Im Wandel der Zeit versuchten Philosophen immer wieder, dem Wort ‚Imagination‛ eine neue Bedeutung zu verleihen. All diesen Versuchen lag die grundlegende Funktion der Vorstellungskraft zugrunde: Die unsichtbare Alchemie des Verstandes, die sich noch nie dagewesene Möglichkeiten ausmalen und diese darstellen kann. Heute – bald zwei Jahre nach Beginn einer Pandemie, in der die Menschheit durch ein Virus gefährdet wird – ist es an der Zeit, einen neuen Blick auf die heilende Kraft der Imagination in einer krisengeschüttelten Welt zu werfen. An zwei Tagen sollen die Sprecher:innen des Symposiums über eine Reihe von Themen diskutieren und debattieren, darunter Kunst und Krise; kreative Herausforderungen angesichts eines ideologischen Krieges; die Auswirkungen künstlicher Intelligenz und die Erweiterung der Imaginationsgrenzen durch die virtuelle Welt. Diskutiert wird zudem über die zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen Film, bildender Kunst, Musik und Performance; über die zeitgenössische Rolle von Museen und Universitäten im 21. Jahrhundert und über Außenansicht und Inhalte – die Form- und Inhaltsdebatte übertragen auf die Architektur.
Das Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Kolkata präsentiert in zwei Symposiums-Sitzungen zwei international renommierte Expert:innen.
Sitzung 1
Sonntag, 06. Februar 2022, 17:30 Uhr - 19:00 Uhr IST
Die zeitgenössische Rolle der Museen und Universitäten im 21. Jahrhundert
Museen heutzutage sind keine bloßen Sammlungen von Kunst und Artefakten mehr. In ihnen geht es nicht mehr nur um die Vergangenheit. Die Verantwortung von Museen hat sich von der Sammlung, dem Erhalt und dem Austausch von Kollektionen auf die Ausformung und Bildung von Identitäten, die Umformung kultureller Narrative und die Rolle als Antrieb des sozialen Wandels ausgeweitet. Ein Museum ist nicht mehr nur der Ort, an dem man Kunst betrachten kann, sondern regt Menschen, Künstler:innen und das Publikum zur Reflexion und Hinterfragung an. Wie auch Universitäten sind Museen zu Räumen des Ideenaustauschs und des Umsturzes geworden. Dennoch entfachte ein neuer Definitionsvorschlag des International Council of Museums eine internationale Debatte, da Museen dort als ‚demokratisierende, inklusive und polyfone Orte für kritische Dialoge über Vergangenheit und Zukunft‛ bezeichnet wurden. Daher stellt sich die Frage danach, welche Rolle Museen heute und in der Zukunft übernehmen sollten?
Moderiert von Alka Pande, Consultantin, Kunstberaterin und Kuratorin der Visual Arts Gallery des India Habitat Centre, Neu-Delhi. An der Sitzung beteiligen sich Sprecher:innen wie Gail Lord, Präsident und Mitbegründer von Lord Cultural Resources; Romita Ray, außerordentliche Professorin für Kunst- und Musikgeschichte an der Syracuse University; Amareswar Galla, Vorsitzender der UNESCO für inklusive Museen und nachhaltige Kulturerbeentwicklung an der Anant National University, Indien und emeritierter Professor an der Australian National University, Canberra; Navina Najat Haidar, leitende Kuratorin am Metropolitan Museum of Art, New York und Susanne Pfeffer, Direktorin am Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main.
