27. Januar 2026
Zukunftsauftrag des Goethe-Instituts: für Deutschland in der Welt
Zum Jahresauftakt skizzierten die Präsidentin des Goethe-Instituts Gesche Joost und Generalsekretär Johannes Ebert den Auftrag der Institution. 75 Jahre nach seiner Gründung prägt das Goethe-Institut als größte deutsche Kulturinstitution maßgeblich die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Die weltweite Arbeit ist wichtiger denn je: Mit seiner kulturpolitischen Expertise trägt das Goethe-Institut zu gesellschaftlicher Resilienz und Sicherheit bei und schafft Räume des freien Austauschs. Mit Angeboten etwa zur Fachkräfteeinwanderung leistet es einen konkreten Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
In einer zunehmend fragmentierten, multipolaren Welt stehen liberale Demokratien weltweit unter Druck. Aus systemischen Rivalitäten, hybriden Bedrohungen und dem Wettbewerb von Wirtschaftsstandorten erwächst auch für die Bundesrepublik eine große Herausforderung. Beim Jahrespressegespräch in Berlin betonte die Präsidentin des Goethe-Instituts Gesche Joost die zentrale Rolle der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als elementarer Bestandteil der Außenpolitik. Für die Wahrnehmung Deutschlands als Land freiheitlicher Werte leiste das Goethe-Institut einen entscheidenden Beitrag. In einer internationalen Ordnung, in der kulturelle Ausdrucksfreiheit, freie Meinungsäußerung und unabhängige Wissenschaft und Bildung zunehmend unter Druck geraten, bietet das Goethe-Institut wichtige Diskursräume. Diese ermöglichen offene Auseinandersetzung, kritische Reflexion und kulturellen Austausch. Auf das Netzwerk dieser auf Vertrauen basierenden Beziehungen sei gerade in schwierigen Zeiten Verlass.
Schlüsselakteur der Fachkräfteeinwanderung
Gesche Joost hob auch die zentrale Bedeutung von Fachkräfteeinwanderung für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands hervor. Sie verwies darauf, dass der demografische Wandel und der zunehmende Fachkräftemangel zu den größten strukturellen Herausforderungen unserer Zeit zählen. Bis 2039 werden rund 13,4 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter erreichen – eine Entwicklung, die Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen fordert. Trotz konjunktureller Schwankungen bleibe die Frage der Fachkräftesicherung auch durch Zuwanderung langfristig entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Joost hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Goethe-Instituts hervor: „Fachkräfteeinwanderung ist elementar für die Zukunft des Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir bauen Brücken zwischen dem Ausland und Deutschland. Mit Deutschkursen, Prüfungen und kultursensibler Vorbereitung und in Zusammenarbeit mit starken Partnern schaffen wir weltweit eine verlässliche Infrastruktur für Menschen, die in Deutschland studieren, arbeiten oder eine Ausbildung beginnen wollen. Unsere Projekte begleiten den gesamten Prozess – von der Migrationsentscheidung im Herkunftsland bis zum Ankommen in Deutschland. Es ist wichtig, dass Zuwandernde gut vorbereitet sind, um erfolgreich in Deutschland anzukommen und langfristig zu bleiben. Genauso wichtig ist es jedoch, dass Unternehmen und die Gesellschaft bereit sind, diesen Weg aktiv mitzugestalten.“
Neue Standorte
Der Generalsekretär und Vorstandsvorsitzende des Goethe-Instituts Johannes Ebert verwies in Bezug auf den Zukunftsauftrag der Institution auf die Neueröffnungen in Houston, Texas, sowie in Chişinău, Republik Moldau. „Im Rahmen der Transformation des Goethe-Instituts haben wir es uns auch zum Ziel gesetzt, in den USA neue Zielgruppen im Inneren des Landes besser zu erreichen und in Europa in Regionen, wo unterschiedliche politische Systeme aufeinandertreffen, stärker aktiv zu werden.“ Die beiden Orte stünden sinnbildlich für die geopolitische Ausrichtung der Arbeit des Goethe-Instituts sowie für eine neue, agile Präsenzform der Institution. Derzeit plane man die Einrichtung weiterer Außenstellen in St. Louis (Missouri, USA) und Lublin (Polen). Dies spiegele die hohe Flexibilität des Goethe-Instituts gerade in unruhigen Zeiten.
