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Internationale Autonome Industrielle Kolonie „Kusbass“

Typisiertes Block-Wohnhaus für vier Familien mit zweistöckigen Wohnungen, allem erdenklichen Komfort und mit Ziegelmauern nach dem Gerard-System Typ „C“ Kemerowo. Architekt: J. van Loghem // 1920er Jahre
© Archiv von I. V. Zakharova

Kann eine Kolonie linksradikal sein? Ja, sie kann.

Die AIK – die internationale Autonome Industrielle Kolonie „Kusbass“ – ist ein soziales Experiment, das in den Jahren 1921 bis 1927 im heutigen Kemerowo stattfand. Die AIK „Kusbass“ war eine Arbeitskolonie, die auf Initiative einer Gruppe linker Aktivist*innen, die aus den westlichen Ländern gekommen waren, gegründet wurde. 1921 initiierte ein Team ausländischer Facharbeiter*innen den Bau einer internationalen Kolonie im Kusnezker Steinkohlenbecken, unter der Leitung des holländischen Sozialisten Sebald Rutgers, des amerikanischen Gewerkschaftsführers Bill Haywood und des Gründers der sozialistischen Kolonie Llano del Rio in Kalifornien Herbert Kahlwert. In den Jahren 1921 und 1922 funktionierte diese Kolonie nach anarchistischen Regeln unter der Führung von Bill Haywood und später nach sozialistischen, wobei sich Sebald Rutgers an die Spitze setzte.

Finnische Mitglieder der AIK errichteten im Bergwerk Kemerowo eines der ersten Kommunehäuser in Sibirien. Das war ein riesiges Holzgebäude, dessen Form für die skandinavische Architektur üblich war. In der Kolonie wurde eine kollektive, technisch gut ausgerüstete Farm gebaut und ein Kokswerk fertiggestellt und in Betrieb genommen, das im künftigen Kemerowo zum stadtbildenden Unternehmen wurde. Der aus Holland eingeladene Architekt Jonannes van Lochem begann im Bergwerk Kemerowo mit dem großangelegten Bau von massiven Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden.

  • Zeitschrift Kuzbass, Band 2, Nr. 3, Seite 1. New York // 1923 © The Library of Congress
    Zeitschrift Kuzbass, Band 2, Nr. 3, Seite 1. New York // 1923
  • Zeitschrift Kuzbass, Band 2, Nr. 3, Seite 9. Artikel „What is Kuzbas?“. New York. Autor: F. Kenell // 1923 © The Library of Congress
    Zeitschrift Kuzbass, Band 2, Nr. 3, Seite 9. Artikel „What is Kuzbas?“. New York. Autor: F. Kenell // 1923
  • Massives Badehaus aus Stahlbeton, gebaut ohne Fundament. Krassnaja Gorka. Kemerowo. Autor: Albert Kotter // 1925/1926 © The Library of Congress
    Massives Badehaus aus Stahlbeton, gebaut ohne Fundament. Krassnaja Gorka. Kemerowo. Autor: Albert Kotter // 1925/1926
  • Schule Nr. 16 im Bergwerk Kemerowo. Kemerowo. Architekt: J. van Loghem // 1930er Jahre © Museumsgelände Krassnaja Gorka
    Schule Nr. 16 im Bergwerk Kemerowo. Kemerowo. Architekt: J. van Loghem // 1930er Jahre
  • Teilnehmer*innen der Radtour Kemerowo-Anschero-Sudschensk vor dem hölzernen Kommunehaus für 250 Bewohner*innen, gebaut 1922. Kemerowo // 1922 © The Library of Congress
    Teilnehmer*innen der Radtour Kemerowo-Anschero-Sudschensk vor dem hölzernen Kommunehaus für 250 Bewohner*innen, gebaut 1922. Kemerowo // 1922
  • J. Bayskich mit Freund auf einer Veranda. Kemerowo // 1922 © The Library of Congress
    J. Bayskich mit Freund auf einer Veranda. Kemerowo // 1922
  • Fis Koos mit Freunden bei einem Ausflug. Foto aus dem Album von Fis und Nell Koos, Seite 31. Kemerowo // 1924–1927 © The Library of Congress
    Fis Koos mit Freunden bei einem Ausflug. Foto aus dem Album von Fis und Nell Koos, Seite 31. Kemerowo // 1924–1927
  • „Haus für die Ledigen“, Typ „I“. Projekt. Fassade. Kemerowo Architekt: J. van Lochem // 1926 © Museumsgelände Krassnaja Gorka
    „Haus für die Ledigen“, Typ „I“. Projekt. Fassade. Kemerowo Architekt: J. van Lochem // 1926
  • Haus des Ingenieurs Begemann in Krassnaja Gorka. Kemerowo. Architekt: J. van Lochem // 1925 © Museumsgelände Krassnaja Gorka
    Haus des Ingenieurs Begemann in Krassnaja Gorka. Kemerowo. Architekt: J. van Lochem // 1925
  • Wohnhäuser der AIK „Kusbass“, Typ „A“ („Wurst-Häuser“) im Bergwerk Kemerowo. Kemerowo. Architekt: J. van Lochem // 1920er Jahre © Museumsgelände Krassnaja Gorka
    Wohnhäuser der AIK „Kusbass“, Typ „A“ („Wurst-Häuser“) im Bergwerk Kemerowo. Kemerowo. Architekt: J. van Lochem // 1920er Jahre

Unter seiner Leitung wurde eine Reihe typischer funktioneller Wohnhäuser im Stil des Konstruktivismus verwirklicht. Die auf europäische Art und Weise entworfenen Häuser, deren Anzahl 24 erreichte, bestanden aus einstöckigen komfortablen Blocksektionen. Beim Ziegelmauerwerksbau wurde das Gerard-System verwendet: Hohlräume in den Mauern wurden mit Schlacke gefüllt, die als Isolierstoff dienen sollte. Die Häuser für Angestellte wurden auf andere Art und Weise gebaut. Die vier aneinandergebauten zweistöckigen Wohnungen mit allem erdenklichen Komfort erinnerten sehr an typische holländische Häuser mit Dachgeschoss.

Der Stil des Funktionalismus wurde in den Projekten von Johannes van Loghem um lokale Bautechnologien ergänzt. Außerdem wurde die traditionelle lokale Architektur aktiv und direkt an die europäischen Vorstellungen vom Lebensstandard angepasst – die Konstruktion des gewöhnlichen Fünfwandhauses aus Holz wurde typisiert, jedoch wurden die Deckenhöhe und die Fenster vergrößert. Unter dem Einfluss des europäischen Funktionalismus büßte der traditionelle Wohnbau seine Energieeffizienz ein, die in sibirischen Verhältnissen von prinzipieller Bedeutung war. Die Bebauung des Bergwerks Kemerowo und des Stadtteils am linken Flussufer nach Projekten europäischer Fachleute waren der erste Versuch, die Methoden und Techniken des westeuropäischen Funktionalismus an die Natur- und Klimaverhältnisse Sibiriens anzupassen.

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