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Deutschland
Tagung „1968 und die Neuen Rechten. Europäische Perspektiven“

Verhaftung bei einer Spaziergangsdemo im Dezember 1966. | Foto: Gretchen Dutschke-Klotz
Verhaftung bei einer Spaziergangsdemo im Dezember 1966. | Foto: Gretchen Dutschke-Klotz

Das Jahr 1968 steht für Rebellion und Widerstand. Doch begannen die Proteste, die ihren Ursprung in linken Bewegungen hatten, schon vor 1968 und wirken bis heute nach. Vor allem die Neuen Rechten bedienen sich der Strategien dieser Zeit. Welche Auswirkungen die Ereignisse des Jahres 1968 auf unsere europäische Gegenwart haben und welche Verbindungen zwischen linken und rechten Bewegungen bestehen, diskutieren sechs internationale Expertinnen und Experten auf Einladung des Goethe-Instituts und der Kursbuch Kulturstiftung auf der Tagung „1968 und die Neuen Rechten. Europäische Perspektiven“, die am 7. November 2018 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg stattfindet.
 
Hamburg
7. November 2018

Das Jahr 1968 wird assoziiert mit Studenten-Unruhen, Klassenkampf und einer Gegenmacht in Form von Restriktionen durch staatliche und polizeiliche Gewalt vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien, während in Osteuropa Demokratisierungsversuche wie der Prager Frühling und ihre Zerschlagung mit diesem Jahr verbunden sind – ein vermeintlich kurzes Aufflammen von Rebellion und Widerstand.

Doch der Geist von 1968 erlosch nicht einfach, sondern entwickelte sich intellektuell und ideologisch bis heute weiter. Dies zeigt sich im Linksradikalismus und dem Deutschen Herbst sowie überraschenderweise auch in neurechten politischen Strömungen. Womöglich war das prägende Jahr 1968 vor einem halben Jahrhundert auch das Geburtsjahr der Neuen Rechten, die sich die Methoden ihrer politischen Gegner aneigneten. Heute bedrohen rechtsradikale und rechtspopulistische Parteien und Gruppierungen die liberal-demokratischen Gesellschaften fast überall in Europa.

Bedrohungen für liberale Gesellschaften

Wie hängen die Bewegungen der 1960er Jahre mit heutigen rechtspopulistischen Bewegungen zusammen, welche Strategien verbergen sich hinter beiden Ideologien? Diesen Fragen geht die Tagung „1968 und die Neuen Rechten. Europäische Perspektiven“ nach, die auf Initiative des Goethe-Instituts und der Kursbuch Kulturstiftung am 7. November 2018 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg stattfindet. Sechs Expertinnen und Experten diskutieren die Bedeutung von '68 für die Gegenwart in Deutschland, Frankreich, Polen und Russland, beziehungsweise für Europa insgesamt. Zu ihnen gehören Joanna Wawrzyniak, Soziologin und Historikerin an der Universität Warschau, Greg Yudin, Professor für Politische Philosophie an der Moskauer Schule für Sozialwissenschaften und Ökonomie, der Soziologe und Publizist Thomas Wagner, Christina von Braun, Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Filmemacherin, Emile Chabal, Professor für Geschichte an der Universität Edinburgh, und Armin Nassehi, Lehrstuhlinhaber für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 

Von links nach rechts?

In dem Programmblock „Von links nach rechts?“ spricht Joanna Wawrzyniak über „Polarisierungen in der polnischen Intellektuellen Szene‟ zwischen 1968 und 2018. In Polen ist das Jahr '68 in intellektuellen und politischen Kreisen bis heute umstritten, da die Unterdrückung der Studentenproteste damals von einer nachhallenden antisemitischen Kampagne begleitet wurde, die zur Auswanderung tausender polnischer Juden führte.
 
Im Anschluss beleuchtet Greg Yudin unter dem Titel „Populismus: linke Theorie und rechte Strategie?“ die Ursprünge des Populismus in der linken Theorie bis zur heutigen Instrumentalisierung durch die Rechten. Thomas Wagner beschreibt abschließend in seinem Vortrag „Eine rechte Volkspartei im Windschatten von 1968“ den politischen Lagerkampf um die soziale Frage, ein traditionell linkes Thema, das die Neuen Rechten ihm zufolge den etablierten Linken streitig machen wollen.

Was bleibt von 68?

Im zweiten Tagungsteil „1968. Was bleibt?“ spürt unter anderem Emile Chabal dem Anti-68-Konsens von Konservativen und Liberalen nach, der den Boden für die heutige Rechte in Frankreich bereitete. Christina von Braun beschäftigt sich in ihrem Vortrag mit dem Wandel, der durch das Jahr 1968 vor allem auf dem Gebiet der Gleichberechtigung angestoßen wurde, und wie dieser die heutige Zeit noch immer prägt. Um „identitäre Posen“, die womöglich einen neuen Kulturkampf inszenieren, geht es im Beitrag von Armin Nassehi, der einen kritischen Blick auf „Dauerberieselung“ durch Popmusik, Dauerreflexion und Dauermoralisierung wirft.

Die Tagung findet im Rahmen der Ausstellung „68. Pop und Protest“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg statt. Eine kostenlose Führung durch die Ausstellung ist Teil des Tagungsprogramms.
 
Die Tagung „1968 und die Neuen Rechten. Europäische Perspektiven“ ist eine Veranstaltung des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit der Kursbuch Kulturstiftung und dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.
 

Kontakt

Hannah Cuvalo
Pressereferentin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906-471
hannah.cuvalo@goethe.de
 
Mechtild Manus
Bereich Bildung und Diskurse
Goethe-Institut e.V.
Tel. +49-89-15921-818 
manus@goethe.de

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