Weltreise. Kunst aus Deutschland

Weltreise © ifa

Fr, 11.10.2019 -
So, 08.12.2019

Galerie "Kapana" / Ausstellungshalle "2019"

Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) zeigt eine deutsche Wanderausstellung zeitgenössischer Kunst zum ersten Mal in Bulgarien.

Kuratoren: Matthias Flügge, Matthias Winzen
Wann: 11.10- 8.12.2019
Wo: Galerie "Kapana" (Str."Raiko Daskalov" 29), Ausstellungshalle "2019" (Str. William Gladstone 32)
Ausstellungseröffnung: 11.10, 18:30 Uhr
Öffnungszeiten: Di.-So., 10:30-19:00 Uhr


Sichtungen. Zur Ausstellung
 
Als wir zur Sichtung und zum kuratorischen Ordnen des Kunstbestandes des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) eingeladen wurden, wurde bald klar, dass diese Sammlung von Kunst, die im Verlauf von sechzig Jahren in Deutschland entstanden war, Werke und Einsichten bereithielt, denen eine konventionelle Präsentation kaum genügen würde. Wir haben versucht, ein spezifisches, so noch nicht gezeigtes Bild der Kunstgeschichte seit den späten 1940er Jahren in Deutschland nachzuzeichnen.

23.000 Kunstwerke von etwa 2000 Künstlerinnen und Künstlern wurden gesichtet, ca. 320 Arbeiten von etwa 90 Künstlerinnen und Künstlern wurden ausgewählt.
 
Die jeweilige Zeitgenossenschaft der für das ifa tätigen Kuratorinnen und Kuratoren hat die Substanz des Bestandes in besonderer Weise geprägt. Daraus resultieren für die Kunstgeschichte bedeutsame Einsichten. Zum Beispiel wird deutlich, wie Video und Videoskulptur technisch und rezeptionsgeschichtlich mehr und mehr Aufmerksamkeit gewannen, wie sich die Fotografie seit den 1950er Jahren zu einer autonomen Bildkunst entwickelte und wie sehr sie gleichwohl in Wechselbeziehung zu den anderen künstlerischen Praktiken steht und dabei die permanente Verknüpfung von Kunstwelt und sozialen wie politischen Themen widerspiegelt.

Sehr gut nachzuvollziehen ist auch, wie die Rolle von Künstlerinnen seit den 1970er Jahren parallel zu den gesellschaftlichen Entwicklungen beständig wichtiger wurde. Folgerichtig wurden Werke von Ulrike Rosenbach, Rebecca Horn, Christiane Möbus, Katharina Fritsch, Rosemarie Trockel und anderen für Ausstellungen angekauft und damit feministische Thematiken der Kunst seit den 1970er Jahren ebenso wie die zunehmend selbstverständliche Bedeutung von Künstlerinnen für das Kunstgeschehen dokumentiert.
 
Ein wichtiger Aspekt der Sichtung waren auch die persönlichen Verbindungen der Kuratorinnen und Kuratoren zu den Künstlerinnen und Künstlern, die oft der gleichen Generation angehörten oder über besonders ausgeprägte Kenntnisse von deren Werk verfügten. Diese Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern bewirkte auch, dass die prozessorientierten, schwer musealisierbaren, eher sammlungsresistenten Praktiken der Fluxus-Bewegung heute, nach weltweit sehr erfolgreichen Tourneeschauen, einen beeindruckenden Schwerpunkt des ifa-Bestandes bilden.
 
Vor allem wurde bei genauerer Betrachtung der Bestände sehr bald deutlich, dass sich hier erstmals eine Darstellung von Kunst aus Deutschland zeigen lässt, die mit dem künstlerisch unergiebigen BRD-DDR-Schema bricht. Während bislang die Kunstentwicklung in der DDR als Sonderfall einer hermetisch abgeschlossenen Exklave betrachtet und bis heute mit großem Aufwand als solcher erforscht und ausgestellt wird, ergab sich hier erstmals die Möglichkeit einer neuen Erzählung der über vier Jahrzehnte parallel laufenden deutschen Kunstgeschichten. Sie zeigt, dass die tatsächliche Entwicklung der Kunst sich nicht nach den Maßgaben der politischen Geschichte richtete. Vielmehr entstanden Themen und Techniken in Ostberlin und Köln, in Annaberg und Oberkassel, in Dresden und München aus den künstlerischen Arbeitsprozessen selbst, die ihrerseits heute viele Parallelen und untergründige Beziehungen offenbaren. In Gegenüberstellungen versuchen wir dies anschaulich zu machen, etwa zwischen Gerhard Altenbourg, Bernhard Schultze und den Zeichnungen von Joseph Beuys, Hermann Glöckner und Hans Uhlmann, Arno Fischer und Chargesheimer, Sibylle Bergemann und Barbara Klemm, Manfred Butzmann und Klaus Staeck oder in der jüngeren Generation zwischen Julian Röder und Wolfgang Tillmans. Dabei sind neben zeitspezifischen Verbindungen auch große Unterschiede zu entdecken, die nicht nivelliert, sondern klar herausgearbeitet werden.
 
Die besondere Qualität der Ausstellung besteht in dem großen Anteil an Arbeiten auf Papier, von Hannah Höch über Norbert Kricke oder Sigmar Polke bis hin zu Jorinde Voigt. Das ermöglicht eine Erzählung, die mit weitgehend unbekannten und oft erstaunlichen Exponaten umgeht.
 
Die Ausstellung ist im Wesentlichen chronologisch aufgebaut und arbeitet innerhalb dieser Chronologie mit ungewöhnlichen und erhellenden Konfron­tationen unterschiedlicher Sprachweisen - sowohl im Ost-West-Vergleich wie auch im Zusammentreffen individueller Widersprüche. In zusammenhängenden Themenfeldern werden als „Cluster" Schwerpunkte besonders herausgehoben (Nachkriegskunst zwischen Realismus und Abstraktion, Pop Art, Fluxus, sozial orientierte Autorenfotografie, die Bechers und ihre Schule etc.).
 

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