Lars Meese

lars - gruppenbild © Goethe-Institut Bangalore

Vorbereitungsphase
Der Wunsch nach mehr Auslandserfahrung, und das nicht als Tourist, bestand eigentlich schon mit Beginn meines Studiums. Nicht nur zur Aufwertung des Lebenslaufs, sondern auch zur eigenen persönlichen Weiterentwicklung. Ich beschloss also, Anfang Sommer 2016, mehrere Optionen für Auslandspraktika zu recherchieren und wurde dabei beim Goethe-Institut fündig. Nach einiger Zeit erhielt ich dann eine positive Rückmeldung aus Indien, genauer gesagt aus dem südindischen Bangalore. Insgesamt bestand der Bewerbungsprozess aus der Einreichung der erforderlichen Unterlagen, einem längeren Skype-Gespräch und der letztendlichen Zusage. Die Vorbereitung auf die Zeit in Indien lief eigentlich relativ reibungslos, auch weil ich aus dem Goethe-Institut in Bangalore viel Unterstützung durch meine Vorgängerin erfahren habe. Seien es Fragen zur Visabeantragung oder zur Suche nach einer Unterkunft. Letzteres wurde mir auch zu großen Teilen abgenommen, da das Institut mit mehreren Einheimischen in Kontakt steht und somit für PraktikantInnen immer Wohnoptionen parat hat.
Lars - Eröffnung Biffes © Lars Meese Die Zeit in Bangalore und am Goethe-Institut
Ausgeschrieben als IT-Hauptstadt und eine der Green Cities Indiens, kommt einem die Millionen-Metropole Bangalore auf den ersten Blick wahrscheinlich vor wie ein Hub für Touristen die weiter in den Süden des Landes reisen wollen. Doch gerade durch die Arbeit am Goethe-Institut habe ich erfahren, wie viel mehr diese Stadt zu bieten hat. Gut, wirkliche Sehenswürdigkeiten die mit denen in Delhi, Mumbai oder Kolkata mithalten können gibt es nicht, dafür aber eine florierende Kunst- und Kulturszene. Durch meine Tätigkeit am Goethe-Institut, war ich mit dieser Szene nahezu in alltäglichem Kontakt. Aufgrund mehrerer großer und kleiner Projekte und Kooperationen, arbeitet das Institut mit Galerien, Kollektiven von Kunstschaffenden, Schauspiel- und Tanzakademien usw. zusammen. Im Vordergrund steht hierbei nicht nur der Kulturaustausch von Deutschland nach Indien, sondern auch umgekehrt. Das beste Beispiel ist wahrscheinlich das Residenzprogramm ‚bangaloREsidency‘, vor einigen Jahren geschaffen für KünstlerInnen die in Deutschland leben und arbeiten. Das Projekt ist mittlerweile so erfolgreich und gefragt, dass seit diesem Jahr mit der ‚bangaloREsidency Expanded‘ - Initiative eine Möglichkeit geschaffen wurde, indische KünstlerInnen wiederum nach Deutschland zu schicken.

Lars - buntes Kochi © Lars Meese Grundsätzlich war mein Arbeitsalltag mit allerhand abwechslungsreichen Aufgaben gefüllt. Als ich zum Jahreswechsel in Bangalore ankam, war die zuvor angesprochene Residency schon in ihren Schlussakkorden und mir wurde prophezeit, dass die nächsten Wochen und Monaten für die Kulturabteilung ruhiger werden würden. Zum Glück, traf das aber nicht ein. Bereits im Januar mussten noch Abschlussveranstaltungen zweier bangaloREsidenten organisiert, promotet und durchgeführt werden. Das hieß für mich, die Künstlerbetreuung meiner VorgängerInnen übernehmen und weiterführen, sowie die Veranstaltungen auf der hauseigenen Webpage und den Social-Media-Kanälen bewerben, Fotos schießen sowie bearbeiten und den Pressespiegel nacharbeiten. Gut für mich, wurde ich somit gleich in das Geschehen eingebunden und durfte mich mit mehr oder weniger freier Hand austoben. Ebenfalls zur Tätigkeit der PraktikantInnen gehört nicht nur der achtstündige Arbeitstag, der bei wichtigen Veranstaltungen auch gerne mal etwas länger sein kann oder auch am Wochenende stattfindet, sondern auch das Präsentsein auf diversen abendlichen Veranstaltungen, wie z.B. Ausstellungs- und Gallerieeröffnungen von Kooperationspartnern oder Tanz- bzw. Schauspielperformances die durch das Goethe-Institut gefördert werden. So hat man nicht nur einen vollen Terminkalender, sondern schüttelt auch reichlich Hände von wichtigen Akteuren der hiesigen Kunst- und Kulturszene. Im weiteren Verlauf meiner Praktikumszeit standen außerdem das Internationale Film Festival und die ATTAKKALARI India Biennal an, das größte Festival für zeitgenössischen Tanz in Südasien. Für meine KollegInnen und mich galt es, die Werbetrommel vor allem für unsere Einreichungen zu rühren (deutsche Filme auf dem Film Festival und Performances mit deutschen bzw. in Deutschland lebenden Künstlern). Positiver Nebeneffekt: kostenloser Eintritt zu allen Veranstaltungen und den jeweiligen Empfängen am Eröffnungstag. Darüber hinaus fanden weiterhin Veranstaltungen am Max Mueller Bhavan statt, z. B. das Bangalore Queer Film Festival, der allmonatliche Filmstammtisch der Sprachabteilung, Vorträge von externen Partnern zu verschiedenen Themen usw.

Lars - das Taj Mahal © Lars Meese Welches Fazit lässt sich für mich aus der Tätigkeit am Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan ziehen. Erstens, ich bin von Tag Eins an in die Arbeit der Kulturabteilung einbezogen worden. Ich wurde nicht nur als Handlanger für „Copy & Paste“-Aufgaben genutzt, sondern konnte sofort eigene Ideen einbringen und selbstständig umsetzen, dabei immer auf Augenhöhe mit den KollegInnen agieren. In vielen Praktikabeschreibungen wird ja meist von einem breiten Aufgabenspektrum gesprochen und am Ende sitzt man doch wieder nur da und recherchiert irgendwelche unwichtigen Sachen oder füllt Excel-Tabellen aus. Ich bin sehr glücklich, dass dies am Goethe-Institut Bangalore absolut nicht der Fall war. Auch wenn man jeden Tag einige grundlegende Aufgaben zu erledigen hatte und so eine gewisse Struktur im Arbeitsalltag bestand, wurde es nie langweilig.
 
Alles in allem, habe ich die Entscheidung für ein Auslandspraktikum am Goethe-Institut und besonders in Indien nie bereut. Nicht nur, weil es wirklich ein Zugewinn für meinen Lebenslauf und meine Arbeitserfahrung darstellt, sondern auch die vielen persönlichen Eindrücke die mir die Zeit hier beschert hat.