Frauen in der Start-up-Szene „Im unternehmerischen Umfeld gibt es keine gegen Frauen gerichtete Verschwörung“

Im Forbes-Rating der 200 reichsten russischen Geschäftsleute des Jahres 2015 stehen 198 Männern lediglich zwei Frauen gegenüber. Wir haben uns bei den Geschäftsfrauen, denen die Aufnahme in diese Liste noch bevorsteht, erkundigt, ob es für sie leicht ist, in Russland geschäftlich tätig zu sein, ob sie Familie und Privatleben ihrer Geschäftstätigkeit unterordnen und ob sie als Frauen auch Vorzüge in einer Welt wahrnehmen, die traditionell vom „starken Geschlecht“ beherrscht wird.

Mutterschaftsurlaub — heißt das Pflege des Kindes oder der Geschäfte?

 Der Mutterschaftsurlaub wird im Leben der arbeitenden Frau zu einer erzwungenen oder lang erwarteten Unterbrechung der beruflichen Tätigkeit, in der sie entweder dazu angeregt wird, ihre Prioritäten zu überdenken oder aber – und das kommt auch vor – die Chance sieht, eine ungeliebte Arbeit als Angestellte aufzugeben und dafür etwas Neues anzufangen, das inspirierender und zugleich etwas Eigenes ist. Oftmals rufen Mütter, die Geschäftsfrauen sind, neue Projekte für Kinder und ihre Eltern ins Leben, da sie damit konfrontiert worden sind, dass es auf dem Waren- und Dienstleistungsmarkt etwas Bestimmtes nicht gibt, was sie dringend brauchen.
 
So hat beispielsweise Olga Dynjak, die Begründerin des Online-Dienstes für eine allseitige Entwicklung von Kindern IQsha, zu dem Zeitpunkt, als ihre Tochter drei Jahre alt war, Online-Fördermaterialien gesucht und war überrascht, wie dürftig das Segment für Kinder im russischen Netz ausfiel: „Ich fing damals an mich umzuschauen, was es da an Interessantem auf Webseiten im Ausland gibt, und dabei kam ich auf die Idee, eine Seite für die systematische umfassende Entwicklung von Kindern und deren Vorbereitung auf die Schule zu gestalten. Ich hatte damals schon Erfahrungen mit dem Erstellen von Internetseiten, insbesondere mit der Gestaltung einer Webseite für Video-Unterrichtsstunden; auch im e-commerce kannte ich mich bereits aus, was mir bei der Schaffung von IQsha.ru enorm geholfen hat.
 
Im Jahr 2013 wurde die Webseite IQsha, auf der Dutzende von interaktiven Übungen im Rechnen, Lesen sowie in Logik, Allgemeinbildung usw. für Kinder ab zwei Jahren zusammengestellt sind, als beste Webseite mit positivem Content anerkannt, die auf ein kindliches Publikum ausgerichtet ist. Olga sagt, dass sie dafür auch Zeit opfern musste, die eigentlich für die Familie vorgesehen war.
 
„Ich kann nicht sagen, dass ich mich mit der Rolle einer weiblichen Führungskraft schwer tue, im Gegenteil, es ist angenehmer und vorteilhafter als angestellt zu sein“, meint sie. „Ich muss mich nicht von der Arbeit abmelden, wenn ich zu einem Kind zum Konzert gehen möchte oder familiäre Angelegenheiten zu erledigen habe. Ich gestalte meine Arbeitszeit so, wie es für mich am angenehmsten ist, kann sowohl Zeit mit meiner Familie verbringen als auch Geld verdienen. Natürlich sind damit auch ein bestimmter Stress und Verantwortung verbunden, aber das ist alles auch eine Frage der Wahrnehmung. Ich kann nicht behaupten, dass es besser ist, im Geschäftsleben ein Mann zu sein; ich bin davon überzeugt, dass es für jeden Menschen etwas zu lernen gibt.“
 
Nicht ganz so rosig sieht das Bild aus, das die Begründerin des Online-Dienstes für die Stilberatung von Frauen SoFitsMe Natalja Kotljarewskaja betrifft. Auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Business und Familie antwortet sie: „Nicht sehr gut. Das Geschäftliche raubt einem alle Zeit, die man ihm widmet, und dann dringt es auch noch in die Träume ein. Anrufe oder Bestellungen können auch in der ‚Familienzeit‘ eingehen. Sie arbeiten nicht von 9 bis 18 Uhr, sondern rund um die Uhr, ohne Wochenende und Urlaub. Selbst beim Suppekochen oder Windelnwechseln arbeiten Sie. Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen einem wirklich ambitionierten Geschäft und einem Geschäft, das Sie als Hobby betreiben. Im zweiten Fall stehen die Chancen gut, dass Sie alles unter einen Hut bekommen und in der Balance bleiben.“
 
