Ausstellung Licht von der anderen Seite: Schattenbilder von Tim Otto Roth

sterea skia @ XX oder der Mummelseee in der Pfanne, Städtische Galerie Offenburg 2016 (c) Franz J. Wamhof (photographer), Tim Otto Roth (artist) (c) Franz J. Wamhof (photographer), Tim Otto Roth (artist)

Mi, 09.11.2016 -
Fr, 13.01.2017

Goethe-Institut Washington

1990 K St. NW
(Eingang von 20th Street NW, Erdgeschoss)
Washington, DC

Ausstellungseröffnung mit Künstler Tim Otto Roth am Mittwoch, den 9. November, 18.30-20 Uhr. Wendy A. Grossman, Curatorial Associate bei der Phillips Collection, moderiert die Diskussion.

Eventbrite – Goethe-Institut Washington

Schatten unterstreichen die Schönheit der Natur und entkommen der Gefangenschaft ihrer Oberflächen in den Schattenbildern des deutschen Künstlers Tim Otto Roth. In der Regel als „Photogramme“ bezeichnet, werden diese auf Photopapier gebannten Schatten ähnlich wie ein Röntgenbild erzeugt. Die Bilder dieser Ausstellung bieten einen Einblick in Tim Otto Roths fünfzehn Jahre Forschung und Entwicklung, die er dem Medium Schattenbild gewidmet hat – einem Forschungsfeld, welches auch vom amerikanischen Künstler Man Ray und aktuell vom in New York ansässigen britischen Künstler Adam Fuss weiterentwickelt wurde.

Aus der Edition flora domestica  (c) Tim Otto Roth Aus der Edition flora domestica (c) Tim Otto Roth Mit den Fenstern einer gotischen Kathedrale vergleicht die Kunsthistorikerin Karin Leonhard die besondere Faszination der Arbeiten von Tim Otto Roth. Die Perfektion, mit der der deutsche Künstler die farbigen Schatten von Pflanzen und Blüten in der Edition flora domestica auf Farbdiafilm bannt, erweckt den Eindruck, dass die Bilder hinterleuchtet sind oder gar aus sich heraus leuchten. Durch den gezielten Einsatz einer punktförmigen Lichtquelle in der Dunkelkammer entsteht ein neuartiger Seheindruck, der die geheimnisvolle Schönheit der Schattenwelt der Flora unterstreicht. Diese einzigartigen Arbeiten sind in der Ausstellung im Goethe Institut in Washington erstmals in Amerika zu sehen.

Mit den Arbeiten aus dem stereaskia-Zyklus geht er über das Bildliche sprichwörtlich hinaus. Die 3D-Schattenarbeiten sind teils im Computer simuliert, teils direkt mit einer roten und blauen Lichtquelle auf Polaroid belichtet. Leuchten die Pflanzenschatten aus dem Bild heraus, so werden die Schatten im ‚stereaskia‘-Zyklus beim Aufsetzen einer Stereobrille zu räumlichen Schattenkörpern, die die Flächigkeit des Bildes hinter sich lassen und vor oder hinter die Bildfläche treten. Damit greift die Ausstellung ein zentrales Thema im Werk des Konzeptkünstlers auf. Die Beschäftigung mit dem Raum zieht sich wie ein roter Faden durch das Oeuvre von Tim Otto Roth. In der projektiven Übersetzung von Körpern in Schatten, durch das Schaffen von Klangräumen oder durch die künstlerische Auseinandersetzung mit der Faszination für den Weltenraum am nächtlichen Himmel erkundet er den Raum auf vielfältige Weise.

Tim Otto Roth (geboren 1974, Oppenau/Schwarzwald) kombiniert Kunst und Naturwissenschaft in international ausgestellten Kooperationen mit führenden Forschungsinstituten und –organisationen wie dem Hubble Space Telescope. In Nature (458, 836) fasst der renommierte Oxford Professor für Kunsthistorik, Martin Kemp, seine Arbeiten als „eine neue Kunst […] eine neue Wissenschaft kodierend.“ zusammen. Roth besitzt einen Abschluss in visueller Kommunikationstheorie und einen Doktortitel im Bereich Kunst- und Wissenschaftsgeschichte der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Wendy A. Grossman ist Curatorial Associate bei der Phillips Collection und Dozentin für Kunstgeschichte an der New York University in Washington, DC, und der University of Maryland, College Park. Nachdem sie an der Freien Universität zu Berlin studiert hat und sich auch aktiv am Fall der Berliner Mauer beteiligte, hat Grossmann an der University of Maryland, College Park, in Kunstgeschichte promoviert. Sie ist eine Kunst- und Fotohistorikerin mit besonderer Expertise im Bereich der Geschichte der Fotografie, des europäischen und amerikanischen Modernismus, der Schnittpunkte von nicht-westlicher und westlicher Kunst, Surrealismus und dem Künstler Man Ray. Sie hat zahlreiche Publikationen verfasst, unter anderem den mehrfach ausgezeichneten Ausstellungskatalog Man Ray, African Art, and the Modernist Lens. Ihre letzte Ausstellung Man Ray Human Equations, welche bei der Phillips Collection eröffnete, war außerdem in der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen und zuletzt im Israelischen Museum in Jerusalem zu sehen.
 

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