Vogelschutz
Puffin Patrol – die Papageientaucher-Patrouille an der Witless Bay

© Colourbox/Hardyuno
© Colourbox/Hardyuno

Ein deutsches Ehepaar mit einem Ferienhaus in Witless Bay, Neufundland, hat eine Initiative zur Rettung von Papageientauchern (englisch: puffins) ins Leben gerufen: Die berühmten Seevögel der kanadischen Atlantikküste stranden aufgrund von Lichtverschmutzung häufig auf den Küstenstraßen. Möglicherweise liegt es am hellen Licht und der großen Stadt. Wenn man jung ist, ist so etwas schließlich immer verlockend. Für junge Papageientaucher kann die Anziehungskraft der hellen Lichter im kleinen Städtchen Witless Bay auf der Halbinsel Avalon jedoch tödlich enden.

Hunderte junger Papageientaucher, die während ihrer ersten Übungsflüge von ihren Nestern auf der nahegelegenen Gull Island durch die Lichter der Stadt irritiert werden, stranden jedes Jahr an der Küste von Witless Bay. In Witless Bay oder einem der benachbarten Orte zu landen, ist ein klassischer Anfängerfehler – nur gerade flügge gewordene Papageientaucher lassen sich durch die Lichter täuschen.

Insgesamt brüten 260.000 Paare dieser Vogelart auf Gull Island und den beiden angrenzenden Inseln im Naturreservat der Witless Bay und füttern ihre Jungen mit dem Laich der Lodde. Die kleinen Seevögel mit ihren bunten Schnäbeln spielen eine wichtige Rolle für den Tourismus: um die Inseln werden Wal- und Papageientaucher-Bootstouren angeboten und auf Straßenschildern und anderswo sind überall Abbildungen von Papageientauchern zu finden. Ende Juli findet sogar jährlich ein Puffin-Festival statt.

Eine Gefahr für die Vögel

Jürgen and Elfie Schau, ein deutsches Ehepaar mit einem Ferienhaus in Witless Bay, etwas dagegen zu unternehmen.
Jürgen Schau, Filmproduzent aus Berlin, hatte die Überreste junger Papageientaucher auf den Straßen der Stadt gesehen.

„Er sah etwas Zerdrücktes auf der Straße und fragte die Einheimischen, was das sei, und sie antworteten: ‚Nun, das sind Puffins‘. Er fing an, sie selbst zu retten, holte einige Nachbarfamilien mit ins Boot und man begann, die Vögel auf eigene Faust einzufangen und wieder freizulassen“, berichtet Suzanne Dooley, stellvertretende Leiterin der Ortsgruppe Neufundland und Labrador der Canadian Parks and Wilderness Society (CPAWS). Die Gesellschaft arbeitet seit 2011 mit Schau zusammen und organisiert gemeinsam mit ihm das, was inzwischen als Initiative mit dem Namen „Puffin Patrol“ bekannt ist: „Bis heute dient uns ihre Garage als Zentrale, wo wir die Vögel abends unterbringen können, dazu haben sie sich freundlicherweise bereit erklärt. Er setzt sich sehr ein, morgens kommt er an die Küste und erklärt, was zu tun ist. Er ist wirklich sehr engagiert, auch seine Frau.“

 “Ich bin so stolz, weil das alles ganz klein im [Suzanne Dooley] Suzanne Dooley | © Suzanne Dooley privaten Rahmen angefangen hat … ich und vier Kinder aus der Nachbarschaft – und heute sind wir eine bekannte Organisation“, erzählte Schau der kanadischen Rundfunkgesellschaft CBC nach dem Einstieg der CPAWS. Von mehr als 2.000 Vögeln, die in Witless Bay und den Nachbarorten – wie Tors Cove, Bay Bulls und Mobile – gerettet, beringt und freigelassen wurden, ist nicht ein einziger zurückgekehrt. Wir haben noch nie einen beringten Papageientaucher an der Küste aufgefunden. Der Grund dafür ist, dass die jungen Papageientaucher, wenn sie zum ersten Mal ihr Nest verlassen und flügge werden, mit Hilfe des Mondes und der Sterne navigieren“, sagt Dooley. „Die 45 bis 60 Tage alten Vögel halten nicht wirklich nach Land Ausschau – sie suchen das offene Meer. Die erwachsenen Papageientaucher sind da erfahrener.“