Für welche Geschäftsvariante die Frauen sich entscheiden − entweder an der Grenze des Machbaren oder zum reinen Vergnügen − hängt auch von ihren materiellen und immateriellen Bedürfnissen ab. Dabei können zwischen dem aktuellen Stand des Produkts oder der Dienstleistung und der ursprünglichen Variante, Idee oder Aufgabe ganze Welten liegen, unterstreicht die Gründerin von IQsha, und damit ist sie nicht allein. „Nichtsdestotrotz kann ich der Behauptung: ‚Wenn Sie sich nicht für die erste Version Ihres Produkts schämen, dann sind sie damit viel zu spät auf den Markt gegangen‘, voll und ganz zustimmen“, scherzt Olga. „Die erste Version haben wir sieben Monate nach seiner Entwicklung ins Netz gestellt und sie dann durch erhebliche Änderungen an die Ansprüche der Nutzer und die Bedürfnissen des Geschäftsmodells angepasst.“ Und wie sich herausstellt, ist diese Situation eher die Regel; oftmals funktioniert die ursprüngliche Idee nicht so, wie man es sich vorgestellt hat, oder die erste Produktversion wird in der Folge bis zur Unkenntlichkeit verändert.

„Ihre Vision lässt sich oftmals nicht in die Realität umsetzen“

 Die Mitbegründerin und akademische Direktorin der Fremdsprachenschule Star Talk Jekaterina Tschegnowa erinnert sich darin, wie sie und ihre Kollegin davon überzeugt waren, dass ihre Idee von einem Bildungs-Business, das vornehmlich auf „Englisch-Unterricht für Unternehmen“ orientiert ist, zünden wird. „Bis zu dem Zeitpunkt, da meine Partnerin Jekaterina und ich unsere Fremdsprachenschule gegründet haben, waren wir Englischlehrerinnen, wodurch sich die Idee eines Startups wie von selbst ergab. Als Vorbild diente uns dabei die Schule, an der wir bis dahin unterrichtet hatten“, sagt Jekaterina Tschegnowa. „Eines hat jedoch gar nicht funktioniert – die Vorstellung vom relativ leicht verdienten Geld. So dachten wir beispielsweise, es wäre gar kein Problem, den Englischunterricht direkt am Standort der Unternehmen zu organisieren. Wir würden uns also nicht damit aufhalten müssen, ein eigenes Büro zu eröffnen und zu unterhalten, sondern die Lehrer direkt in die Büros der Kunden schicken, ihnen ein Gehalt zahlen und davon dann eine Kommission einbehalten.“
 
Weder Empfehlungen von Schülern, noch eine überzeugende Webseite oder andere Mitteln und Methoden der Eigenwerbung haben den Startup-Lehrern zu Unternehmenskunden verholfen; deshalb mussten die beiden Jekaterinas drei Monate nach der Gründung der juristischen Person ihren ersten eigenen Unterrichtsraum anmieten, um dort einen Konversationsklub und Unterricht in Minigruppen anzubieten.
 
„Bislang ist unsere Schule in der Hauptsache eine Schule für Fremdsprachenunterricht in Gruppen, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Bis wir es erreicht hatten, dass es Gruppen in allen Fremdsprachen gibt − und davon haben wir mittlerweile fünf, und zwar auf allen Stufen der Sprachbeherrschung − hat es Jahre gedauert. Der Unternehmensbereich steht vom Umfang her praktisch an letzter Stelle, obwohl er weniger arbeitsaufwändig ist“, beschreibt Jekaterina Tschegnowa den aktuellen Stand der Dinge. „Die Schlussfolgerung daraus ist: Sie müssen darauf vorbereitet sein, dass sich Ihre Vision lässt nicht immer in die Realität umsetzen lässt. Je mehr alternative Varianten Sie parat haben, desto besser stehen die Chancen, dass Ihr Unternehmen erfolgreich wird.“
 
