Filmvorführung German Cinema Now! Die Letzte Stadt (Heinz Emigholz)

Dorothy Ko und Young Sun Han in „Die Letzte Stadt“ © Filmgalerie 451 und Heinz Emigholz

Mi, 28.04.2021 -
Do, 29.04.2021

17:00 Uhr - 17:00 Uhr

Online

Die monatliche Filmreihe GERMAN CINEMA NOW! wird vom Goethe Pop Up Seattle kuratiert. Dieses Jahr beschäftigt sich die Reihe mit Themen wie Bruch und Kontinuität, um einen öffentlichen Dialog darüber anzuregen, wie genau die Vergangenheit unsere Gegenwart prägt und eine grundverschiedene Zukunft beeinflussen kann.
 
Die Filmreihe wird in Kooperation mit dem Northwest Film Forum Seattle präsentiert. Der Erlös der Tickets unterstützt das Northwest Film Forum.
 
Die Vorführung von Die Letzte Stadt findet online statt. Wir bitten um Registrierung vorab und ermutigen zu einer kleinen Spende. Der Film steht Zuschauer*innen weltweit vom 28. April, 17 Uhr PDT, bis zum 29. April, 17 Uhr PDT, zur Verfügung.
 
Der Film wird begleitet von einem aufgezeichneten Gespräch zwischen dem Regisseur, Heinz Emigholz, und Martin Schwartz vom Goethe Pop Up Seattle.
 
Über den Film:
 
Die Letzte Stadt
Regie: Heinz Emigholz
Deutschland | 2020 | 100 Min.
 
Sind Sie jemals in Gestalt des Performance-Künstlers John Erdman in einem Hotelzimmer in Athen aufgewacht, neben einem Mann, der dreißig Jahre jünger als Sie ist, und der, genau wie Sie, die letzte marxsche These über Feuerbach und die Retina eines Kaninchens auf dem Arm tätowiert hat? Haben Sie ungeheuerliche Klartraum-Erlebnisse, dass Sie durch eine Frau, die der Columbia University Professorin für Geschichtswissenschaft Dorothy Ko ähnelt, verhört werden, die Sie die Untaten der kaiserlich-Japanischen Kriegen verdauen lässt, und die damit enden, dass Japanisch-Deutsche Schuldwürste mit Wursthaut aus Ihren Eingeweiden gefüllt werden? Beinhaltet Ihr gewöhnlicher Arbeitstag als Berliner Priester (Young Sun Han) den wiederholten, trotzigen Bruch ihres Pflichtzölibats mit Ihrem eigenen Bruder, ein Polizist, sowie das Erteilen und die Vorenthaltung der Absolution an Ihre Familienmitglieder, und ein schönes Pasta-Abendessen mit Mutti? Haben Sie, jetzt als der argentinische Filmregisseur Jonathan Perel, Ihre Freunde arg überrascht, indem Sie zum Waffendesigner geworden sind, weil es die avantgardistische Praxis der Empathie einschließt?
 
Kurzum, ist Ihr Leben animiert durch ein endloses, sich unentwegt veränderndes Gespräch, in welchem die Gespenster der Kunst und der Psychoanalyse gegenwärtig sind, ein infiniter Reigentanz zwischen Städten und Personen, eine Suche nach einer Stadt deren Koordinaten ständig wechseln?
 
Wenn all das Ihnen vertraut vorkommt, dann bietet Die Letzte Stadt ein Fenster der Inversion in Ihre Welt. Für andere, liefert der Film die unheimliche Andeutung, dass vielleicht, zumindest während der Dauer des Filmes, wir alle dieselbe Person sind.
 
Dieser Film von Heinz Emigholz bricht den narrativen Strom ab, durch seine außergewöhnlichen Aufnahmewinkel und Neigungen, die Veränderungen der Hintergründe und Tageszeit mitten im Gespräch, und die merkwürdige Direktheit und Intimität des schauspielerischen Stils. Was aber freudig gleichbleibt ist das hochtourige Versteckspiel des Denkens—das heißt, des Denkens und des Denkenden, wer das auch sein mag.
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Die letzte Stadt wurde unlängst mit dem Special Jury Award bei der Documenta Madrid ausgezeichnet. Mit den Worten der Jury: „Mit diesem Film feiern wir die Radikalität eines Kinos, die seine Sprache infrage stellt, dabei gleichzeitig das Beste aus ihren vielfältigen Möglichkeiten macht. Formal und ehrfurchtslos, humanistisch und strukturell, es ist ein Kino im ständigen Übergang, wo Wiederspiegelungen weiterbestehen nach den Räumen, den Figuren, und den Sequenzen, zu unendlichen Kombinierungen.“
 
Über den Regisseur:
 
Heinz Emigholz wurde 1948 in Achim bei Bremen geboren. Seit 1973 ist er in Deutschland und in den USA als freischaffender Filmemacher, bildender Künstler, Kameramann, Autor, Publizist und Produzent tätig. 1993 bis 2013 hatte er den Lehrstuhl für Experimentelle Filmgestaltung an der Universität der Künste Berlin inne. Er ist Mitbegründer des dortigen Instituts für zeitbasierte Medien und des Studiengangs Kunst und Medien. Heinz Emigholz ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin seit 2013.
 

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