In klaren Nächten orientieren sich die jungen Papageientaucher am Licht des Mondes und der Sterne. Bei Nebel oder Dunst werden sie jedoch leichter durch die helle Beleuchtung an der Küste irritiert. Und an der felsigen Ostküste von Avalon, die auch als Southern Shore bekannt ist, sorgen auflandige Winde oft für Nebel. Caleb Ryan studiert Umweltökologie und ist einer von zwei Mitarbeitern der CPAWS, die in diesem Sommer nachts im Einsatz sind, um freiwillige Helfer anzulernen und ihnen beim Einfangen der Vögel zu helfen. Mit wie vielen Papageientauchern rechnet er? „Besonders viele Vögel finden wir, wenn es schwül und gewittrig ist — in ganz klaren Nächten sind es oft nicht ganz so viele. Aber es ist ganz unterschiedlich. Es ist jedes Jahr anders und hängt davon ab, wie viele schlüpfen – da spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle.“

Die Puffin Patrol besteht aus Freiwilligen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die gestrandeten jungen Papageientaucher zu retten. Im letzten Jahr gab es mehr als 1.000 Helfer. Ryan sagt: „Es machen sehr viele Leute mit und das ist gut für den Ort, denn so werden Touristen angezogen; es kommen sowohl Leute aus St. John’s als auch Einheimische.“ Die Freiwilligen patrouillieren von 20:30 Uhr bis 00:30 Uhr auf den Straßen der Stadt, an sieben Tagen in der Woche, von Anfang August bis September, „wenn die Vögel nicht mehr kommen“, berichtet Ryan.

Die flügge gewordenen und eingefangenen Papageientaucher werden in die Zentrale der Puffin Patrol gebracht – 2017 zum ersten Mal nicht die Garage der Schaus – wo sie beringt und gewogen werden und ihr Zustand protokolliert wird. „Wir stellen unsere Daten Environment Canada und allen anderen interessierten Stellen zur Verfügung“, sagt Ryan. „Außerdem verzeichnen wir noch den Fundort aller Vögel auf einer Karte, damit man ablesen kann, wo sich die Gefahrenzonen befinden und was die Vögel anzieht.“ Außerdem werden die Vögel noch auf Vogelgrippe getestet.

Am nächsten Morgen werden sie wieder freigelassen. Bis es soweit ist, kann ein Papageientaucher durchaus eine gewisse Berühmtheit erlangen. „Am Labour-Day-Wochenende letztes Jahr (2016) hatten wir – meine ich – nur einen einzigen Vogel“, erzählt Dooley. „Ich ging hinunter an den Strand und sagte ‚Es gibt nur einen Vogel, der freigelassen werden muss‘, und da standen 35 Leute und warteten auf mich und diesen einen Vogel.“ Die Anzahl der Vögel schwankt: die höchste Zahl wurde 2014 verzeichnet, als 414 Papageientaucher beringt wurden. Die gestrandeten Vögel aufzufinden, macht jedoch nur einen Teil der Arbeit aus: wie sowohl Ryan als auch Dooley betonen, würden sie die unfreiwilligen Landungen lieber komplett verhindern.

Eine Alternative zur Lichtverschmutzung

„Hoffentlich sind die Maßnahmen zur Risikobegrenzung, für die wir uns in den letzten drei bis vier Jahren eingesetzt haben, im Ort so gut angenommen worden, dass die Vögel weniger angelockt werden“, sagt Dooley. „Im Idealfall müssten wir gar keine Vögel mehr einsammeln“.

Dazu gehört auch, die Einwohner über die Beleuchtungsarten zu informieren, von denen die Vögel nicht angelockt würden. „In besonders stark frequentierten Bereichen – wir nennen sie Hotspots – klopfen wir tatsächlich bei den Leuten an die Tür und sagen: ‚Das hier ist eine Alternative für Ihre Beleuchtung‘“, berichtet Dooley. Bernsteinfarbene Leuchtbirnen und LEDs ziehen nicht ganz so viele Vögel an, nach unten gerichtete Lampen sind ebenfalls hilfreich. Es gibt bereits eine Broschüre für eine papageientaucherfreundliche Beleuchtung; in Kürze wird es auch eine mit Tipps für den Bau papageientaucherfreundlicher Häuser geben.

„Wir tun alles für diese Vögel, was in unserer Macht steht“, sagt Dooley.
Und was Schau betrifft, so engagiert er sich noch immer. „Er ist der ‚Puffin Man‘“, sagt Ryan.

Die in Witless Bay aufgewachsene Dooley sagt, dass Schau der richtige Mann am richtigen Ort war, um die Augen für ein altes Problem zu öffnen. „Die Leute wussten einfach nicht richtig, was sie mit ihnen machen sollten, oder haben das Problem nicht wirklich erkannt. Er kam einfach zu uns und sagte: ‚Du meine Güte, das sind alles plattgefahrene Vögel‘“.

Und so wurde die Initiative zur Rettung von Papageientauchern ins Leben gerufen.