Solo Sunny
Konrad Wolf Retrospektive

Konrad Wolf, DDR, Spielfilm, 1978-80, 104 Min.
 

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Die Arbeit in der Fabrik hat sie aufgegeben. Jetzt steht Ingrid Sommer, die sich „Sunny“ nennt, als Sängerin zwischen Dilettantismus und Professionalismus. Mit der Band „Tornados“ tingelt sie durch die Provinz und wartet immer noch auf das ganz große, erfolgreiche Solo. Für die schnelle Karriere ist Sunny vielleicht zu naiv – und sicher zu ehrlich und auf eine sehr menschliche Weise auch zu anspruchsvoll. In der heruntergekommenen Hinterhofwohnung am damals vom Berliner Szene-Viertel noch Lichtjahre entfernten Prenzlauer Berg gibt’s Ärger mit einer alten Nachbarin; nach einer „Eingabe“ muss sich Sunny wegen ihres Lebenswandels vor der Volkspolizei rechtfertigen. Sie nimmt schon mal einen Kerl mit auf die Bude und wirft ihn am Morgen wieder raus: „Is' ohne Frühstück“, sagt sie, „und is' auch ohne Diskussionen!“ Sunny will selbst wählen und sich nicht vereinnahmen lassen. Weder vom Saxophonisten Norbert, der meint, er müsse sie nur mit der nötigen Gewalt anpacken, noch vom Taxifahrer Harry und seiner rührend dämlichen Beharrlichkeit. Sunny verknallt sich in Ralph, den egozentrischen Diplom-Philosophen, und macht die Erfahrung, dass sie ersetzbar ist: Aus der Band fliegt sie raus, weil sie sich als zu unbequem erweist; als sie hilfesuchend zu Ralph eilt, hat der eine andere im Bett. Sunny unternimmt einen Selbstmordversuch, kehrt vorübergehend in die Fabrik zurück und stellt sich am Ende einer neuen, jungen und unverbrauchten Band vor. Während die Kamera noch über die Dächer der Hinterhöfe vom Prenzlauer Berg schwenkt, hört man, wie die Musik der Jungen in die Klänge von Sunnys Solo-Nummer übergeht, für die Ralph einen englischen Text verfasst hat.
 
Konrad Wolf (*1925-†1982), im württembergischen Hechingen geboren; sein Vater: der Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf. 1933 emigrierte die Familie aus Deutschland, ab 1934 lebte sie in der Sowjetunion. Konrad Wolf trat 17jährig in die Rote Armee ein; 1945 kam er, sowjetischer Leutnant inzwischen, nach Deutschland zurück, nahm an der Schlacht um Berlin teil. Nach dem Krieg wurde er Kulturreferent der Sowjetischen Militärverwaltung. 1949 begann er ein Regiestudium an der Moskauer Filmhochschule. 1954/55 entstand seine Diplomarbeit (der DEFA-Spielfilm „Einmal ist keinmal“). Seitdem arbeitete er als Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme. Konrad Wolf war Mitglied des ZK der SED, seit 1965 war er außerdem Präsident der Akademie der Künste der DDR. 56jährig ist Konrad Wolf am 7. März 1982 gestorben. (Klaus Eder)
 
Filmografía (Auswahl): 1961: Professor Mamlock, 1964: Der geteilte Himmel, 1968: 1972: Sonnensucher, 1971: Goya – oder der arge Weg der Erkenntnis, Ich war neunzehn, 1980: Solo Sunny

Programm in Cineteca Nacional

Samstag 24.8.     
                              21:00 Solo Sunny
 
Sonntag 25.8.      
                              20:30 Solo Sunny