Sitzung 2
Montag, 07. Februar 2022, 13.00 Uhr – 14.15 Uhr IST
Building Worlds – Imagining (better) Futures
Die Kunst hat sich seit jeher mit gegenwärtigen Ereignissen befasst, neue Technologien für die ästhetische Produktion genutzt und über deren Einfluss auf uns und die Gesellschaft reflektiert. Unsere Welt wird mit digitalen Technologien überflutet und viele dieser Vorrichtungen sind bereits zu einem Teil unserer selbst geworden. Unsere alltägliche Interaktion mit intelligenten algorithmischen Systemen und die Macht, die wir Maschinen in vielen Lebensbereichen einräumen, erzeugen immer neue verflochtene Realitäten, die gemeinsam von Menschen und intelligenten Systemen erschaffen werden. Sabine Himmelsbach beleuchtet diese Themen aus ihrer kuratorischen Perspektive und zieht dazu Beispiele aus den Ausstellungen des HEK (House of Electronic Arts) in Basel, Schweiz, heran. Zu den angeführten Werken zählen interaktive Installationen, künstliche Intelligenz sowie Spielewelten oder Videoinstallationen, die herausfordern, provozieren und erforschen, wie diese Technologien unsere Welt beeinflussen und verändern. Zudem geht es um die Frage, wie Künstler:innen auf kreative Weise in diese Debatten eingreifen, bereits bestehende Systeme kritisch hinterfragen oder sogar neue visionäre Lösungen für eine Zukunft finden, in der wir eine bessere Koexistenz mit unserer Umwelt aufrechterhalten können.
Vortrag von Sabine Himmelsbach, Direktorin, HEK (Haus der elektronischen Künste), Basel gefolgt von einer Frage- und Antwortrunde, die moderiert wird von Astrid Wege, Direktorin, Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Kolkata.
Susanne Pfeffer ist Kuratorin und Kunsthistorikerin und seit Januar 2018 Direktorin des Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main. Zwischen 2013 und 2017 war sie Direktorin des Fridericianum in Kassel. Zuvor war sie sechs Jahre (2007-2012) als Chefkuratorin des KW Institute for Contemporary Art in Berlin und als Kuratorin und Beraterin für das MoMA PS1 in New York tätig, an dem sie 2009 von AICA USA für ihre Ausstellung ‚Kenneth Anger‛ ausgezeichnet wurde. Von 2004 bis 2006 war sie künstlerische Leiterin am Künstlerhaus Bremen. Susanne Pfeffer war international als Gastkuratorin auf der São Paulo Biennale, der Lyon Biennale, am Tel Aviv Art Museum, dem Museum Boijmans Van Beuningen, dem Museum of Modern Art in Warschau und dem Museion in Bolzano aktiv. Auf der 57. International Art Exhibition – La Biennale di Venezia (2017) wurde sie für ihre Präsentation von Anne Imhof im Deutschen Pavillon mit dem Goldenen Löwen für ‚Best National Participation‛ ausgezeichnet. 2015 kuratierte sie den Schweizer Pavillon in Venedig. Susanne Pfeffer ist Herausgeberin zahlreicher Künstlermonografien und Ausstellungskataloge.
Sabine Himmelsbach ist seit 2012 Direktorin des House of Electronic Arts (HEK) in Basel. Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte in München war sie zwischen 1993 und 1996 für Galerien in München und Wien tätig und wurde danach Projektmanagerin für Ausstellungen und Konferenzen für das steirischer Herbst-Festival in Graz, Österreich. 1999 wurde sie Ausstellungsleiterin am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Von 2005 bis 2011 war sie künstlerische Leiterin des Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg, Deutschland. 2011 kuratierte sie im Rahmen des Programms für die Europäische Kulturhauptstadt Tallinn am dortigen Kumu Art Museum „gateways. Kunst und vernetzte Kultur‟. Zu ihren Ausstellungen am HEK in Basel zählten „Ryoji Ikeda‟ (2014), „Poetics and Politics of Data‟ (2015), „Rafael Lozano-Hemmer: Preabsence‟ (2016), „unREAL‟ (2017), „Lynn Hershman Leeson: Anti-Bodies‟, „Eco-Visionaries‟ (2018), „Entangled Realities. Leben mit künstlicher Intelligenz‟ (2019), „Making FASHION Sense‟ (2020) und „Real Feelings. Emotion and Technology‟ (2019). 2021 kuratierte sie für die Goethe-Institute in Südostasien die Online-Ausstellung und –konferenz „Hybrid by Nature. Human.Machine.Interaction‟. Als Schriftstellerin und Dozentin widmet sie sich Themen mit Bezug zu Medienkunst und digitaler Kultur.
Das Symposium ist eine Begleitveranstaltung der CIMA Awards 2022 und wird gemeinsam vom Centre of International Modern Art (CIMA), Kolkata, und der Ashoka University präsentiert.