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Namibia
Abschlusskonferenz „Museumsgespräche“

Das Unabhängigkeits-Gedenkmuseum in Windhoek | Foto: Goethe-Institut Namibia
Das Unabhängigkeits-Gedenkmuseum in Windhoek | Foto: Goethe-Institut Namibia

Mit den „Museumsgesprächen“ bringt das Goethe-Institut afrikanische und europäische Museumsexpertinnen und Kuratoren zusammen, um den drängenden Fragen der postkolonialen Museumsarbeit in Afrika nachzugehen. Nach Stationen in sieben Ländern werden die dort diskutierten Themen nun vom 18. bis 20. September auf einer internationalen Abschlusskonferenz in Windhoek zusammengeführt. Neben einer Keynote von Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, diskutieren u.a. Ciraj Rassool, Nicola Brandt und Martha Akawa über neue Museumsansätze, Restitution oder das Verhältnis von nationaler Identität und Museum.
 
Windhoek
18. bis 20. September 2019

Die Museumslandschaft in Afrika befindet sich seit Beginn der Unabhängigkeit in einem Wandlungsprozess. Dabei blicken Direktorinnen und Kuratoren afrikanischer Museen auf vielfältige Herausforderungen: Einerseits sind sie mit der Frage nach einem kritischen Umgang mit dem kolonialen Erbe und Fragen der Restitution konfrontiert, die jüngst durch die Publikation „Zurückgeben“ von der französischen Forscherin Bénedicte Savoy und dem senegalesischen Schriftsteller Felwine Sarr befeuert wurde.
 
Andererseits spielt zeitgenössisches Kunstschaffen bislang keine große Rolle in Afrika. Insbesondere zeitgenössische Museen werden kaum von der lokalen Bevölkerung wahrgenommen oder als Räume des Dialogs verstanden. Zusätzlich werden immer mehr Museumsprojekte von neuen internationalen Akteuren in der Region gebaut, wie etwa das 2018 in Dakar eröffnete „Museum der Schwarzen Zivilisationen“, das ein chinesisches Projekt ist. Wie kann in Anbetracht dieser Entwicklungen ein zeitgemäßes, postkoloniales Museum in Afrika aussehen, das sowohl Vergangenheit als auch Zukunft in sich vereint?

Umgang mit dem kolonialen Erbe

Mit der Reihe „Museumsgespräche“ hat das Goethe-Institut seit 2018 eine Plattform geschaffen, auf der afrikanische Museumsexpertinnen und –experten über diese richtungsweisenden Fragen und Themen länderübergreifend miteinander ins Gespräch kommen können. Nach Stationen in Windhoek, Ouagadougu, Kigali, Kinshasa, Accra, Dar es Salaam und Lagos findet nun vom 18. bis 20. September 2019 die Abschlusskonferenz im Habitat Research and Development Centre in Windhoek statt. Rund 80 Teilnehmende treffen hier aufeinander, um die Ergebnisse der einzelnen „Museumsgespräche“ zusammenzuführen und weiterzudenken.
 
Die eröffnende Keynote hält Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts. Im Anschluss spricht die namibische Künstlerin, Autorin und Filmemacherin Nicola Brandt mit der ehemaligen Leiterin des „Visual Arts Network of South Africa“ (VANSA) Molemo Moiloa und der Chefkuratorin und Leiterin der Abteilung Ethnologie des Botswana National Museums Winani Thebele auf dem Panel „Curating the colonial legacy“ über den kritischen Umgang mit bestehenden Sammlungen in afrikanischen Museen.
 
Aspekten der Restitutionsfrage widmen sich unter anderem Ciraj Rassool, Leiter des „African Programme in Museum and Heritage“ an der University of Western Cape und einer der führenden Forscher zu Museen im südlichen Afrika; sowie die Angolanerin Suzana Sousa, die sich mit Erinnerungskulturen und kolonialen Objekten befasst – denn insbesondere die museale Darstellung mündlicher Überlieferungsformen stellt eine komplexe Aufgabe für Kuratorinnen und Kuratoren dar.

Museumsmodelle für die Zukunft

Mit der Vorstellung innovativer Museumskonzepte auf dem afrikanischen Kontinent rückt die Frage in den Vordergrund, welche Rolle die Institutionen im Prozess der nationalen Identitätsfindung übernehmen. Gerade in Vielvölkerstaaten, die in der Vergangenheit durch willkürliche Grenzziehungen entstanden sind, müssen sich alle Ethnien in einem Nationalmuseum vertreten fühlen. Welche Möglichkeiten hier bestehen, beleuchten unter anderem Goodman Gwasira, Nelson Abiti und Tali Nates. Sie stellen neue Ansätze für afrikanische Museen vor, wie beispielsweise Tragbare Museen, Privatmuseen, Museumspartnerschaften oder Kulturzentren.
 
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussionen bildet die Frage nach einer engeren Zusammenarbeit mit lokalen Communities, um Zugänge zu fairen Angeboten zu sichern und den Austausch mit Partnern im direkten Umfeld zu fördern. Hierzu zählt auch, wie afrikanische Museen insbesondere jüngere Zielgruppen ansprechen können, beispielsweise durch die Nutzung digitaler Medien. Chao Tayiana, Gründerin der Non-Profit-Organisation „African Digital Heritage“ wird zu diesem Thema sprechen.
 
Ergänzt werden die Diskussionsrunden von performativen Auftritten. So beschäftigen sich die drei Kunstschaffenden Kamogelo Molobye, Kamogelo Matsoso und Kgaogelo Mashilo aus Südafrika in ihrer künstlerischen Intervention „Display Cases“ mittels Musik und Choreografie damit, was es bedeutet, zu einer Gesellschaft zu gehören, in der man aufgrund seiner Rasse, Klasse, Geschlecht oder sexueller Orientierung permanent beobachtet und kontrolliert wird. Darüber hinaus ist eine Publikation mit den Ergebnissen der „Museumsgespräche“ geplant.  
 
Die „Museumsgespräche“ sind eine Projektreihe der Goethe-Institute in Afrika südlich der Sahara und finden an den beteiligten Standorten in Zusammenarbeit mit dortigen Nationalmuseen, Ministerien und der UNESCO statt. Sie bieten Raum für die Initiierung eines nationalen und regionalen Diskurses.

Kontakt

Dr. Jessica Kraatz Magri
Pressesprecherin und
Bereichsleiterin Kommunikation
Goethe-Institut e.V.
Tel.: +49 89 15921 249
Jessica.KraatzMagri@goethe.de
 
Daniel Stoevesandt
Institutsleitung
Goethe-Institut Namibia
Tel.: +264 61 221256
daniel.stoevesandt@goethe.de

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