Aber sie warnt auch: „Das eigene Unternehmen einer Frau ist wie ein Koffer ohne Griff: Zum Hinschmeißen zu schade (wo man doch schon so viel an Kraft und Herzblut darin investiert hat) und zum Tragen zu unbequem (Wie soll das mit dem Mann, den Kindern, den Eltern gehen? Permanent muss man Entscheidungen treffen ...). Überlegen Sie es sich besser zehn Mal. Bevor Sie damit anfangen. Als Frau Geschäfte mit Männern zu machen, ist – gelinde gesagt – nicht einfach“, räumt Jekaterina Tschegnowa ein. „Eine der Eigenschaften, die wir uns von den männlichen Führungspersönlichkeiten abgucken könnten, wäre die Fähigkeit, beim Auftauchen von Problemen überflüssige Emotionen beiseite zu lassen. Frauen nehmen sich in der Regel alles zu sehr zu Herzen, was viel Lebensenergie verbraucht, aber nicht zur Entscheidungsfindung beiträgt. Man muss in der Lage sein, die Selbstbeherrschung zu behalten und mit „kühlem Kopf“ an die Sache heranzugehen, die Situation objektiv zu analysieren und die Emotionen im Zaum zu halten – dann kann man effektiv an die Lösung von Problemen herangehen.“
 
Dass sich die weibliche Sicht auf die Führung der Geschäfte in einer Reihe von Fällen deutlich von der männlichen unterscheidet, was sich wiederum auf die Kommunikation und den Erfolg in der Zusammenarbeit auswirkt, räumen auch andere weibliche Startup-Unternehmerinnen ein.

„Männer schauen Frauen wie eine Gummipuppe an“

 Angesichts des oben Geäußerten stellt sich die logischerweise die Frage, ob das Geschlecht in geschäftlichen Dingen eine Rolle spielt. Hier würde es „sowohl Probleme als auch Möglichkeiten geben“, ist die Präsidentin des Unternehmens Cleangrass Technologies Olga Toltschinskaja überzeugt. „Als problematisch sehe ich den Umstand an, dass Männer − Kunden, Partner, Investoren - die Frau überwiegend wie eine Gummipuppe anschauen, und deshalb schaltet sich das Gehirn bei ihnen nicht sofort ein, wenn es das überhaupt tut“, meint Olga Toltschinskaja. „Aber wenn sie es dann doch einschalten, dann eröffnen sich hier die Möglichkeiten für die Frauen, und zwar solche, um die sich viele Männer jahrelange bemühen müssen.“
 
Das Business von Olga Toltschinskaja hat auch mit einer Idee angefangen, die aber bislang immer noch nicht umgesetzt werden konnte.  Sie hat ein Produkt erfunden − einen schmutzschluckenden Bodenbelag, wollte ihn patentieren lassen und anschließend durch den Verkauf der Lizenzen an die Produktion ihr Geld verdienen, war  dann aber damit konfrontiert, dass diese Richtung bislang noch nicht ausreichend entwickelt ist in Russland. Nach einem Jahr nach Erhalt des Patents hat sie beschlossen, mit der Produktion von Autoteppichen  zu beginnen, aber auch diese Unterfangen musste sie auf Eis legen. Jetzt hat sich ihre Firma auf solche Immobilien konzentriert, deren Unterhaltung durch den Einsatz ihres Produkts deutlich günstiger werden kann. „Von der Idee bis zum Feedback des ersten Nutzers vergingen zwei Monate. Bis zur Patentierung waren es weitere sechs Monate. Und dann hat es noch einmal zwei Jahre bis zur Gründung der GmbH und dem ersten Verkauf gedauert“, zählt Olga die Meilensteine ihres Startups auf.
 
Zu den Vorzügen von weiblichen Führungskräften zählt man oft ihre Sanftmut und ihr Feingefühl, aber Olga Toltschinskaja ist nicht der Meinung, dass sie selbst in ausreichendem Maße über diese Eigenschaften verfügt. „Ich denke, dass Frauen die Welt umfassender wahrnehmen, weil sie in der Regel an vieles gleichzeitig denken und viele Dinge für gleichermaßen wichtig halten. Intuition ist ebenfalls etwas, was mehr Frauen zugeschrieben wird,  und diese ist in geschäftlichen Dingen sehr wichtig“, meint die Unternehmerin. Männer können sich besser auf eine Sache konzentrieren und diese dann bis zu Ende führen. Dieser Eigenschaft gebührt Achtung, genauso wie ihrer Fähigkeit, mit Leichtigkeit die im Moment weniger wichtigen Dinge beiseite zu legen. Außerdem mögen sie es nicht, wenn man sich blöd anstellt.“
 
