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Johannes Ebert am 9. November 2021 in Dresden
Eröffnung der Installation „Verschwindende Wand“

Grußwort von Johannes Ebert bei der Eröffnung der Installation „Verschwindende Wand“ in Dresden

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hilbert, sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Landeshauptstadt Dresden, sehr geehrte Frau Dr. Goldenbogen, sehr geehrter Herr Prof. Wagner, sehr geehrte Gäste, liebe Besucherinnen und Besucher.

Heute jährt sich die Pogromnacht der nationalsozialistischen Diktatur gegen die Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland bereits zum 83. Mal. Das Gedenken an die Verbrechen und das durch sie verursachte Leid ist angesichts des wieder erstarkenden Antisemitismus in unserer heutigen Gesellschaft aktueller und notwendiger denn je.

Deshalb bin ich sehr dankbar, dass das Goethe-Institut den Auftakt der heutigen Gedenkveranstaltungen hier in Dresden mitgestalten kann. In Partnerschaft mit der Landeshauptstadt Dresden und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora eröffnen wir heute mit der "Verschwindenden Wand" eine ganz besondere, interaktive Kunstinstallation. Die 6000 Holzklötzchen, die in dieser Konstruktion aus Plexiglas stecken, tragen Botschaften von knapp 100 Überlebenden der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie ihrer Außenlager. Sie wurden im Gedenken an den 76. Jahrestag der Befreiung zusammen getragen. Besucherinnen und Besucher der Installation sind herzlich eingeladen, sich der Zitate der Überlebenden anzunehmen: Sie dürfen Klötzchen herausziehen, die Botschaften entdecken, lesen und mitnehmen. Nach und nach leert sich die Wand auf diese Weise – sie verschwindet, aber die Botschaften der Überlebenden werden weitergetragen, regen uns zur Reflexion und Auseinandersetzung mit Geschichte und auch Gegenwart an.

Die Installation geht zurück auf die Idee der russischen Studentin Maria Jablonina und wurde vom Goethe-Institut erstmals 2013 in Moskau zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion realisiert.
Seitdem hat die Verschwindende Wand mit verschiedenen inhaltlichen Adaptionen weltweit Menschen berührt und zum Nachdenken angeregt.

Dass wir die Verschwindende Wand in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zum heutigen Gedenken an die Opfer des Holocaust nach Dresden holen konnten, zeugt zugleich von dem neuerdings erweiterten Aufgabenfeld und Profil der Goethe-Institute in Deutschland: Mit den neuen „Zentren für internationale kulturelle Bildung"  formuliert das Goethe-Institut einen entschlossenen und innovativen Beitrag im Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus und für ein weltoffenes Deutschland. Anknüpfend an den Erfahrungsschatz aus unserer weltweiten Kulturarbeit gegen Isolation, Ausgrenzung und Diskriminierung und für mehr Diversität und Transkulturalität wirken nun auch die Goethe-Institute in Deutschland verstärkt als Brücke zu den Ländern der Welt. Sie machen internationale Stimmen und Perspektiven der Bildung zugänglich und wollen das gesellschaftliche Leben in einem diversen Deutschland unterstützen. Unsere zentralen Anliegen sind dabei die Förderung des Demokratieverständnisses und das Setzen starker Akzente gegen rassistische, rechtsextreme und antisemitische Ideologien.

Dieses Engagement im Verbund mit vielen anderen Institutionen ist angesichts der aktuellen besorgniserregenden Radikalisierungstendenzen in Gesellschaft und Politik geradezu unverzichtbar und ich bin sehr dankbar für die Kooperationsbereitschaft und das Vertrauen, das unsere Partnerinnen und Partner hier in Dresden in das Goethe-Institut setzen.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Oberbürgermeister Dirk Hilbert für die Einbeziehung des Goethe-Instituts in die Ausrichtung dieser Gedenkfeierlichkeiten. Ebenso danke ich der Vorsitzenden des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, Frau Dr. Nora Goldenbogen und dem Stiftungsdirektor der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora Herrn Professor Dr. Wagner für die ausgezeichnete Zusammenarbeit.

Ich wünsche der Verschwindenden Wand viele interessierte Besucherinnen und Besucher, die die Botschaften der Überlebenden in die Stadt und die Familien tragen.
Vielen Dank.
 

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