Kultur und Sicherheit
Das Goethe-Institut verstehe Kulturaustausch als wichtigen Beitrag für Frieden und Stabilität. In einer Welt, die von geopolitischen Verschiebungen und gezielter Desinformation geprägt ist, schaffe kulturelle Zusammenarbeit Räume für Dialog und Vertrauen. Sie stärke gesellschaftliche Resilienz und eröffne Perspektiven, wo andere außenpolitische Instrumente an ihre Grenzen stoßen. Seit Jahrzehnten engagiert sich das Goethe-Institut in diesem Sinne auch in fragilen und autoritär geprägten Kontexten. Ebert unterstrich: „Der kulturelle Austausch ist eine Voraussetzung für internationale Verständigung zwischen Menschen und Gesellschaften. Wir fördern Offenheit und Dialog – eine wesentliche Grundlage für gesellschaftliche Resilienz und Frieden. Der Beitrag des Goethe-Instituts ist deshalb auch als Beitrag zu einer sicherheitspolitischen Gesamtarchitektur der Bundesrepublik zu sehen.“
Transformation und Haushalt
Im Jahr 2026 liegt die institutionelle Förderung durch das Auswärtige Amt bei rund 232 Millionen Euro. Sie liegt damit gemäß Bundeshaushaltsplan 3 Millionen Euro über dem Vorjahr. Der Anstieg resultiert jedoch ausschließlich aus einer Überführung von Projektmitteln in Höhe von 4 Millionen Euro in die institutionelle Förderung. Bereinigt um diesen Effekt sinken die Zuwendungen gegenüber dem Vorjahr um eine Million. Die Förderung durch Bundesmittel nehme seit 2021 kontinuierlich ab und liege damit noch unter dem Niveau von 2018, so der Generalsekretär. Dieser Herausforderung stellt sich die Institution. Der umfangreiche Transformationsprozess der letzten drei Jahre ist in weiten Teilen plangemäß abgeschlossen. Das finanzielle Ziel war es, durch die Absenkung von Strukturkosten um insgesamt 25 Millionen die inhaltliche Arbeit und das Netzwerk zu stärken. Dies werde jedoch aufgrund weiterer Haushaltskürzungen in diesem Zeitraum nur in Teilen erreicht. Man werde angesichts der veränderten Finanzlage und weltweiter Kostensteigerungen weiterhin ein strenges Monitoring der Strukturkosten betreiben. Gleichzeitig appellierte Ebert an die Politik, das Goethe-Institut zu stärken und die finanzielle Situation zu stabilisieren: „Das Netzwerk des Goethe-Instituts ist für Deutschland in diesen unruhigen Zeiten unverzichtbar. Deshalb werben wir für eine bedarfsgerechte Ausstattung.“, sagte er. Erfreut zeigte sich Ebert über die Ergebnisse im Sprachkurs- und Prüfungsgeschäft im In- und Ausland sowie im Bereich der Drittmittel. Die Umsatzerlöse aus der Spracharbeit (Sprachkurse und Prüfungen) für das Jahr 2025 erreichten mit über 156 Millionen Euro weltweit ein erneutes Rekordniveau. Auch die Nachfrage nach zertifizierten Deutschprüfungen sei mit rund 1,1 Million abgenommenen Prüfungen im In- und Ausland so hoch wie nie zuvor. Diese Entwicklungen seien positiv, aber auch mit Vorsicht zu genießen, so Generalsekretär Ebert: „Wir freuen uns über die wirtschaftlich positive Entwicklung im Sprachbereich. Dennoch bleibt die Gesamtlage volatil: Denn das Kursgeschäft reagiert empfindlich auf globale Schwankungen, und konjunkturelle Entwicklungen.“ Von großer Bedeutung sei deshalb auch die Einwerbung von Drittmitteln. Die EU-Mittel hätten sich von Jahr zu Jahr deutlich erhöht und lägen im Jahr 2025 bei 28,4 Millionen Euro. Das Goethe-Institut realisiert mehrere umfangreiche EU-Projekte. Ein Beispiel ist die Fortsetzung des größten Austauschprogramms für Kulturschaffende in Europa, Culture Moves Europe, mit einem Gesamtvolumen von 25 Millionen Euro.
75 Jahre Goethe-Institut
Im Jubiläumsjahr beteiligen sich Goethe-Institute weltweit an einem Programm mit interdisziplinären Festivals, Konzerten, Performances, Filmreihen und Diskussionsformaten. Viele Projekte starten im Ausland, bevor ausgewählte Beiträge zum Abschluss in Deutschland präsentiert werden. Ab Frühjahr bis in den Herbst wird die internationale Sprach- und Kulturarbeit des Goethe-Instituts an verschiedenen Orten in Deutschland sichtbar werden. Das vollständige Jubiläumsprogramm sowie die Jubiläumswebseite werden Ende März veröffentlicht.
Weitere Informationen finden Sie hier: www.goethe.de/pressemappe
Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Mit derzeit 154 Instituten in 100 Ländern fördert es die Kenntnis der deutschen Sprache, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit und vermittelt ein aktuelles Deutschlandbild. Durch Kooperationen mit Partnereinrichtungen an zahlreichen weiteren Orten verfügt das Goethe-Institut insgesamt über rund 1.000 Anlaufstellen weltweit. www.goethe.de
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