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Warum Marx Now?
Über die andauernde Relevanz von Marx

Michael Thielen ist Karl Marx Double in Trier. Er sitzt im Garten des Karl-Marx-Hauses.
Michael Thielen ist Karl Marx Double in Trier. Er sitzt im Garten des Karl-Marx-Hauses.l Marx à Trier. | Foto: Stefanie Preuin © picture alliance / SZ Photo

Unabhängig davon, wie man über die politischen Bewegungen denkt, die mit seinem Namen verbunden sind, ist unbestritten, dass Karl Marx (1818-1883) einer der bedeutsamsten Denker aller Zeiten bleibt. Marx Now untersucht die Bedeutung seines intellektuellen Vermächtnisses für unsere Zeit.

Von Sina Rahmani

Tatsächlich hat das Selbstverständnis des modernen Deutschland als „Land der Dichter und Denker“ dem vor zweihundert Jahren in der kleinen Provinzstadt Trier geborenen Mann vieles zu verdanken. Und im Verlauf des 20. Jahrhunderts haben über zwei Milliarden Menschen unter der einen oder anderen Regierungsform gelebt, die sich seiner Ideen zur wirtschaftlichen Produktion und gesellschaftlichen Organisation bedienten (oder dies zumindest behaupteten). 

Moderne Gewerkschaften und hart erarbeitete Sicherheiten und Rechte, die Millionen von Arbeitnehmern überall auf der Welt genießen, sind untrennbar verbunden mit dem furchtlosen Radikalismus von Karl Marx und seinen Verbündeten. Vor dem Zerfall der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands waren Marx-Büsten und  -Statuen in tausenden Städten und Dörfern in ganz Europa und Asien zu finden. Nachfolgende Generationen von Wissenschaftlern rund um den Globus widmeten ihre Karriere dem Sammeln, Bewahren und Erörtern seines Lebens und seiner Schriften; unzählige Universitäten, Schulen und sogar Städte wurden nach ihm benannt.

Weitgehende Neubewertung

Zwei Jahrhunderte nach seiner Geburt – ein Jahrhundert nach der sowjetischen Revolution und drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges – untersucht Marx Now das Nachleben von Karl Marx und die verschiedenen marxistischen Strömungen, die von seinem Schaffen abgeleitet wurden. Trotz all der Experten, die nach dem Ende des Kalten Krieges triumphierend seinen Untergang verkündeten, erfährt Marx zurzeit eine bedeutende Neubewertung. Sei es Raoul Pecks Film Der junge Karl Marx (2018), zahlreiche exzellente Biografien über ihn und seinen Freundes- und Familienkreis, oder die tausenden Lesekreise, die von der ‚Occupy’-Bewegung inspiriert Das Kapital durchforsten – die marxistische Theorie bleibt nicht länger professionellen Marxisten und einem kleinen Kreis von selbsternannten Radikalen vorbehalten.

Mehr als eine Hagiografie

Doch Marx Now soll mehr sein als eine einfache Hagiografie – Marx war alles andere als ein Heiliger, wie sein privater Briefverkehr verdeutlicht. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass Millionen Menschen aus Südamerika, Europa und Südasien Marx mit Gewalt und Traumata in Verbindung bringen. Dies ist insofern nachvollziehbar, als dass viele autoritäre Staaten seine Ideen benutzt haben, um anti-demokratische Regime zu rechtfertigen. Marx Now untersucht die Bedeutung seines intellektuellen Erbes für unsere Zeit. Die Welt, in der Marx lebte, begann gerade erst, die Auswirkung des industriellen Kapitalismus zu spüren; es dauerte nach seinem Tod 1884 mehr als ein Jahrhundert, bis der Kapitalismus uneingeschränkte globale Dominanz erlangte. Während er zwar voraussah, was wir heute globale Fließbandfertigung nennen, konnte Marx im 19. Jahrhundert nicht ahnen, welch fundamentale Ausmaße und Veränderungen die Massendigitalisierung haben würde. Sie veränderte nicht nur, wie wir nahezu jede Art von Ware und Dienstleistung produzieren und konsumieren, sondern auch, wie wir über die Welt selbst denken.
 
Das Goethe-Institut hat verschiedene Philosophen, Intellektuelle und Künstler nach der Bedeutung von Karl Marx für unsere heutige Welt befragt. Wie kann Marx uns angesichts der weit verbreiteten wirtschaftlichen und ökologischen Verzweiflung helfen, wenn überhaupt? Und wie können wir Marx’ Ideen nutzen, um die Welt – um es mit seinen Worten zu sagen – nicht nur zu deuten, sondern auch zu verändern?

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