheransturm kaum noch standhalten. Ob in Washington oder in Alexandria, das Leben tobt: Pünktlich zur Happy Hour ab 16 Uhr sitzen die Menschen draußen, Musik bläst aus allen Richtungen, Gelächter hallt durch die Straßen. Und dabei ist nicht nur vom Wochenende die Rede. An einem sonnenreichen Wochenende ist es schließlich auch in nordfriesischen Restaurants schwierig einen Platz zu reservieren. Doch die Restaurants sind hier tatsächlich jeden Abend, jeden Tag der Woche überfüllt. Im Gegensatz zu den eher bescheidenen Nordfriesen, sind die Amerikaner, denen ich bis dato begegnet bin, weniger sparsam. Bei den horrenden Supermarktpreisen ist es allerdings nicht verwerflich, öfter essen zu gehen als sich etwas zu kochen – die einzelne Person spart dadurch möglicherweise sogar, da die amerikanischen Portionen meist für mehrere Tage reichen. Für die Überbleibsel gibt es dann typischerweise „Brown Bags“, Papiertaschen, in die alles Restliche gefüllt wird. Während in Deutschland nur danach gefragt wird, wenn die halbe Pizza noch auf dem Teller übrigbleibt, wird hier selbst bei einer halben Portion Pommes eine Tasche mitgegeben.

Mit dem Übergang in den Frühling wechselt hier jedoch auch die Speisekarte: in Washington DC, Maryland, und Virginia kommen nun Krabben auf den Teller. Um den Frühlingsbeginn zu feiern, bin ich mit Nancy nach Annapolis gefahren, die Hauptstadt von Maryland. Bei traumhaftem Wetter begrüßte uns ein wahrer Fischerort mit Ausstellungen lokaler Künstler, einem Hafen mit Segelbooten und einer Fischbude nach der anderen – da fühlte ich mich glatt daheim. Allerdings werden hier nicht etwa Fischbrötchen serviert, sondern „Crab Cakes“, eine Art Quiche aus Krabbenfleisch und willkürlichen Zutaten wie Ei und Brotkrumen. An diesem Tag genoss ich also mit Nancy am Hafen bei strahlendem Sonnenschein meinen ersten Crab Cake – ein echter Gaumenschmaus. Aber mit einem Krabbenbrötchen aus Dagebüll kann dieser Krabbenkuchen trotzdem nicht mithalten. Nun ist es nicht mehr lange, bis ich wieder in so ein Fischbrötchen, ein echtes knackiges Brötchen, beißen kann.

Während ich einerseits mit Vorfreude auf meine baldige Rückkehr schaue, füllt mich gleichzeitig eine wahre Wehmut. Ich habe die Amerikaner als sehr aufgeschlossene, interessierte und herzliche Menschen kennengerlernt, was natürlich auch viel mit meinem sozialen Umfeld im liberalen Washington und Virginia zusammenhängt. Das vielfältige Kulturangebot, die endlosen kulinarischen Optionen, und das Gefühl, einfach am Puls der Zeit zu sein – all dies wird mir fehlen. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mit dem Goethe-Institut in Washington, mit den anderen Praktikantinnen und selbstverständlich meiner Gastgeberin Nancy und dem deutschlandbegeisterten Keith in Kontakt bleiben werde. Und dass ich in nicht allzu ferner Zukunft zurückkehren werde.