An dieser Stelle stimmt ihr auch die Gründerin von SoFitsMe Natalja Kotljarewskaja zu: „Was ich am deutlichsten bei mir selbst und anderen Frauenprojekten wahrnehme, ist die Schwierigkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Prioritäten zu setzen. Man hat jede Menge Ideen und möchte sich ungern von einer verabschieden. Aber das ist unerlässlich, weil man ansonsten gar nichts zustande bringt“, behauptet sie. „Ich habe ich oft vieles auf einmal in Angriff genommen und letztlich nichts zum Abschluss gebracht.“
 
Aber ihrer Meinung nach unterscheiden sich die potentiellen Unternehmer von den Nichtunternehmern nicht so sehr durch ihr Geschlecht als durch ihre Einstellung zum Risiko: Sie riskieren lieber etwas und knacken dafür potentiell den Jackpot, als dass sie sich für den garantierten, aber geringeren Gewinn entscheiden. „Es kann sein, dass es unter Frauen weniger Risikofreude gibt als unter Männern. Frauen sind ja oft vernünftiger und weniger abenteuerlustig", sagt Natalja. „Somit hat das Geschlecht schon eine Bedeutung, aber daran sollte man nichts zu sehr festmachen. Was ich ganz und gar nicht sehe, ist, dass es im unternehmerischen Umfeld eine gegen Frauen gerichtete Verschwörung gibt.“

Startup = klare Idee + Partner + Beziehungen

 Die Zahl der Unternehmerinnen in Russland ist nach wie vor nicht besonders hoch: verschiedenen Einschätzungen zufolge beträgt sie nicht mehr als 10 Prozent der Gesamtzahl der Unternehmer. Ein Teil der Projekte wird von Gründerzentren unterstützt, aber deren Zahl fällt nicht ins Gewicht, und die Finanzierung einer Idee zu finden, erweist sich oft als die eigenen Kräfte übersteigende Aufgabe, weil Investoren kein Vertrauen in Startups haben. Aber ungeachtet aller Schwierigkeiten ist es heutzutage leichter als früher, sein eigenes Unternehmen aufzubauen − hier kommen einem auch die Verfügbarkeit von Informationen sowie die Entwicklung der Technologien zur Produktion und Produkteinführung zugute.  
 
Was − außer Startkapital − braucht man noch, um ein Startup zu organisieren, und braucht man überhaupt Startkapital? Wen kann man um Rat fragen? Lohnt es sich, die Erfahrungen von Kollegen zu studieren? All das haben wir „ehemalige" Startup-Unternehmerinnen gefragt.

Jekaterina Tschegnowa, Fremdsprachenschule Star Talk  

Die Idee im Kopf muss ganz klar und deutlich sein. Man sollte nicht versuchen, sich selbst, Partner oder zukünftige Kunden an der Nase herumzuführen. Wenn Sie an Ihre Sache glauben und man es an Ihren Augen ablesen kann, dass ihr Herz dafür brennt, finden Sie mühelos Gleichgesinnte. Beraten Sie sich lieber nicht mit Ihrem Ehemann oder Freund zu Fragen der Organisation − Sie werden immer unterschiedlicher Meinung sein. Da es ja um Ihr Unternehmen geht, sollten Sie Entscheidungen aufgrund Ihrer eigenen Überzeugungen und nicht der von Ihnen nahestehenden Menschen treffen.
 
Die Erfahrungen von Konkurrenten muss man unbedingt studieren. Man sollte sich nicht davor scheuen, das zu kopieren, was funktioniert. Mehr noch, es lohnt sich immer, ihre Gedankengänge zu verfolgen. Welches sind ihre Preisvorschläge? Worin besteht ihre Besonderheit? Und was haben Sie im Gegenzug dazu anzubieten? Wenn Ihnen gar nichts einfällt, dann unterbieten Sie den Preis, arbeiten Sie an der Grenze der Rentabilität, aber versäumen Sie nie, auf Ihren guten Ruf zu achten und die „Kollegen“ im Auge zu behalten. Nur der ständige Abgleich Ihres eigenen Unternehmens mit denen anderer ermöglicht es Ihnen, Ihre Einzigartigkeit zu verstehen und diese entsprechend hervorzuheben.

