In diesem Roman überlagern sich die menschlichen Geschichten und bilden ein ganz eigenes Palimpsest, einen verdichteten Text, der eine vielschichtige und vielstimmige Erzählung über Armenien und die Armenier vermittelt, die immer wieder aufs Neue ihre dramatische Geschichte durchleben. Tatsächlich erinnert er an jene Familienbibel, in der sich auf die große Erzählung von Irren und Erlösung immer weitere Mikroerzählungen auflagern – von Leben und Tod der in den Strudel der Geschichte geworfenen Menschen. Hier sind Löwen ist ein hervorragendes Beispiel für die kulturelle Offenheit der deutschen Gegenwartsliteratur. Ihre Wege der Selbsterkenntnis führen durch das, was fern und fremd ist, zugleich aber universal, wichtig und schön.