Film German Cinema 101: Die Ehe der Maria Braun

The Marriage of Maria Braun - WDC © The Criterion Collection

Mo, 12.08.2019

Landmark's West End Cinema

2301 M Street Northwest
Washington, DC 20037

Im Rahmen des einjährigen Projekts Wunderbar: A Celebration of German Film hat das Goethe-Institut Washington zwölf Ikonen des deutschen Films ausgewählt, die den Reichtum der deutschen Filmgeschichte aufzeigen. Zusammen mit Landmark's West End Cinema präsentieren wir German Cinema 101, eine Reihe, die die Zuschauer*innen gepaart mit fachkundigen Diskussionen durch diese Geschichte führen.

Sie schaffen es nicht ins Kino? Keine Sorge! Sie können diesen Film und insgesamt 48 weitere Filme auch streamen. Siehe den Link auf der rechten Seite.

DIE EHE DER MARIA BRAUN

Sky Sitney, Co-Direktorin des Filmfestivals Double Exposure und Assistant Professorin für Film and Media Studies an der Georgetown University, wird vor dem Film eine Einführung geben. Im Anschluss an das Screening folgt eine Diskussion.

Bundesrepublik Deutschland, 1979, 115 Min., Regie: Rainer Werner Fassbinder, Drehbuch: Werner Fassbinder, Pea Fröhlich, Peter Märthesheimer

Während des Wiederaufbaus in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erfährt Maria Braun, dass ihr Ehemann während des Krieges gestorben ist. Sie ist verzweifelt aber entschlossen und arbeitet als Hostess in einer von amerikanischen Soldaten frequentierten Bar. Von dort aus steigt sie die soziale Leiter hinauf und erregt letztendlich die Aufmerksamkeit eines reichen Industriellen. Maria setzt diese Entwicklung fort, indem sie seine Geliebte wird, aber ihre Bestrebungen werden kompliziert, als sie erfährt, dass ihr Ehemann vielleicht doch nicht gestorben ist. Wird sie in der Lage sein, ihre Liebe zu ihrem Ehemann mit ihrem Bedürfnis zu vereinbaren, in einem Nachkriegsdeutschland zu überleben, das mit dem Wiederaufbau kämpft? Ihr schlussendlicher Sturz fällt ironischerweise mit dem Sieg Deutschlands bei der Weltmeisterschaft 1954 zusammen, einem historischen Meilenstein, der als deutsches „Comeback“ als Weltmacht gilt.

Rainer Werner Fassbinder (1945 - 1982) wurde in einer gebildeten bürgerlichen Familie im kleinen bayerischen Kurort Bad Wörishofen geboren. Er wurde von seiner Mutter als Einzelkind aufgezogen und hatte nach der Scheidung seiner Eltern mit fünf Jahren nur sporadischen Kontakt zu seinem Vater, einem Arzt. Nach der Waldorfschule ging er in München und Augsburg zur Schule, verließ diese jedoch ohne Abschluss. Seit frühem Alter galt er als Kinosüchtiger („fünfmal pro Woche, oft drei Filme pro Tag“), nicht zuletzt, weil seine Mutter für ihre Arbeit als Übersetzerin Ruhe brauchte: „Das Kino war das Familienleben, das ich Zuhause nie hatte."
 
Fassbinder drehte seine ersten Kurzfilme im Alter von zwanzig Jahren und überzeugte einen männlichen Liebhaber, sie im Austausch für Hauptrollen zu finanzieren. Er bewarb sich ebenfalls um einen Studienplatz an der Berliner Filmschule (dffb), wurde aber abgelehnt. In seinen beiden frühen Filmen wirkte er selbst mit: Der Stadtstreicher, in dem auch Irm Hermann (später oft in Charakterrollen zu sehen) mitspielte; und Das kleine Chaos. In letzterem spielte seine Mutter – unter dem Namen Lilo Pempeit – die erste von vielen Rollen in den Filmen ihres Sohnes. Erst nach diesen Bemühungen als Amateurregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler nahm er Unterricht in einem professionellen Schauspielstudio, wo er Hanna Schygulla, seine wichtigste Darstellerin, kennenlernte, die dank ihm zu einem internationalen Star wurde. Durch Schygulla wandte sich Fassbinder dem Theater zu.

Sein extravaganter und zugleich heruntergekommener Lebensstil, seine offen gezeigte und gut vermarktete Homosexualität und gleichzeitig das Leben und die Liebe zu Frauen, die Skandale, die öffentlichen Empörungen und die Anfälle von Selbstmitleid sorgten dafür, dass Fassbinder in Deutschland dauerhaft in den Nachrichten war. Kalkuliert provokative Äußerungen, die jedoch in der Regel klug waren und Dinge auf den Punkt brachten, trugen ebenfalls dazu bei. Seine Arbeit erhielt oft gemischte Kritiken von deutschen Kritikern, von denen viele Fassbinder erst ernst nahmen, nachdem ihn die ausländische Presse als Genie feierte.
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Diese Veranstaltung ist Teil der Filmreihe German Cinema 101. German Cinema 101 ist Teil des Projekts Wunderbar: A Celebration of German Film. Von den Geliebten Schwestern zu Oh Boy und Goethe!, vom Blauen Engel ins Cabinet des Dr. Caligari – wir feiern die deutsch-amerikanische Freundschaft und bringen gemeinsam mit unserem Partner Kanopy 48 deutsche Filme auf Ihre Bildschirme. Die Goethe-Institute und Goethe Pop Ups in den USA feiern den deutschen Film überdies mit Filmreihen und in Festivals und laden deutsche Filmemacher zum Gespräch ein.

Wunderbar Films  © Kanopy

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