Natalja Kotljarewskaja, SoFitsMe

Für mich ist Startkapital keine zwingende Bedingung; oft ist dieses sogar verhängnisvoll, da es den Zusammenhang zwischen deinen Ideen und der Realität verwischt. Erst einmal muss man an seiner Idee festhalten und begreifen, wie sehr man diese tatsächlich umsetzen möchte. Oder mehr noch, wie sehr man gar nicht anders kann, als sie umzusetzen. Wenn man doch anders kann, dann sollte man es lieber sein lassen.

Zweitens lohnt es sich, das Buch „The Lean Startup: How Today's Entrepreneurs Use Continuous Innovation to Create Radically Successful Businesses“ von Erik Ries zu lesen − Von 100 Startups geben 99 wieder auf. Mit diesem Buch erhöht sich Ihre Chance etwas, dass Ihr Unternehmen das eine erfolgreiche ist. Um Rat sollte man lieber jene fragen, die genauso verrückt sind, aber schon etwas zustande gebracht haben und erfolgreich sind. Nichtunternehmer werden Sie nicht verstehen. Auf abgestürzte Piloten sollte man lieber nicht hören: Sie sind nur am Boden zerstört und wollen sich auf Ihre Kosten ihre Selbstbestätigung zurückholen. Die Erfahrungen ausländischer Kollegen sollte man studieren, allerdings nicht in erster Linie. Was sich wirklich lohnt zu studieren, sind die potentiellen Kunden.

Olga Toltschinskaja, Cleangrass Technologies

Um ein Startup zu organisieren, muss man wenigstens einen Partner haben, auf den man sich verlassen kann. Wünschenswert ist, dass dieser bereits über Erfahrungen im Geschäftsleben verfügt. Wenn dieser Partner eine Frau ist, dann wird es sehr wahrscheinlich einfacher sein, das Startup zu organisieren. Man muss viel lesen. Artikel, Gesetze, Bücher. Das Buch „Business Model Generation: Ein Handbuch für Visionäre, Spielveränderer und Herausforderer“ von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur kann beim Anfangsmodell behilflich sein, ohne das man kein Unternehmen aufbauen kann, wenn man sich nicht in ein Franchise-Unternehmen einkauft, (hier brauchen Sie außer einem Partner, einem Raum und Geld sowieso nichts weiter).
 
Um Rat kann man diejenigen fragen, die schon etwas Ähnliches gemacht haben und immer noch machen. Aber sie werden Sie sofort als Konkurrenten betrachten, deshalb sollten Sie ihre Ratschläge mit Vorsicht genießen, auch wenn man von Gesprächen mit ihnen sehr profitieren kann. Sehr wichtig ist auch Ihre Webseite und Ihre Geschäftsaktivität in den sozialen Netzwerken. Sorgen Sie dafür, dass Sie viele Freunde aus der gewählten Branche haben und studieren Sie diese zunächst, um die Beziehungspflege kann man sich später kümmern. Wenn in  Ihrer Region irgendwelchen Seminare oder Workshops stattfinden (kostenlos oder für wenig Geld), dann besuchen Sie diese; sie können in jeder Hinsicht nützlich sein, da man dort auch Bekanntschaften schließen kann, die einem weiterhelfen. In Moskau werden solche Veranstaltungen beispielsweise von der GBU  „Maly Business Moskwa" [Staatliche haushaltsplangebundene Einrichtung „Kleinunternehmen Moskaus“],von der API Mosso, den GVA Launch Gurus usw. durchgeführt.

Olga Dynjak, IQsha

Denen, die ihr eigenes Unternehmen aufbauen wollen, kann ich nur empfehlen damit anzufangen! Legen Sie los! Wenn Sie wirklich den Wunsch verspüren, dann kann Sie nichts auf Ihrem Wege schrecken. Vielleicht bringen Sie kein weltberühmtes Produkt heraus bzw. gründen kein Unternehmen von Weltruhm, aber Sie haben dafür die Chance, ein kleines und interessantes Unternehmen aufzubauen, dass Ihnen die Grundlage für Ihre Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung bietet.
 
Sie könnten auf eine thematische Konferenz gehen und sich dort viele interessante Fälle aus Ihrem Bereich anhören und dabei auch noch Kollegen kennenlernen. Man kann und muss sich gute Ideen von erfolgreichen russischen und ausländischen Kollegen abgucken, aber gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass diese Ideen bei Ihnen nicht unbedingt genauso gut funktionieren müssen, da jeder seinen eigenen Weg gehen muss!