KURATIEREN IM DIGITALEN RAUM

Sommerschule für Kurator*innen|

  • Online

  • Sprache Englisch mit Übersetzung ins Russische

Sommerschule © Goethe-Institut Nowosibirsk

Das Goethe-Institut in Nowosibirsk veranstaltet gemeinsam mit der Schule für zeitgenössische Kunst (VSCA) Wladiwostok die dritte Kurator*innenschule. Sie findet vom 29. Juni bis zum 3. Juli 2020 online zum Thema „Kuratieren im digitalen Raum“ statt und will im Zeitalter der zunehmenden Transformation ins Digitale Kurator*innen Denkanstöße geben.

Die Bewerbung läuft bis zum 21. Juni auf der Internetseite vsca.ru.
 
Wie lässt sich digitale Kunst digital präsentieren? Ist eine Online-Ausstellung die einzige Möglichkeit dafür? Was bedeutet die Digitalisierung aller Prozesse für das Kuratieren in der Praxis? Wie können Kurator*innen ihr berufliches Netzwerk online erweitern? Wie werden Kurator*innen in näherer Zukunft die Vorteile des Internets für eine gemeinsame Gestaltung kuratorischer Narrative und Konzepte nutzen? Ließe sich während der globalen Quarantäne die Arbeit von Kurator*innen (Besuch von Künstler*innenwerkstätten, Arbeit mit Archiven, Museums- und Privatsammlungen) online vorstellen und falls, auf welche Weise?
 
Die Lektor*innen der Schule sind:
  • Inga Seidler, Berlin, Transmediale, Webresidenz der Akademie Schloss Solitude – 29. Juni 17:00–20:00 Uhr, GMT + 10
  • Natalia Fuchs, Moskau, ARTYPICAL – 1. Juli 16:00–17:30 Uhr, 18:30–20:00 Uhr GMT + 10
  • Daria Mille, Bettina Korintenberg, Karlsruhe, ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe  – 3. Juli 17:00–20:00 Uhr GMT + 10
Die Teilnahme am Kurs ist kostenlos. Von den Teilnehmenden wird Erfahrung mit kuratorischen oder künstlerischen Projekten in den Regionen Sibirien und/oder Fernost erwartet. Die Auswahl erfolgt nach Antrag (ausgefüllter Fragebogen mit Portfolio und Lebenslauf) bis zum 21. Juni auf der Internetseite vsca.ru. Die Teilnehmenden werden am 24. Juni bekannt gegeben. Am 26. Juni um 15:00 Uhr GMT +10 findet ein organisatorisches Treffen mit Test-Anruf der ausgewählten Teilnehmenden via Microsoft Teams statt.
 
Programm:
 
29. Juni, Montag
Inga Seidler

Transmediale, Webresidenz der Academy Schloss Solitude, ACUD MACHT NEU
17:00–20:00 Uhr GMT + 10, mit 15 Minuten Pause
Thema: Austausch von kollektiven digitalen Erfahrungen

Was sind die möglichen Instrumente von Kurator*innen zum Teilen des Online-Raumes mit Künstler*innen und dem Publikum? Wie kann die kollektive Erfahrung digital dargestellt werden? Was ist das Potenzial einer Online-Residenz, und wie lässt sich Kunst gemeinsam und im virtuellen Raum kuratieren? Die von Inga Seidler vorgestellten modernen Methoden und praktischen Beispiele sind Ausgangspunkt für die Kursteilnehmenden, um eigene Ideen zur Schaffung eines kollektiven Online-Raums zu entwickeln.
 
1. Juli, Mittwoch
Natalia Fuchs

ARTYPICAL
16:00–17:30, 18:30–20:00 Uhr GMT + 10
Thema: Kuratorische Identität Online

Das Potenzial des Digitalen zum Netzwerken, das Studium der Internet-Struktur, die Analyse der besten Online-Möglichkeiten für Kurator*innen – mit diesen Themen beschäftigt sich Natalia Fuchs in ihren Veranstaltungen. Die Kurator*innen diskutieren über die Philosophie des Internets und den Ort der Kunst darin, über die Herausforderung von Hybridität, Virtualität und Physischem sowie die Entwicklung digitaler Gewohnheiten von Kurator*innen im Internet. Die Teilnehmenden erfahren, wie sie den beruflichen Erwartungen entsprechen können, um der internationalen Kurator*innengemeinschaft anzugehören.
 
3. Juli, Freitag

Daria Mille und Bettina Korintenberg

ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
17:00–20:00 Uhr GMT + 10
Thema: „Kritische Zonen“: Digitale Plattform

Bei diesem praktischen Workshop wird die Frage erörtert, wie sich eine Ausstellung digitaler Kunst, die eine physische Ausstellung werden sollte, in eine gemeinsame Veranstaltung im digitalen Raum verwandeln lässt. Mit dem Autorenkonzept des französischen Philosophen Bruno Latour sollte die Ausstellung Kritische Zonen: Horizonte einer neuen Erdpolitik ursprünglich im Mai 2020 im Zentrum für Kunst und Medien ZKM in Karlsruhe eröffnet werden, um den kritischen Zustand der Erde in Zeiten dramatischer Umweltveränderungen gemeinsam zu untersuchen. Im Zusammenhang mit der Pandemie beschloss das ZKM, eine Web-Plattform zu entwickeln, um die Ausstellung für die internationale Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei diesem praktischen Workshop wird die Umsetzung der Ausstellung aus dem physischen in den digitalen Raum untersucht. Welche Lehren lassen sich daraus ziehen und wie können diese Erfahrungen mithilfe lokaler sibirischer und fernöstlicher Kontexte in digitale Sphären verlegt werden?
 
