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20:00 Uhr

Nosferatu
von Friedrich Wilhelm Murnau

Filmvorführung mit Live-Vertonung|Den Día de Muertos feiert das Centro Nacional de las Artes (Cenart) dieses Jahr auf eine ganz besondere Weise: es zeigt den deutschen Stummfilmklassiker Nosferatu mit Live-Vertonung durch das Orquesta Escuela Carlos Chávez, den Akkordeonisten Iñaki Alberdi und den Coro femenino del Sistema Nacional de Fomento Musical unter der Leitung von José María Sánchez-Verdú.

  • Centro Nacional de las Artes, Ciudad de México

  • Sprache Stummfilm mit deutschem Text und spanischen Untertiteln
  • Preis Eintritt frei
Nosferatu von Friedrich Wilhelm Murnau Thomas Hutter ist Sekretär eines Maklers in Wisborg und lebt dort glücklich mit seiner Frau. Eines Tages schickt ihn sein Chef auf eine Dienstreise nach Transsylvanien, um mit dem Grafen Orlok über den Kauf eines Hauses zu verhandeln. Allen Warnungen seiner Frau und Nachbarn des Grafen zum Trotz reist Hutter zur Burg des Grafen, wo er von diesem empfangen wird. Bei einem nächtlichen Abendessen unterzeichnet dieser den Kaufvertrag. Als Hutter aber am nächsten Morgen im Schloss erwacht, entdeckt er kleine rote Male an seinem Hals und ahnt, welchem Grauen er gegenübersteht: Orlok ist ein Vampir. In der zweiten Nacht überfällt Orlok ihn in seinem Schlafzimmer - und am nächsten Morgen belädt der Graf einen Pferdewagen mit Särgen und eilt davon. Da verlässt auch Hutter fluchtartig das Schloss, denn er hat Angst, dass das Gespenst auf dem Weg zu seiner Frau ist…
Nosferatu ist ein Klassiker des Stummfilms der Weimarer Republik und einer der ersten Vertreter des Horrorfilms. Das Drehbuch basiert auf dem Roman „Drakula“ von Bram Stoker.

Regie: Friedrich Wilhelm Murnau, s/w, 94 Minuten, Weimarer Republik/Deutschland 1922.
 
 2003 komponierte der Spanier José María Sánchez-Verdú eine Filmmusik für Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens, die auf der von Luciano Berriatúa kurze Zeit vorher restaurierten Version der Filmmusik von 1922 basiert. Von der Originalmusik von Hans Erdmann sind nur 20 Minuten erhalten. Nicht einmal die Synchronisierung mit den Filmsequenzen ist in ihrer Gesamtheit bekannt.

Dazu erklärt der Komponist: „Trotz der unzähligen Rekonstruktionen der Originalmusik, die bereits erstellt wurden und auch weiterhin erstellt werden, erschien es mir besonders interessant, einen neuen Soundtrack für Orchester und Frauenchor zu schreiben, der sich an die gesamte Dramaturgie des 92-minütigen Films anpasst. Im Original wurde die Musik live eingespielt und häufig mit verschiedenen Modestücken versehen, weshalb einige der bis jetzt realisierten Überarbeitungen in dramatischen Filmmomenten ziemlich an Kraft verlieren, weil sie nur musikalisches Material wiederholen (das von Erdmann) das sich im Verlauf des Films eigentlich sehr radikal entfaltet. Dieser Mangel an dramatischer Entwicklung der Musik schien mir ein großes Problem zu sein.“ Laut José María Sánchez-Verdú entwickelt sich die Musik, die er für Nosferatu komponiert hat, parallel zur Dramaturgie des Films und funktioniert darüber hinaus in vielen Momenten wie eine über allem liegende Schicht aus melodischen und harmonischen Elementen der Musikfragmente Erdmanns, die somit in Form eines Palimpsest erhalten werden.

„So bleibt die fast verlorene Originalmusik wie ein Schleier auf der neuen Musik bestehen, die versucht, vor allem die psychologische Dramatik der Figuren zu unterstreichen ohne jemals die Intensität des Meisterwerkes von Murnau zu schmälern. Auf der anderen Seite hält die Musik alle Filmsequenzen zusammen wie ein Handschuh die Finger einer Hand; sogar die verschiedenen Farbtöne des Films werden in der Musik dargestellt, wobei ich stets darauf bedacht war ein möglichst starkes synästhetisches Zusammenspiel zu erzeugen. Die Farbtöne des Negativs verschmelzen mit den Musiknoten, der Struktur und ihren Klangfarben“, führt der Musiker weiter aus.

Die Absicht von Sánchez-Verdú war es, Geräuschbilder für die bewegten visuellen Bilder Murnaus zu zeichnen, mit dem Wissen, dass dieser seinerseits Inspiration bei deutschen Malern der Romantik wie Tischbein, Carus, von Schwind oder Friedrich suchte.

„Die Verbindung von bestimmten Instrumenten und bestimmten Figuren ist sehr wichtig: Nosferatu tritt immer mit dem Klang des Akkordeons auf und Knock immer mit Fagott. Ellen wird durch die Oboe verkörpert, ihr Geliebter Hutter durch das Cello. Hinzu kommen die Blechinstrumente, die in regelmäßigen Abständen Elemente der Natur (wie die Nacht, das Meer, den Wind usw.) darstellen, während die Frauenstimmen des Chors die sich verändernden Gefühlszustände der Figuren erzählen sowie von den Vampir-Büchern, die im Film immer wieder auftauchen berichten.“, erklärt der Komponist.
 
Iñaki Alberdi wird als Akkordeon-Solist zu hören sein. Als Solist hat er bereits mit vielen Orchestern der Welt zusammengearbeitet unter anderem mit dem Royal Liverpool Philarmonic, dem Tampere Chamber Orchestra, dem Orquesta Nacional de España, dem Orquesta Ciudad de Granada, dem Orquesta de Radio Televisión Española, der Filarmonía de Galicia, dem Orquesta de la Comunidad de Madrid, dem Orquesta Sinfónica de Bilbao, dem Orquesta de Cámara Nacional de Andorra, dem Orquesta Sinfónica de Magnitogorsk, dem Orquesta Filarmónica de Málaga, der Filarmónica de Montevideo, dem Orquesta Sinfónica de Euskadi und dem Orquesta del Ministerio de Cultura Ruso.

Begleitet wird Iñaki Alberdi vom Orquesta Escuela Carlos Chávez und einer Auswahl an Sängerinnen des Coro de voces femeninas sowie Mitgliedern des Coro Sinfónico. Beide Chöre sind Teil des Sistema Nacional de Fomento Musical unter der Leitung von Eduardo García Barrios.