30. Juni, Dienstag, und 2. Juli, Donnerstag
Jana Gaponenko

VSCA
17:00–19:00 Uhr GMT + 10
Thema: Besprechung persönlicher Projekte

Zwischen den oben genannten Workshops sind die Teilnehmenden zu Diskussionen eingeladen: am 30. Juni (Dienstag) und am 2. Juli (Donnerstag) jeweils von 17 bis 19 Uhr GMT + 10, um ihre persönlichen Projekte zu besprechen. Beide Arbeitssitzungen werden von der VSCA-Kuratorin Jana Gaponenko abgehalten.
 
Biografien der Lektor*innen:
 
Inga Seidler © Inga Seidler Inga Seidler ist Kuratorin, Kulturproduzentin und Veranstalterin aus Berlin. In den vergangenen Jahren entwickelte, koproduzierte und kuratierte sie großformatige Ausstellungen und Performances, Residenzen und Veröffentlichungen. Ihre jüngsten Projekte realisierte sie für das European Media Art Festival (EMAF), ACUD MACHT NEU, das ZKM oder die Messe für Independent Publishing It’s a Book. Nach mehreren Jahren als Festivalproduzentin und Kuratorin von transmediale – dem Festival für Digitalkultur – leitet sie derzeit das Digitalprogramm der Akademie Schloss Solitude. Fragen kultureller Produktion mithilfe neuer Technologien oder als Antwort auf neue Technologien stehen auch im Mittelpunkt ihrer Arbeit als Teil des Kuratoriums der Programmreihe COLLECTIVE PRACTICES.
 
Natalia_Fuchs © Natalia_Fuchs Natalia Fuchs ist Forscherin im Bereich Neue Medien, Kunsthistorikerin und internationale Kuratorin. Sie absolvierte die Universität Manchester (MA Cultural Management) und die Donau-Universität Danube in Österreich mit einem Master in Medienkunstgeschichte. Von 2009 bis 2013 entwickelte sie das Medienforum auf dem Moskauer internationalen Filmfestival und die Messe für zeitgenössische Kunst VIENNAFAIR. 2013 gründete Natalia Fuchs die Agentur ARTYPICAL und wurde anschließend zur Kuratorin des Polytechnischen Museums ernannt. 2016 bis 2018 war Natalia Fuchs Kuratorin, Abteilungsleiterin für Multimedia-Kunst und stellvertretende Direktorin des Staatlichen Zentrums für zeitgenössische Kunst in Moskau, an dem sie die Plattform TECHNIE für innovative Kunst ins Leben rief. 2017 bis 2018 unterrichtete sie Geschichte der Medienkompetenz an der Moskauer Staatlichen Universität. Sie arbeitete unter anderem mit dem ZKM, mit Ars Electronica und dem CTM Festival zusammen. Derzeit ist Natalia Fuchs Kuratorin und Co-Produzentin des Technokulturfestivals Gamma und der internationalen Konferenz für Kunst und Technologie Gamma_Pro (St. Petersburg) sowie Kuratorin des Festivals der modernen Kultur Transart (Bozen, Italien). Sie beschäftigt sich mit der gemeinsamen Produktion internationaler Kunst- und Technologielabore wie Gamma_LAB AI (2019) und Gamma_LAB XR (2020) für das Gamma Festival, MUTEK.JP AI Music Lab für MUTEK Japan (2019) und MUTEK AI ART LAB (2020) für MUTEK Montreal. Sie ist Mitglied der internationalen Kurator*innenvereinigung für zeitgenössische Kunst IKT.
 
Daria Mille © Daria Mille Daria Mille studierte Kunstgeschichte und Kulturmanagement in St. Petersburg, Weimar und Paris. Von 2008 bis 2011 arbeitete sie als Assistentin des Kurators in der künstlerischen Leitung der 3. und 4. Moskauer Biennale für zeitgenössische Kunst. Seit 2013 arbeitet sie als Kuratorin am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, wo sie zuvor – von 2011 bis 2013 – ihr akademisches Praktikum absolvierte. Ihre Forschung konzentriert sich auf institutionelle Kritik und Museumsstrategie der Avantgarde, künstlerische Positionen der 1960er-Jahre und zeitgenössische Kunst. Daria Mille veröffentlicht wissenschaftliche Reportagen und ist auch Mitglied verschiedener Jurys.
 

Bettina Korintenberg © Bettina Korintenberg Bettina Korintenberg hat einen Doktortitel im Bereich Kulturwissenschaft und ist Kuratorin am ZKM. Ihre kuratorische und akademische Praxis konzentriert sich auf kritische Studien der digitalen und globalen Medienökologie und der Neufassung der Ideengeschichte vom westlichen Modernismus angesichts der aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Veränderungen mit dem Schwerpunkt auf alternative Raum- und Zeitkonfigurationen und Formen der Sozialpraxis. Im ZKM kuratierte sie die Ausstellungen Kritische Zonen: Horizonte einer neuen Erdpolitik (2020), Michael Bielický (2019), Digital Imaginaries (2018) und andere. Zuvor war sie im Vitra Design Museum in Weil am Rhein tätig. Neben ihrer kuratorischen Arbeit in Einrichtungen und bei unabhängigen Projekten ist sie Autorin verschiedener Publikationen in Katalogen und wissenschaftlichen Essays.